Zum Tag des Friedhofs

Bestatter in der Pfalz: "Wir sind Event-Manager"

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Auch die allerletzte Party soll unvergesslich sein. "Bestatter sind inzwischen Eventmanager", sagt Joachim Reber aus Landau. Im Interview erzählt der Bestatter von Live-Streams auf dem Friedhof, Schnaps bei der Beerdigung und warum Urnen im Trend liegen.

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"Wir organisieren inzwischen alles – das Kaffeetrinken nach der Beerdigung, die Musiker, die Einladungen – alles. Wir bieten ein Riesenportfolio an Dienstleistungen an", erzählt Joachim Reber, Bestatter aus Landau. Alles kann, nichts muss, das ist ihm wichtig. Die Angehörigen bei der Wahl des Sargs oder einer Urne zu beraten, den Leichnam abzuholen und herzurichten – damit sei es längst nicht mehr getan. "Während Corona haben wir Live-Streams von den Beerdigungen organisiert, damit Angehörige online mit dabei sein konnten." Das habe aber meist nicht so gut geklappt – das W-Lan funktionierte nur schlecht auf den Friedhöfen.

Live-Streams vom Friedhof

Also seien die Beisetzungen, die nur im engsten Familienkreis stattfinden durften, per Video aufgezeichnet und auf einen Server gestellt worden. So konnten sich Angehörige, die nicht dabei waren und Freunde die Trauerfeier danach wenigstens anschauen. Das sei wichtig, denn: "Die Bestattung und den Abschied kann man nicht nachholen", sagt Reber. Es habe Familien gegeben, für die er die Urne des Verstorbenen wegen Corona fast ein Jahr lang aufbewahrt habe – weil sie eine Beerdigung mit vielen Menschen wollten, einen richtigen Abschied. Für viele Trauernde sei es schlimm gewesen, sich während Corona nicht persönlich von ihren Verstorbenen verabschieden zu können. "Trauerpsychologisch war das eine Katastrophe", sagt Reber. Er habe in der Zeit wahre Dramen in den Trauergesprächen erlebt. Das sei ihm nahe gegangen.

Zwei Bestatter stehen mit einer Urne an einem Grab. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance/Oliver Dietze/dpa)
Picture Alliance/Oliver Dietze/dpa

Philosophie des Bestatter-Berufs: Sonderwünsche umsetzen

Seit 30 Jahren ist Reber Bestatter. Er liebt ihn. Reber ist auch Innungsmeister der Bestatter in der Südpfalz – also der Ansprechpartner für alle. Aktuell organisiert er eine Beerdigung im Wald mit Catering für 120 Angehörige und Freunde. In typisches Beispiel dafür, dass Trauerfeiern immer individueller würden."„Das ist ja auch die Philosophie des Berufs. Wir versuchen, Sonderwünsche möglich zu machen, wenn sie im Einklang mit dem Gesetz stehen. Und dann gibt’s schon mal den Sektempfang auf dem Friedhof oder den Schnaps nach der Urnenbeisetzung - einfach deshalb, weil es der Schnaps des Verstorbenen war. In der Pfalz wollen die Angehörigen beim Leichenschmaus eher belegte Brötchen,  in anderen Regionen sei es Kasseler, Suppe oder Schnittchen, erzählt Reber.

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Trend geht zur Feuerbestattung

Im Trend seien vor allem Urnenbeisetzungen – die Feuerbestattungen machten 75 Prozent aus, nur 25 Prozent seien Erdbestattungen. Urnen seien "pflegeleichter". Viele Familien wohnten weit weg und könnten sich nicht um die Gräber kümmern. Außerdem gebe es bei Bestattungen einen Trend zum Individualismus – und da sei Vieles mit Urnen leichter zu ermöglichen. Denn: Mit Urnen sei – fast - alles möglich, Seebestattungen beispielsweise oder ein Grab im Friedwald.

Eine Urne bemalt mit dem Speyerer Dom steht in einem Bestattungsinstitut in Speyer.  (Foto: SWR)
Eine Urne bemalt mit dem Speyerer Dom.

Seebestattung in Australien

"Wenn zum Beispiel jemand regelmäßig auf Mallorca im Urlaub war, dann hatten wir schon Anfragen, dass es schön wäre, wenn die Beisetzung dort in einer Bucht um die Insel herum sein könnte"“ Dann frage man bei den Partner vor Ort und einer  Seebestattungs-Reederei an. Er habe auch schon, zusammen mit Partnern vor Ort, eine Seebestattung für einen Hobby-Taucher vor Australiens Küste organisiert. Bestatter seien vor allem auch Seelsorger, sagt Reber. "Bestatter ist einer der vielseitigsten Berufe, die es gibt. Wir haben mit Menschen in Ausnahmesituationen zu tun. Sie kriegen eine gigantische Menschenkenntnis und dürfen Unterstützer sein."

Für Bestatter-Beruf ist Empathie wichtig

Vor allem das Mitgefühl, die Empathie sei wichtig. Da trenne sich die Spreu vom Weizen, sagt Reber. Seine Azubis wählt er deshalb sorgfältig aus. "Ich kann hier nur Mitarbeiter beschäftigen, die verstehen, worum es geht." Darum, dass man Verstorbenen mit Respekt und Würde begegnet, sie beispielsweise auch fürs Krematorium schön ankleidet.

Trauergespräche mit jungen Familien extrem belastend

Besonders belastend findet der Bestatter die Gespräche mit jungen Familien, die ein Kind oder ihr Baby verloren haben. "Das tut immer weh", sagt Reber. Auch nach Jahrzehnten in dem Beruf falle es oft schwer, die richtigen Worte zu finden. "Da haben sie eine junge Familie vor sich und wollen Trost spenden, das ist einfach schwer. Sie wollen ja keine Floskeln sagen."

Grabmal mit weinender Frau aus Sandstein (Foto: SWR)
Viele der großen Grabmale auf dem Pirmasenser Waldfriedhof sind fast 100 Jahre alt.

Ihm sei es wichtig, den Trauernden Zeit und Raum zu geben. Viele wüssten gar nicht, dass sie den Leichnam nach dem Tod 36 Stunden zu Hause behalten dürften. Wenn die Familie dann diese Zeit habe, Abschied zu nehmen,  zu weinen, zu trauern, aber sich vielleicht auch gemeinsam zu erinnern – das sei wichtig, glaubt Reber. Für ihn ist der Abschied mit das Wichtigste im Leben.

Joachim Reber ist Bestatter in Landau und Innungsmeister für die Südpfalz.

Joachim Reber, Geschäftsführer Reber Bestattungen  (Foto: Joachim Reber)
Joachim Reber

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