Unfallstelle von dem tragischen Verkehrsunfall mit drei Toten am 19.09.20 bei Weisenheim am Berg mit Gedenkkreuzen und Kerzen (aufgenommen am 22.09.2020) (Foto: SWR)

Urteilsverkündung

Gefängnisstrafe nach Unfall mit drei Toten bei Weisenheim am Berg

STAND

Der 29-Jährige, der den schweren Unfall mit drei Toten im Kreis Bad Dürkheim verursacht hat, muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das hat das Frankenthaler Landgericht entschieden.

Die Richter verurteilten den 29-jährigen Jaguarfahrer aus dem hessischen Biblis wegen fahrlässiger Tötung und vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung. Die erhöhte Geschwindigkeit des Jaguarfahrers bei Weisenheim am Berg "war kein Versehen, das war Wahnsinn", sagte die Vorsitzende Richterin in ihrer Urteilsbegründung.

Video herunterladen (7,4 MB | MP4)

Doch Rasen allein sei noch kein unerlaubtes Rennen gegen sich selbst, wie es die Staatsanwaltschaft angeklagt habe, so die Richterin weiter. Der Angeklagte sei gerast, aber nicht mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit.

Der Unfallverursacher war vor zwei Jahren mit seinem Jaguar bei Weisenheim am Berg mit überhöhter Geschwindigkeit auf ein entgegenkommendes Auto geprallt - Fahrerin, Beifahrerin und ein 15 Monate alter Junge starben in dem Wagen. Ein vier Wochen altes Baby überlebte.

Autowrack von tödlichem Unfall bei Weisenheim am Berg (Foto: Privatfoto)
In diesem Wrack starben zwei Frauen und ein Kind Privatfoto

Richter sehen kein Rennen gegen sich selbst

Die Vorsitzende Richterin war an einer Stelle der Urteilsbegründung den Tränen nahe, als sie sagte, das Ergebnis eines Unfalls könne kaum grausamer sein. Dennoch betonte die Richterin: Ihr sei bewusst, dass niemals alle mit dem Urteil zufrieden sein würden. Das Strafmaß solle und könne nicht abschreckend wirken. Denn Studien hätten bewiesen, dass härtere Strafen notorische Raser nicht abschreckten.

Mit dem Urteil blieben die Richter ein Jahr unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte viereinhalb Jahre Haft gefordert - sie hatte dem 29-Jährigen zusätzlich ein Einzelrennen mit Todesfolge vorgeworfen.

Das sahen die Richter anders. Rasen allein reiche nicht für eine Verurteilung für ein verbotenes Rennen gegen sich selbst. Der 29-Jährige habe zudem nicht die größtmögliche Geschwindigkeit angestrebt, weil er nicht mit der maximal möglichen Drehzahl unterwegs war, so die Vorsitzende Richterin. Er habe auch nicht, wie andere bereits verurteilte Raser seinen Tacho oder sich selbst gefilmt. Es sei kein Vorsatz nachweisbar und keine Wiederholungsgefahr zu befürchten. Außerdem gelte grundsätzlich: Im Zweifel für den Angeklagten.

Das Gericht entschied zudem, dass der 29-Jährige für mindestens zwei Jahre seinen Führerschein abgeben muss. Außerdem soll er die Gerichtskosten tragen. Nach Aussage seines Anwalts belaufen sich allein die Kosten für die beiden Gutachten auf bis zu 40.000 Euro.

Weisenheim am Berg

Zeuge im Prozess: "Ich war ein Jahr wie in Trance" Tödlicher Unfall bei Weisenheim: Beifahrer leidet unter psychischen Folgen

Im Prozess um den tödlichen Unfall in Weisenheim am Berg (Kreis Bad Dürkheim) hat der Beifahrer des Angeklagten ausgesagt. Er leide seit dem Unfall an den psychischen Folgen des Erlebten, sagte der 26-Jährige.

Verteidiger: Angeklagter nach Unfall traumatisiert

Der Rechtsanwalt des jungen Mannes hatte eine Bewährungsstrafe gefordert - das heißt, eine Strafe von höchstens zwei Jahren. Der Anwalt betonte, der Angeklagte sei nach dem Unfall traumatisiert gewesen.

Der 29-jährige Unfallfahrer selbst hatte sich am letzten Prozesstag am Donnerstag noch einmal bei den Angehörigen entschuldigt: "Mir tut es von Herzen weh", sagte der junge Mann und beteuerte: "Ich bin kein Raser und kein schlechter Mensch."

Der Angeklagte, der den tödlichen Unfall verursacht haben soll (Foto: SWR)
Der Angeklagte, der den tödlichen Unfall verursacht haben soll

Zum Prozessauftakt hatte der junge Mann gesagt, er sei ein entspannter und geduldiger Autofahrer. An dem Unfalltag sei er nicht gerast: "Ich habe nicht empfunden, dass ich übermäßig schnell war."

Revision gegen das Urteil wahrscheinlich

Der Verteidiger des Verurteilten will jetzt nach eigenen Angaben prüfen, ob er vor dem Bundesgerichtshof (BGH) Revision gegen das Urteil einlegen wird. Und auch der Oberstaatsanwalt ist mit dem Urteil nicht zufrieden: Seines Erachtens war der Jaguarfahrer ja ein verbotenes Einzelrennen gegen sich selbst gefahren, was soviel heißt, dass er die Strecke mit seinem PS-starken Sportwagen so schnell wie möglich zurücklegen wollte.

Frankenthal

Autounfall mit drei Toten in Weisenheim am Berg Angeklagter Jaguar-Fahrer: "Ich habe nicht empfunden, dass ich übermäßig schnell war"

Am Dienstag hat in Frankenthal der Prozess gegen einen Mann wegen fahrlässiger Tötung dreier Menschen begonnen. Erstmals hat sich der Jaguar-Fahrer zum Unfall in Weisenheim am Berg (Kreis Bad Dürkheim) geäußert.

Frankenthal

Prozess am Landgericht Frankenthal Tödlicher Unfall bei Weisenheim: "Mir wird schlecht, wenn ich mich an den Unfall erinnere"

Im Prozess um den Unfall mit drei Toten bei Weisenheim am Berg (Kreis Bad Dürkheim) haben die ersten Zeugen vor Gericht ausgesagt. Ein Zeuge konnte dem Unfallfahrer gerade noch ausweichen.

Weisenheim am Berg

Anklage fordert viereinhalb Jahre Haft Tödlicher Unfall in der Pfalz: "Ich bin kein Raser und kein schlechter Mensch"

Bei einem schweren Unfall im September 2020 starben im Kreis Bad Dürkheim drei Menschen. Für den Unfallfahrer forderte die Staatsanwaltschaft jetzt viereinhalb Jahre Haft. Der Angeklagte entschuldigte sich in seinem Schlusswort.

STAND
AUTOR/IN
SWR