Stadtrat berät über Haltung zur Geothermie in Landau (Foto: SWR)

Kehrtwende bei Geothermie?

Stadtrat Landau fordert Experten-Stimmen zur Geothermie

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Erdbeben und Bodenhebungen - das Geothermiekraftwerk Landau sorgte lange für Störfälle und Ärger. Die Stadt forderte deshalb seine Stilllegung. Doch nun die Verwaltung hat ihre Haltung geändert.

2014 hatte der Stadtrat von Landau in einer Resolution gefordert, dass das Geothermiekraftwerk dauerhaft abgeschaltet wird. Nun will die Stadtverwaltung offenbar, dass die Resolution zurückgenommen wird. Stattdessen will sie die Pläne des aktuellen Betreibers unterstützen und kritisch begleiten. Bei einer Sitzung des Stadtrates am Dienstagabend stand die Kehrtwende erneut auf der Tagesordnung.

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Stradtrat Landau: Einige Mitglieder noch skeptisch

Doch so ungeprüft will der Stadtrat die Resolution nicht zurücknehmen. Am Dienstagabend einigte man sich darauf, dass zunächst Experten und Unternehmer zu den Themen Geothermie und Lithium im Hauptausschuss der Stadt Rede und Antwort stehen sollen. Das ist nun für Ende Mai geplant. Danach will sich der Stadtrat erneut mit seiner Haltung zur Geothermie in Landau befassen.

Stadtrat Landau: Abstimmung zur Geothermie zunächst verschoben

Im Hauptausschuss vor zwei Wochen zeigten sich die meisten Fraktionen offen für diesen Kurswechsel. Allerdings hatten die Fraktionen im Stadtrat noch Bedenken und stellten viele Fragen, zum Beispiel: Wie sicher wird das Geothermiekraftwerk in Zukunft sein? Was heißt ein Weiterbetrieb für die Anwohnerinnen und Anwohner? Wie würde die Nahwärme, die das Kraftwerk liefern könnte, zu den Anwohnern kommen? Und ist die Stadt überhaupt der richtige Standort für Geothermie und Lithium-Gewinnung?

Das Geothermiekraftwerk in Landau (Foto: SWR)

Stadt Landau befürwortet nun offenbar dritte Bohrung

Der Kraftwerksbetreiber, die Firma geox, plant eine dritte Bohrung durchzuführen. Diese Bohrung soll es dem Betreiber nach eigenen Angaben ermöglichen, mehr heißes Wasser aus der Tiefe nach oben zu pumpen und mit Druck wieder zurückzupressen. So soll mehr Heizwärme und Strom erzeugt werden als bisher.

Die Stadtverwaltung Landau steht dieser dritten Bohrung, die schon einmal 2012 geplant war, jetzt nicht mehr ablehnend gegenüber. Ihre Kehrtwende begründet sie damit, dass Geothermiekraftwerk jetzt sicherer betrieben werden kann.

Außerdem würden der Klimawandel und nun auch der Krieg in der Ukraine Deutschland vor neue Herausforderungen bei der Energie- und Rohstoffversorgung stellen. Geothermie könne hier einen wesentlichen Beitrag leisten, da sie unabhängig von Sonne und Wind zur Verfügung stehe, heißt es in der Sitzungsvorlage. Zu diesem Ergebnis komme auch die Anfang 2022 vorgelegte Studie verschiedener Institute.

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Stadt Landau unterstützt Lithium-Gewinnung

Und die Stadtverwaltung steht auch den Plänen des Betreibers, den Rohstoff Lithium quasi als Nebenprodukt aus dem Thermalwasser zu gewinnen "grundsätzlich positiv" gegenüber. Sie argumentiert, dass Lithium ein wichtiger Rohstoff für die Produktion von Batterien in der Fahrzeugindustrie sei, der vor Ort klimaneutral gewonnen werden könne. "Als Schlüsselindustrie kann die Lithiumproduktion den Wirtschaftsstandort Südpfalz hin zum Technologiestandort für die Mobilität der Zukunft fördern, die Transformation unterstützen und neue, zukunftssichere Arbeitsplätze schaffen", heißt es dazu in der Sitzungsvorlage.

