Eltern streiten sich an Weihnachten, während das Kind anwesend ist. (Foto: Colourbox)

Zoff wegen Corona-Maßnahmen und Impfungen

Streit um Corona spaltet Familien und Freundeskreise in der Pfalz

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AUTOR/IN
Heiko Wirtz

Die Corona-Einschränkungen und das Thema Impfen führen in vielen Familien und Freundeskreisen zum Streit. Aber wie geht man damit um, wenn der eine aufs Impfen schwört und der andere es strikt ablehnt?

Es legt sich ein Corona-Schatten auf viele enge Beziehungen. Das bestätigen auch Passanten in der Bad Dürkheimer Innenstadt. Eine ehemalige Krankenschwester aus Bad Dürkheim, die ihren Namen nicht nennen möchte, sagt, dass es bei ihr immer wieder mit Verwandten und guten Bekannten Streit ums Impfen gibt: "Die meinen, ich habe mir Gift spritzen lassen – oder Nano-Anteile – die machen einem dann ein schlechtes Gewissen, wenn man sich impfen lässt oder ließ“.

Bad Dürkheim: Streitpunkt Corona-Maßnahmen

Ein anderer Streitpunkt: Die Corona-Schutzmaßnahmen – oder Freiheitsbeschränkungen – je nach Sichtweise. Ein junger Familienvater bestätigt bei der Umfrage in Bad Dürkheim, dass er sich dazu mit seiner Schwester öfter zofft. Sie sei eine sehr "starke Befürworterin“ der Schutzmaßnahmen und habe kein Verständnis für Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen. Der junge Mann meint: "Manche Maßnahmen sind schon etwas überzogen“.

Freunde oder Bekannten werden "kaltgestellt“

Meinungen – Fakten – Weltbilder prallen aufeinander – offenbar in vielen Freunddeskreisen und Familien – auch in der Pfalz. In Bad Dürkheim ist auch Erwin Laubenstein mit seiner Frau unterwegs. Der gebürtige Ludwigshafener bestätigt, dass er schon einige Bekanntschaften "kaltgestellt“ hat. Er sei klar für die Corona-Schutzmaßnahmen und auch für das Impfen.

"Wer gegen solche Sachen verstößt und kein Verständnis aufbringen möchte, mit dem möchte ich auch in Zukunft meine kostbare Zeit nicht verbringen.“

Fußgönheim: Was rät die Expertin bei Streit um das Thema Corona?

Es muss nicht immer der Bruch sein, sagt die erfahrene Psychotherapeutin Christel Frey aus Fußgönheim (Rhein-Pfalz-Kreis), die auch Kommunikationsexpertin ist. Ganz wichtig sei, nicht darüber zu streiten, wer wirklich recht habe. Die Psychologin erläutert, wie man mit dem Gegenüber sprechen kann: "Meine Meinung ist nicht die absolute Wahrheit - bei Dir höre ich aber, dass Du denkst, Deine Meinung sei die absolute Wahrheit. Es sind aber nur ein paar Fakten, die Dir sympathischer sind - ich habe andere Fakten zusammengesucht - und das müssen wir jetzt einfach so stehen lassen.“

Speyer: Diakonisches Werk bestätigt Streit in Familien und Freundeskreisen

Das diakonische Werk der Evangelischen Kirche der Pfalz bestätigt auf SWR-Anfrage, dass das Thema Corona in vielen Familien zu Stress und Streit führt. Das zeige sich bei der Arbeit der Sozial- und Lebensberatungsstellen. Immer wieder gebe es Hilfesuchende, die im Familien- und Freundeskreis auf Corona-Leugner oder Impfgegner treffen und sehr darunter leiden. Die Betroffenen seien oft fassungslos und könnten nicht glauben, dass kluge Menschen und Vorbilder aus ihrem Umfeld so "abdriften“.

Unterscheiden zwischen Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern

Auch Georg Wenz, Weltanschauungsbeauftragter der Evangelischen Kirche der Pfalz in Landau, kennt das Problem. An ihn haben sich während der Pandemie immer wieder Menschen gewandt, die Hilfe suchten – unter anderem gehe es um den Streit ums Impfen. Wenz sagt: "Es kann sein, dass durch das Thema Corona ein tiefer liegender Konflikt erst aufbricht.“ Man müsse aber unterscheiden zwischen Impfgegnern und Menschen, die Verschwörungstheorien verbreiten.

Verwandten und Freunden rät Wenz, dahinter liegende Bedürfnisse herauszufinden. Mit den folgenden Fragen: Hast Du Angst? Warum denkst Du, dass das die richtige Gruppe ist? Warum beschäftigst Du Dich nur noch mit diesem Thema? Der Experte stellt dazu fest:

"Impfgegner haben oft einen großen Bekehrungsdrang – ja einen missionarischen Eifer.“

Mögliche Strategie: Thema Corona meiden

Gerade weil der Eifer groß ist und die Emotionen hochkochen, haben viele Menschen Strategien entwickelt, um Zoff und Streit rund um das Thema Corona zu vermeiden. Sie gehen den Corona-Schatten aus dem Weg, könnte man sagen – auch diese junge Frau in der Fußgängerzone von Bad Dürkheim hat diese Strategie gewählt. Sie sagt, sie habe Tanten und Onkel, die fundamental gegen das Impfen seien. Ihre Alternative zum Streit:

"Das Thema so weit wie möglich meiden, weil man weiß, dass man da nicht zusammenfindet“.

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Heiko Wirtz