Eine Person klebt ein Schild mit der Aufschrift "Maske auf nicht vergessen!" an die Glasscheibe einer Zwischentür. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich)

Drei Ursachen

Warum sind die Corona-Zahlen in Germersheim so hoch?

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Der Kreis Germersheim hat mit einer Inzidenz von mehr als 300 die meisten Neuinfektionen in Rheinland-Pfalz. Was sind die Gründe? Wir haben nachgefragt.

Die Kreisverwaltung Germersheim nennt auf SWR-Anfrage am Dienstag drei Gründe für die hohe Sieben-Tages-Inzidenz: Erstens stecken sich derzeit vor allem kinderreiche Familien mit dem Coronavirus an. Zweitens haben Reiserückkehrer, die in den Herbstferien ihre Verwandten im Ausland besucht hätten, das Virus mitgebracht. Und drittens gibt es im Landkreis viele internationale Kontakte.

Kein Hotspot in Germersheim

Wie die Kreisverwaltung mitteilt, kann das Gesundheitsamt keinen großen Hotspot ausmachen. Ausbrüche gebe es aber in Schulen, Kindertagesstätten und Seniorenheimen.

Germersheim

Höchste Zahl von Neuinfektionen in RLP Kreis Germersheim: Corona-Inzidenz steigt weiter auf 359,6

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Germersheim steigt seit Tagen. Am Donnerstag erreichte sie 359,6 - und bleibt mit Abstand Spitzenreiter in Rheinland-Pfalz. Bei den unter 20-Jährigen liegt die Inzidenz bei 1.403.  mehr...

Realschule plus in Germersheim: 22 Infizierte

Wie sich das Virus in den Schulen verbreiten kann, zeigt der Fall der Richard-von-Weizsäcker-Realschule Plus in Germersheim. Insgesamt 22 Schulkinder, Lehrkräfte und auch ein Sozialarbeiter wurden positiv auf das Corona-Virus getestet. Alle achten Klassen, eine siebte und eine neunte Klasse sind zuhause.

Und jetzt? Das Gesundheitsamt des Landkreises empfiehlt in den Schulen wieder das durchgängige Tragen von Masken – anders als es die Regeln des Landes vorsehen.

Im Goethe-Gymnasium Germersheim stellt der stellvertretende Schulleiter Martin Stein fest: "Wir haben relativ viele positive Corona-Fälle, mehr als im vergangenen Jahr zu dieser Zeit." Fordert Stein Konsequenzen aus der hohen Inzidenz der unter 20-Jährigen? "Man muss sich schon fragen, ob das aktuelle Corona-Warnsystem so passt." Schließlich orientierten sich die Corona-Regeln und deren Verschärfungen an der Sieben-Tage-Inzidenz der Gesamtbevölkerung, an der Hospitalisierungsrate und der Belegung der Intensivstationen. "Die Politik sollte sich nach den Zahlen der Unter-20-Jährigen richten."

Eine Maske liegt in einer ersten Klasse einer Grundschule mit Wechselunterricht auf einem Mäppchen neben einer Karte, mit der die Kinder ihre Emotionen gegenüber der Corona-Krise anzeigen können. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
Schüler sollen in Germersheim wieder Maske tragen(Symbolbild) picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Der Alltag am Germersheimer Goethe-Gymnasium sieht so aus: Am Dienstag gab es fünf positive Corona-Fälle in Klasse 6, die ganze Klasse ist nach Hause geschickt worden. Ob die anderen sechsten Klassen folgen, werde man sehen, so Stein. Er sorgt sich um die ungeimpften Schülerinnen und Schüler, um ihre Eltern und die Kolleginnen und Kollegen. Die Schulleitung empfiehlt allen, durchgehend ihre Maske zu tragen. Anordnen kann sie das nicht. Anstatt eines Tests pro Woche, so wie vom Land neuerdings vorgesehen, wird zweimal getestet.

Schüler und Eltern in Wörth verunsichert

Am Europa-Gymnasium in Wörth, stellt Elternsprecher Steffen Weiß fest: "Viele Eltern und ihre Kinder sind verunsichert." Weiß, der auch bei den Freien Wählern ist, hat drei Forderungen an Kreis und Land: Erstens Impfangebote direkt an den Schulen, zweitens eine verstärkte Aufklärungsarbeit über das Corona-Virus in den Klassen, zum Beispiel durch Videos und drittens eine zeitweise Aussetzung des Präsenzunterrichts, um die Infektionszahlen herunterzubekommen.


Kinder-und Jugendzentrum begrenzt junge Besucher

Die hohen Fallzahlen haben auch Auswirkungen auf die Arbeit des Kinder- und Jugendzentrums "Hufeisen" in Germersheim. "Die offene Einrichtung ist ein wichtiger Bestandteil der Jugendarbeit hier, aber wir müssen schauen, dass wir das trotz der stark steigenden Zahlen vertreten können", sagt Leiter Karim Eibad: Nach den geltenden Regeln dürften sich 27 Personen gleichzeitig im Jugendtreff aufhalten – allerdings werden aktuell weniger eingelassen. Außerdem würde so viel wie möglich im Freien stattfinden. "Ich habe derzeit ein mulmiges Gefühl", sagt Eibad. Die jungen Menschen brauchten Kontakte und Nähe, gleichzeitig sorge er sich auch um ihre Gesundheit und die seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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