Putins Krieg in der Ukraine

In Landau gestrandet: Ukrainische Studentin hat Angst um ihre Freunde

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AUTOR/IN
Ulrike Brandt

Wegen des Krieges kann die Ukrainerin Nataliia Kovsh nicht zurück nach Hause. Und sie hat Angst: Eine Freundin wohnt in der Nähe des angegriffenen AKWs in Saporischschja.

Nataliia Kovsh, ukrainische Austauschstudentin in Landau (Foto: SWR)
Ihr Handy ist für Nataliia Kovsh die wichtigste Verbindung nach Hause

Nataliia Kovsh starrt auf ihr Handy. Schon wieder. So macht sie es seit Kriegsbeginn. Die ukrainische Studentin, die gerade in Landau wohnt, ist müde. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag habe sie kaum geschlafen, erzählt Nataliia, sondern sich Nachrichten geschrieben mit Inna, einer Freundin, die in der Nähe des von der russischen Armee angegriffenen Atomkraftwerks in Saporischschja lebt.

"Ich möchte weiterleben!"

Inna schreibt in der Nacht, die Angriffe seien schrecklich, sie habe Angst. Und dann: "Ich weiß nicht, was ich machen soll. Aber ich habe einen großen Wunsch, ich möchte weiterleben!"

Als Nataliia das erzählt, auf einer Parkbank, in der sonnigen Landauer Innenstadt, überschlägt sich fast ihre Stimme. Sie ruft laut: "Das ist nicht richtig, dass meine Freundin so etwas denken muss!" Inna sei noch so jung, sie habe doch ein Recht, zu leben.

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Die 20-jährige Nataliia lächelt kurz. Sie lächelt das Weinen weg. Die ganze Nacht über habe sie geweint, erzählt die Germanistik-Studentin. Geweint wegen ihrer Freundin in der Nähe des AKW, geweint, weil sie nicht helfen kann, geweint, weil sie weit weg ist von Zuhause. 

Trotz Krieg: Nataliia will zurück in die Ukraine

Im Oktober vergangenen Jahres ist Nataliia Kovsh für ein halbes Jahr als Austauschstudentin nach Landau gekommen. Das Semester ist vorbei, die Prüfungen auch, doch nach Hause kann sie nicht. Die Flüge sind gestrichen und an der Grenze hätten all die Menschen Priorität, die herauswollten aus der Ukraine, nicht die, die hineinwollten, sagt die Studentin.

"Ich will nach Hause, ich will meine Mutter umarmen und mit ihr weinen, anstatt alleine in meinem Wohnheim."

Eigentlich wohnt und studiert sie in Uschhorod, ganz im Westen der Ukraine, direkt an der slowakischen Grenze. Kriegshandlungen gebe es dort noch nicht, erzählt Nataliia, aber sehr viele Flüchtlinge. Und anstatt in Landau festzusitzen, hat sie nur einen Wunsch: "Ich möchte vor Ort helfen, Essen organisieren für die Flüchtlinge. Hier in Landau kann ich nichts machen."

Warten auf Nachricht aus Saporischschja

Die 20-Jährige fühlt sich hilflos, ist nervös und erschrocken. Während sie redet, schaut sie auf ihr Handy. Eben noch hat ihre Freundin Inna geschrieben, dass die russische Armee in der Stadt sei. Dann schrieb Inna, dass sie nun in den Keller gehe, um Schutz zu suchen. Dann antwortet Inna nicht. Und Nataliia geht müde und voller Sorgen in ihr Landauer Wohnheim zurück.

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