Kardinal Friedrich Wetter (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Neue Studie zu Missbrauch in Katholischer Kirche

Bleibt Kardinal Wetter Ehrenbürger von Landau?

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In einem neuen Gutachten zu Missbrauch in der Katholischen Kirche wird auch der aus Landau stammende Kardinal Wetter belastet. Ihm wird vorgeworfen, Fälle von sexuellem Missbrauch nicht angemessen verfolgt zu haben.

In einer ersten Reaktion zeigte sich der Landauer Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU) erschüttert. Es werde nun geprüft, ob das Gutachten und die belastenden Aussagen Auswirkungen auf die Ehrungen habe, die Wetter von seiner Geburtsstadt Landau erhalten hat, so Hirsch.

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Wetter ist seit 1994 Ehrenbürger der Stadt Landau. Ob er das auch in Zukunft bleiben soll, darüber sind sich die Menschen in Landau uneinig.

Landauer Platz nach Kardinal Wetter benannt

Vor knapp zwei Jahren hatte die Stadt einen Platz in Landau nach Kardinal Wetter benannt. Die Stadtverwaltung schließt nicht aus, dass der Kardinal-Wetter-Platz umbenannt werden muss.

Kardinal-Wetter-Platz in Landau (Foto: SWR)
Der Kardinal-Wetter-Platz in Landau

Gutachten belastet Wetter im Umgang mit Missbrauch

Am Donnerstag war ein Gutachten veröffentlicht worden, das das Erzbistum München und Freising in Auftrag gegeben hatte. Demzufolge sind Fälle von sexuellem Missbrauch in der Diözese nicht angemessen behandelt worden. Dem ehemaligen Erzbischof und gebürtigen Landauer Friedrich Wetter werden 21 Fälle von Fehlverhalten im Umgang mit sexuellem Missbrauch vorgeworfen.

Auch Bistum Speyer zeigt sich erschüttert

Auch das Bistum Speyer, wo Friedrich Wetter 14 Jahre lang Bischof war, zeigte sich erschüttert. In einer Stellungnahme vom Freitag heißt es, viele Fragen seien zu klären. Im Bistum laufe eine eigene Untersuchung zu den Vorwürfen. Deren Ergebnisse müsse man abwarten und dann handeln. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Ehrungen auch zurückgenommen würden, so das Bistum.

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Neue Erkenntnisse über Missbrauchsfälle erhofft

Das Gutachten zum Missbrauch im Erzbistum München könnte außerdem die Arbeit der Unabhängigen Aufarbeitungskommission im Bistum Speyer beeinflussen. Der Vorsitzende der Kommission, Bernhard Scholten, sagte, man werde das Gutachten in Hinblick auf den darin genannten Kardinal Wetter auswerten – sofern etwas über seine Zeit als Bischof in Speyer gesagt wird. Man hoffe auf weitere Antworten zu Fragen wie: "Wo hat Missbrauch stattgefunden?".

Trier

Münchner Studie zum Missbrauch in der Katholischen Kirche Bischöfe in Rheinland-Pfalz erschüttert von Missbrauchsskandal

Nach dem Limburger Bischof Bätzing kritisieren weitere Bischöfe Benedikt XVI. und seine Rolle im Missbrauchsskandal. Der frühere Papst hat inzwischen eine Falschaussage eingeräumt.  mehr...

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Rudolf Walter von der Bewegung "Wir sind Kirche" sagte, in Speyer sei man genau wie in München über das Ausmaß des Missbrauchs erschüttert. Die Katholische Kirche könne jetzt nicht mehr anders als ihr System radikal zu ändern.

Missbrauchsfälle in katholischer Kirche Wie kann es nach dem neuen Gutachten weiter gehen?

Bei einem Gutachten zu Missbrauchsfällen in den katholischen Erzbistümern München und Freising i geht es unter anderem auch um die Rolle des amtierenden Münchner Erzbischofs Kardinal Reinhard Marx, ehemals Bischof von Trier.  mehr...

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Gespräch Missbrauchsgutachten belastet Papst Benedikt – Weiterer Sargnagel für Katholische Kirche

Das Gutachten über Missbrauchsfälle im Erzbistum München zeige das Bild einer Kirche, die vor allem an ihrem Ruf nach außen und an der Macht klerikaler Männerbündnisse in ihrem Inneren interessiert sei, sagt Matthias Möhring-Hesse in SWR2, Professor für Theologische Ethik und Sozialethik an der Universität Tübingen. Der Inhalt des Gutachtens könne insofern nicht überraschen. Die Münchner Gutachter waren unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass allein der emeritierte Papst Benedikt XVI. als früherer Münchner Erzbischof in vier Fällen gegen Missbrauchstäter nicht vorgegangen war.
Die Folgen dieser Erkenntnisse für die Katholische Kirche ließen sich noch nicht absehen, sagt Matthias Möhring-Hesse. Aber aus dem Rückblick werde man eines Tages womöglich sagen müssen, dass das Gutachten „ein weiterer Sargnagel für die Kirche ist, für die Papst Benedikt steht, ein weiterer Schub für den Niedergang dieser Kirche.“
Das Selbstinteresse der Kirchenvertreter sei offensichtlich so groß gewesen, dass darüber Anstand und Recht verloren gegangen seien. Das Gutachten zeige sowohl die individuelle Schuld, die mit Kardinal Ratzinger, Kardinal Friedrich Wetter und Kardinal Reinhard Marx gleich drei Münchner Bischöfe auf sich geladen hätten, zugleich aber auch das langjährige systematische Versagen darin, diese Schuld anzuerkennen.
Institutionellen Druck habe zugleich verursacht, dass Ratzinger später Papst geworden sei. „Umso mehr sollte und darf man schätzen“, so Möhring-Hesse, „dass sich Kardinal Marx diesem Druck auch widersetzt und dieses Gutachten in Auftrag gegeben hat, von dem er doch wusste, dass dabei Kardinal Ratzinger eben auch schlecht aussehen würde.“  mehr...

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