Helikopter der Bergrettung im Kleinwalsertal (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Nach Bergrettung von Pfälzer Schülern

Wer übernimmt Kosten für Retter und Hubschrauber im Einsatz?

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Nach der dramatischen Rettungsaktion von mehr als 100 Schülern und Lehrern auf einer Wandertour im Kleinwalsertal ist immer noch nicht klar, wer die Aktion bezahlt. Das Land Rheinland-Pfalz hat der Schule Unterstützung zugesagt.

Bei der Aktion waren Hubschrauber und 60 Bergretter im Einsatz. Und das könnte teuer werden. Noch ist wohl keine Rechnung angekommen, aber wie die Polizei aus Vorarlberg dem SWR mitteilte, wird sie ihren Hubschraubereinsatz den Lehrkräften beziehungsweise der ganzen Schule in Rechnung stellen.

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Das seien mehrere tausend Euro, so die Polizei. Ein Grund, warum der Einsatz so teuer wird, ist demnach, dass rund 70 Personen nacheinander in Dreiergruppen mit dem Hubschrauber vom Berg transportiert werden mussten. "Man kann sich ausrechnen, wie oft geflogen werden musste", sagte ein Polizeisprecher. Der ÖAMTC (quasi der österreichische ADAC) hatte ebenfalls einen Hubschrauber zur Rettung im Einsatz. Zunächst war unklar, ob die Schule diese Einsatzkosten auch noch übernehmen muss.

Mainz: Bildungsministerium sagt Unterstützung zu

Jetzt hat die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) aber angekündigt, die Schule nicht allein zu lassen. Hubig teilte dem SWR mit, "Wir haben, nachdem wir von den Vorgängen in Österreich erfahren haben, mit dem Leiter der betroffenen Schule Kontakt aufgenommen. Wir sind zunächst einmal erleichtert, dass Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte offensichtlich ohne ernstere Blessuren aus ihrer schwierigen Lage befreit werden konnten. Mein Dank gilt allen Kräften vor Ort für ihr beherztes und umsichtiges Eingreifen. Das ist eine schwierige Situation. Deshalb werden wir die Betroffenen bei der Bewältigung möglicher Folgen dieses Vorfalls nicht allein lassen."

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Ob das auch bedeutet, dass die Landesregierung die Kosten für den Einsatz übernehmen wird, geht aus der Mitteilung nicht eindeutig hervor.

Wandertour auf 1.800 Metern

Die fast 100 Schüler im Alter zwischen 12 und 14 Jahren waren am Dienstagnachmittag gemeinsam mit acht Lehrern bei Hirschegg im Kleinwalsertal in Österreich zu einer Wandertour aufgebrochen. Die Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums in Maxdorf sind derzeit auf Klassenfahrt.

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Schwierige Bergtour statt "Feierabendroute"

Die Tour in etwa 1.800 Metern Höhe führte die große Gruppe über den Heuberggrat zum Walmendingerhorn. Im Internet hatten sich die Lehrer über die Tour informiert, im Netz wurde sie als Feierabendroute beschrieben, so die Polizei. Tatsächlich sei die Tour aber nicht mehr in offiziellen Wanderführern ausgeschrieben, weil sie Kletterpassagen aufweise, die Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erforderten.

Alpinbergung der Schülergruppe aus Maxdorf im Kleinwalsertal (Foto: Polizei Vorarlberg)
Der Berggrat war in 1.800 Metern Höhe. Polizei Vorarlberg

Schüler rutschen bei Bergtour ab

Bei einsetzendem Regen gerieten Schüler und Lehrer zunehmend in Schwierigkeiten. Der Boden war laut Polizei bereits durch Regenfälle der vergangenen Tage aufgeweicht. Einige Schüler hätten auch keine für Wandertouren geeigneten Schuhe angehabt. Eine Lehrkraft habe sich schließlich zur Umkehr entschieden. Beim Umdrehen seien zwei Schüler abgerutscht. Sie zogen sich leichte Verletzungen an Oberkörpern und Beinen zu. Einzelne Schüler gerieten in Panik, heißt es im Polizeibericht. Deswegen setzte die Gruppe einen Notruf ab.

Schüler erschöpft und aufgelöst

Rund 60 Bergretter und zwei Hubschrauber wurden alarmiert. Kinder und Lehrer wurden zu einem Zwischenlandeplatz geflogen. Wie ein Sprecher der Polizei dem SWR sagte, wurden sie dazu in Gurten gesichert und einzeln am Hubschrauber hängend ausgeflogen. Vom Sammelplatz ging es weiter mit Fahrzeugen der Bergrettung und Feuerwehr. Rund vier Stunden dauerte der Einsatz.

Die Jugendlichen seien "erschöpft, durchnässt und völlig aufgelöst" gewesen. Sie wurden durch die Belegschaft der Jugendheime versorgt. Die Rettungsaktion war gegen 21 Uhr zu Ende. Nach Auskunft der Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde (ADD) in Trier haben einige Schüler sich auch psychologisch betreuen lassen. Alle seien aufgefordert worden, mit ihren Eltern Kontakt aufzunehmen, so die Schulaufsichtsbehörde.

Die zuständige Staatsanwaltschaft Feldkirch ermittelt, ob Fahrlässigkeit vorlag. Nach Einschätzung der Polizei und von einem Sprecher des Deutschen Alpenvereins (Sektion Ravensburg) sollten Wanderer, die Touren in den Alpen machen, sich nicht blind auf Informationen aus dem Internet verlassen - zumindest aber nach zuverlässigen Quellen suchen.

Bürgermeister aus Österreich kritisiert Interneteintrag

Der Bürgermeister von Mittelberg, Andi Haid, kritisierte den Verfasser des Interneteintrags. Es gebe immer häufiger solche "äußerst verantwortungslosen Interneteinträge, die zu lebensbedrohlichen Situationen führen", so Haid. Die Route ist laut Haid nicht mehr als offizieller Wanderweg ausgeschildert, weil es dort in der Vergangenheit schon Probleme gegeben habe.

Schulleiter in Maxdorf: Krisenteam hat getagt

Im Lise-Meitner-Gymnasium in Maxdorf hat unterdessen ein Krisenteam getagt, sagte Schulleiter Martin Storck dem SWR am Mittwoch. Es habe Gespräche in alle Richtungen gegeben, vor allem mit den Eltern der in Bergnot geratenen Schüler. Lehrkräfte und Schüler seien wohlauf.

Schüler setzen Klassenfahrt fort

Die Schule hat sich mit der Schulbehörde ADD darauf geeinigt, die Klassenfahrt nicht abzubrechen. Die Schüler bleiben noch in den Bergen. Es sei glücklicherweise niemand ernsthaft verletzt worden, so eine ADD-Sprecherin. Nach der Fahrt kündigte die Behörde an, mit den Lehrern zu sprechen, um die Situation aufzuarbeiten. Die ADD gehe davon aus, dass die Lehrkräfte nach bestem Wissen gehandelt hätten. Auch die Eltern daheim in der Pfalz hätten besonnen reagiert, so die Sprecherin weiter.

Lise-Meitner-Gymnasium Maxdorf (Foto: SWR)
Die Schüler besuchen das Lise-Meitner-Gymnasium in Maxdorf
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