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Wer war verantwortlich für die verheerende Explosion bei der BASF in Ludwigshafen im Herbst 2016? Juristisch ist diese Frage beantwortet. Restlos aufgeklärt ist das Geschehen aber nicht.

Es war wohl einer der emotionalsten Prozesse der vergangenen Jahre, der am Dienstag mit der Urteilsverkündung zu Ende ging. Verhandelt wurde das verheerende Unglück bei der BASF vor drei Jahren. Fünf Menschen kamen damals durch die Gasexplosion ums Leben, 44 wurden verletzt.

Angeklagt war ein 63-jähriger Schweißer. Dem Mitarbeiter einer externen Firma wurde vorgeworfen, ein falsches Rohr angeschnitten und dadurch die Explosion ausgelöst zu haben. Dafür wurde er vom Landgericht Frankenthal zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

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BASF-Explosion: Plädoyers von Freispruch bis Haftstrafe

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr für den Arbeiter gefordert. Der Mann habe in einer Art Blackout eine falsche Leitung angeschnitten und so die Tragödie verursacht. Die Nebenkläger, also die Angehörigen der Opfer, wollten eine Haftstrafe von mindestens zweieinhalb Jahren erreichen. Der Verteidiger des Angeklagten forderte einen Freispruch oder im Fall einer Verurteilung eine Bewährungsstrafe von maximal sechs Monaten. Er sah auch eine Mitverantwortung der BASF wegen unzureichender Sicherheitsmaßnahmen und Rohrisolierungen.

Welche Rolle spielt die BASF in dem Fall?

Rechtsanwalt Alexander Klein sieht den Chemie-Konzern in der Mitverantwortung. Die betreffenden Leitungen hätten keinen Brandschutz gehabt und seien für Temperaturen von 50 Grad ausgelegt gewesen. Klein vertritt die Eltern eines getöteten Feuerwehrmanns.

Laut Klein gab es "mehrere Versäumnisse" der BASF. Für den Fall, dass das Gericht das auch so sieht, kündigte er an, strafrechtliche Konsequenzen zu prüfen. Dabei gehe es nicht um die Frage von Entschädigung oder Schmerzensgeld.

Angeklagter im Prozess um BASF-Gasexplosion im Landgericht Frankenthal (Foto: SWR, Frank Schumann)
Der Angeklagte im Gerichtssaal im Landgericht Frankenthal zwischen seinem Verteidiger und einem Übersetzer Frank Schumann

Was sagte der Angeklagte zur Explosion?

Der 63 Jahre alte Angeklagte aus Bosnien-Herzegowina sagte im Prozess aus, keinerlei Erinnerung zu haben, nicht einmal daran, dass er selbst in Flammen gestanden habe. "Ich habe mich eine Million Mal gefragt, wie es dazu kommen konnte, aber ich habe keine Antwort", sagte er vor Gericht. Er sei an jenem 17. Oktober ganz normal und gesund zur Arbeit erschienen.

Wie lautete die Anklage?

Die Anklage lautete auf fahrlässige Tötung, Körperverletzung und das fahrlässige Herbeiführen einer Explosion. Nach dem Schnitt in die Leitung war die Katastrophe nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht mehr zu verhindern. Vier Mitarbeiter der Werksfeuerwehr und ein Matrose eines Tankmotorschiffs wurden getötet oder erlagen später ihren schweren Verletzungen.

Warum dauerte der Prozess um die Explosion bei der BASF so lange?

Seit dem 5. Februar wurde das Unglück vor dem Landgericht Frankenthal aufgearbeitet. Der Tag der Urteilsverkündung war der 28. Prozesstag. Insgesamt wurden 28 Zeugen und neun Sachverständige gehört. Das Problem laut Gericht: Es gab keinen Augenzeugen; der Angeklagte habe keine Erinnerung. Die Vorgänge im technischen Bereich mussten rekonstruiert werden.

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