Diskussion um Kohl-Grab geht weiter

Walter Kohl: "Ich würde mir wünschen, dass er ins richtige Grab umgebettet wird."

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Die Diskussionen um das Grab von Helmut Kohl in Speyer reißen nicht ab. In einem Interview mit dem SWR sagte Walter Kohl, der Sohn des Altkanzlers, er würde sich für seinen Vater ein anderes Grab wünschen.

Walter Kohl bat sich nach der Anfrage des SWR zum aktuellen Grab des Altkanzlers zunächst Bedenkzeit aus. Das Thema sei eine sehr persönliche Angelegenheit. Die Zusage kam drei Tage später, nach Rücksprache mit seinem Bruder Peter: Walter Kohl werde die Fragen stellvertretend für die Familien beider beantworten.

Das Grab von Helmut Kohl in Speyer im Januar 2022. (Foto: SWR)
Das Grab von Helmut Kohl in Speyer im Januar 2022

SWR Aktuell: Besuchen Sie das Grab Ihres Vaters regelmäßig?

Walter Kohl: Ja.

SWR Aktuell: Wie gefällt Ihnen die aktuelle Gestaltung und wissen Sie, was in Zukunft geplant ist?

Walter Kohl: In die Auswahl des Ortes und die Gestaltung des Grabes wurden wir als Familie zu keinem Zeitpunkt eingebunden. Seine zweite Frau hat diese Dinge alle im Alleingang entschieden. Ich empfinde die heutige Grabgestaltung in Speyer als unwürdig. Nach dem Tod unserer Mutter 2001 hatte er unser Familiengrab in Ludwigshafen-Friesenheim mit großem Engagement umgestaltet und damals schon einen Platz für seinen Namen auf dem von ihm ausgesuchten neuen Grabstein vorgesehen. Eigentlich war vorgesehen, dass er im Familiengrab seine letzte Ruhe finden würde. Heute liegt er allein auf einem Friedhof in Speyer, zu dem er keinen persönlichen Bezug hat und nicht wie geplant bei seiner Frau, seinen Eltern und seiner Familie.

Das Grab von Helmut Kohl in Speyer im Januar 2022. (Foto: SWR)
Das Grab von Helmut Kohl in Speyer im Januar 2022.

Ein eingezäuntes Grab mit Videoüberwachung ist für einen Staatsmann, dessen Wirken stets auf die Überwindung von Mauern ausgerichtet war, instinktlos. Es ist beschämend, dass das zuständige Domkapitel hier nicht einschreitet. 

SWR Aktuell: Welche Form der Grab-Gestaltung würden Sie sich wünschen?

Walter Kohl: Helmut Kohl sollte an der Seite seiner Frau Hannelore im gemeinsamen Familiengrab ruhen. So war es geplant, so entspricht es der historischen Wahrheit seines Werdegangs. Er hat immer gesagt, dass ohne die Unterstützung durch unsere Mutter sein Lebensweg und seine politischen Erfolge nie möglich gewesen wären. 

Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl (CDU) + Frau Hannelore beim UNICEF-Empfang; Platz der Republik, Berlin,  31.12.1999 (Foto: IMAGO, Tinkeres)
Altkanzler Helmut Kohl mit seiner ersten Ehefrau Hannelore Tinkeres

SWR Aktuell: Was würden Sie sich für den fünften Todestag Ihres Vaters wünschen, der in diesem Jahr ansteht?

Walter Kohl: Ich würde mir wünschen, dass er ins richtige Grab umgebettet wird. Mindestens sollte aber das Domkapitel aktiv werden, den Zaun entfernen und die Videoüberwachung einstellen lassen.

SWR Aktuell: Welche Beziehung haben Sie zum Grab ihres Vaters?  Ist es für Sie ein Ort, an dem Sie, Ihr Bruder und Ihre Familien gedenken und trauern können?

Walter Kohl: Ich empfinde das Grab als Fremdkörper, als einen Umdeutungsversuch historischer Tatsachen.

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