500-kg-Bombe in Ludwigshafen wurde entschärft (Foto: SV Bau GmbH)

Anwohner erschwerten Evakuierung

Weltkriegsbombe in Ludwigshafen mit Verzögerung entschärft

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Die 500-Kilo-Bombe in Ludwigshafen West ist entschärft. Die Experten konnten allerdings erst gut zwei Stunden später anfangen als geplant.

Etwa 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Ordnungsdienst sowie 50 Polizisten waren vor Ort, um die Räumung zu überwachen und Menschen im Ausweichquartier zu versorgen. Eigentlich sollte die Entschärfung um 19:30 Uhr beginnen. Weil mehrere Anwohner des Sperrbezirks aber noch in ihren Wohnungen waren, ging es erst gegen 21:40 Uhr los. Kurz nach 23 Uhr dann die Meldung: Die Bombe ist entschärft, die Gefahrenzone wieder freigegeben. Mehr als 7.000 Anwohner konnten in ihre Wohnungen und Häuser zurück.

Mehrere Anwohner wollten Häuser nicht verlassen

Bis 18 Uhr hätte eigentlich ein Radius von etwa 500 Metern um den Fundort der Bombe evakuiert sein sollen. Einige Anwohner weigerten sich nach Angaben der Stadtverwaltung aber, ihre Wohnungen zu verlassen. Andere Anwohner hatten von der ganzen Evakuierung noch gar nichts mitbekommen. Die Beigeordnete der Stadt Ludwigshafen, Beate Steeg, kritisierte das Verhalten der Bürger: "Manche Menschen sind einfach uneinsichtig, für ihren Eigenschutz auch selbst mit beitragen zu müssen. Da brauchte es einige größere Überzeugungskraft von uns."

Mann will Straßensperre durchbrechen und verletzt Polizist

Laut Polizei bestand ein Autofahrer auf die Durchfahrt der Straßensperre, weil er dahinter wohne. Mehrmals versuchte er die Straßensperre zu durchbrechen. Als es ihm das nicht gelang, wollte er über den Gehweg ausweichen. Dabei fuhr er einen Polizisten an und verletzte ihn leicht. Nun liegt eine dreifache Anzeige gegen ihn vor, wegen Nötigung, gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Probleme mit dem zweiten Zünder

Bei der Entschärfung gab es nach SWR-Informationen ebenfalls Probleme, die den Ablauf verzögerten. Ein zweiter Zünder musste erst freigelegt werden, was durch die sandige Baugrube erschwert wurde. Den Mitarbeitern des Kampfmittelräumdiensts gelang es zunächst nicht, die Bombe auszugraben, weil von oben permanent Sand nachrutschte. Deswegen musste mit einem Bagger zuerst großflächig Sand abgetragen werden.

Die amerikanische 500-Kilo-Bombe war am Montag bei Erdarbeiten auf einem Grundstück der Frankenthaler Straße gefunden worden. Erst im Juni hatte der Kampfmittelräumdienst in Ludwigshafen eine Weltkriegs-Bombe entschärft.

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7.000 Menschen von Evakuierung betroffen

Bei der Evakuierung gingen die Einsatzkräfte von Tür zu Tür, um nachzusehen, ob alle Menschen im gesperrten Bereich im Stadtteil West ihre Häuser und Wohnungen verlassen hatten. Mehr als 100 Menschen kamen zur Friedrich-Ebert-Halle, die die Stadt als Ausweichquartier ab 16:30 Uhr bereitgestellt hatte. Für etwa 40 Personen mit Gehbehinderungen oder Bettlägerige wurden Krankentransporte organisiert.

Wohnblock Ecke Frankenthaler StraßeRudolf-Hoffmann-Platz (Foto: SWR)
Dieses Gebäude muss am Mittwoch komplett geräumt werden

Die Stadt hatte allen Betroffenen empfohlen, ihre Wohnungen und Häuser beim Verlassen abzuschließen, außerdem Fenster und, wenn vorhanden, auch Rollläden zu schließen.

Überraschte Anwohner

Die Anwohner waren von dem Bombenfund überrascht. Eine junge Frau erzählte dem SWR: "Es war schon ein Schock gestern Abend, zu sehen wie die Polizei gekommen ist." Einen anderen Anwohner beschäftigte zuallererst die Frage: "Kann das jetzt hochgehen? Wenn das jetzt hochgeht, was ist dann alles weg?" Inzwischen konnten die beiden beruhigt werden.

Züge, ÖPNV und Hochstraße betroffen

Auch der Bus- und Straßenbahnverkehr war von der Evakuierung betroffen. Bis 18 Uhr durften sie die Sicherheitszone noch durchfahren, dann sperrte die Polizei die Straßenzufahrten rund um den Evakuierungsbereich. Es entfielen vier Stadtbahnlinien und sechs Buslinien, für die kein Ersatzverkehr eingerichtet wurde. Durch die Unterbrechung dieser Linien kam es auch im übrigen ÖPNV-Netz in Ludwigshafen zu Verzögerungen.

Bombenentschärfung in Ludwigshafen (Foto: Stadt Ludwigshafen)
In diesem Bereich muss Ludwigshafen am Mittwoch bis 18 Uhr evakuiert werden. Stadt Ludwigshafen

Ebenfalls betroffen war der westliche Teil der Hochstraße Nord, der während der Entschärfung gesperrt blieb. Die A650 war in dieser Zeit nicht über die Kurt-Schumacher-Brücke zu erreichen. Autofahrer von Mannheim Richtung Pfalz sollten über die Konrad-Adenauer-Brücke ausweichen und dann durch die Ludwigshafener Innenstadt zur Auffahrt Bruchwiesenstraße fahren. Oder großräumig ausweichen und auf der A6 bei Mannheim-Sandhofen Richtung Frankenthal den Rhein überqueren.

Der nahe gelegene Hauptbahnhof Ludwigshafen war nicht betroffen, allerdings einige Gleisbereiche. Seit 18 Uhr war deshalb die S-Bahn der Linie 6 der Deutschen Bahn zwischen Mannheim-Hauptbahnhof und Ludwigshafen-Oggersheim unterbrochen. Zudem wurde auch der Hauptfriedhof gesperrt, da er zu großen Teilen im Evakuierungsradius liegt.

Die Außenfassade des Müllheizkraftwerks in Ludwigshafen (Foto: SWR, Heiko Wirtz)
Im Müllheizkraftwerk muss während der Entschärfung die Spätschicht unterbrochen und das Gelände geräumt werden. Heiko Wirtz

Kraftwerke während Entschärfung heruntergefahren

Wie der Geschäftsführer des Ludwigshafener Müllheizkraftwerks (GML), Thomas Grommes, dem SWR mitteilte, mussten auch die Werksgelände komplett geräumt werden. Bei der GML konnte in dieser Zeit weder Müll angeliefert noch verbrannt werden. Auch das Fernheizkraftwerk musste seinen Betrieb kurzzeitig herunterfahren.

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