Damit unterstützt die Stadt die Pläne des Kraftwerkbetreibers geox, der die Lithiumförderung zusammen mit der Firma Vulcan Energie aus Karlsruhe in Landau vorantreibt. Seit dem vergangenen Herbst hat Vulcan Energie im Landauer Kraftwerk eine kleine Versuchsanlage laufen. Dabei wird getestet, wie der heiß begehrte Rohstoff am besten aus dem Thermalwasser herausgefiltert werden kann.

"In den nächsten Wochen", so die Stadtverwaltung, will der Betreiber auf einem benachbarten Grundstück eine größere Pilotanlage bauen. Mit ihr soll das Lithium dann vorübergehend in größerem Maßstab aus dem Thermalwasser herausgelöst werden. Der Betreiber erhofft sich dadurch Erkenntnisse für eine gewerbliche Anlage, die er in der Nähe des Kraftwerks bauen will.

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Wie geht es weiter?

Stimmt der Stadtrat zu, wird die Stadtverwaltung dazu ermächtigt, die Pläne für den Bau einer Anlage zur Lithiumgewinnung in Landau "grundsätzlich ergebnisoffen" zu begleiten. Dabei werde die Stadt wirtschaftliche, städtebauliche und umwelttechnische Aspekte berücksichtigen und auch prüfen, ob sich das Projekt mit dem angrenzenden Wohngebiet "Wohnpark am Ebenberg" verträgt. Auch eine breite Bürgerbeteiligung sei vorgesehen.

Rückblick: Pannenserie des Geothermiekraftwerks Landau


2007 war das Geothermiekarftwerk Landau in Betrieb gegangen, als erstes Erdwärmekraftwerk in Rheinland-Pfalz - gefeiert und begrüßt von der Landespolitik. Damalige Anteilseigner waren die Pfalzwerke und der Landauer Energieversorger Energie Südwest. Aber es lief von Anfang an nicht rund: Die Anlage musste immer wieder heruntergefahren werden, es kam zu Erderschütterungen und Bewohner meldeten Risse an ihren Häusern. Das führte dazu, dass das Kraftwerk seine Leistung dauerhaft drosseln musste.

Die Folge: Die Anlage konnte nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden, um Strom und Wärme zu erzeugen. Es drohte eine Insolvenz. Die konnte 2013 dann abgewendet werden: Die Energie Südwest und die Pfalzwerke verkauften ihre Anteile am Landauer Kraftwerk nach und nach an die Firma Daldrup.

Kurz darauf folgte der Shutdown: 2014 kam es zu Bodenhebungen im Bereich der Anlage. Auch Bahngleise waren davon betroffen. Die für den Betrieb zuständige Genehmigungsbehörde - das Landesamt für Geologie und Bergbau - entschied daraufhin, dass das Erdwärmekraftwerk "vorsorglich vorübergehend" abgeschaltet werden muss. Später stellte sich heraus, dass aus einem Leck in einer der beiden Bohrungen giftiges Tiefenwasser ausgetreten und ins Grundwasser gelangt war. Das Kraftwerk blieb daraufhin rund drei Jahre abgeschaltet.

In dieser Zeit hatte die Firma Daldrup die lecke Bohrung reparieren und die Sicherheitstechnik komplett erneuern lassen. Bis das Landesamt für Bergbau und Geologie aber grünes Licht für die endgültige Wiederinbetriebnahme gab, dauerte es nochmals rund drei Jahre. Und es gab erneut einen Besitzerwechsel. Die Firma Daldrup verkaufte 2019 ihre Anteile zu 100 Prozent an einen Finanzinvestor aus Luxemburg. Die Firma geox blieb aber weiter Betreiber der Anlage in Landau.

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