Tipps von Experten aus der Pfalz

Flüchtlinge aus der Ukraine privat aufnehmen? Das muss man beachten

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Der Ukraine-Krieg hat auch in der Pfalz eine große Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Manche wollen helfen und nehmen Geflüchtete auf, überfordern sich damit aber selbst. Was hilft?

Peter Eymann ist Chef der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes in Speyer und weiß, dass es eine schwere Aufgabe sein kann, geflüchtete Menschen aus einem Kriegsgebiet bei sich daheim aufzunehmen. Eymann weiß, wovon er spricht, denn die Stadt hat im Zuge von Hilfstransporten knapp 40 ukrainische Flüchtlinge nach Speyer geholt.

Diese Menschen benötigen intensive Betreuung, sagt Peter Eymann: "Da können traumatisierte Menschen dabei sein, die nachts aus dem Schlaf hochschrecken und auch psychologische Unterstützung brauchen."

Die Stadt könne das für die Flüchtlinge, die sie selbst betreut, sicherstellen – man habe Psychologen für solche Fälle in Rufbereitschaft – auch abends und nachts. Aber nicht für die privaten Gastgeber, die Geflüchtete aufnehmen.

"Da können traumatisierte Menschen dabei sein, die nachts aus dem Schlaf hochschrecken und auch psychologische Unterstützung brauchen."

Geflüchtete besser nicht auf eigene Faust bei sich aufnehmen

Peter Eymann rät deshalb davon ab, Geflüchtete auf eigene Faust bei sich aufzunehmen. Er kennt einen Fall in Speyer, bei dem das richtig schiefgegangen ist. Nach zwei Wochen zusammen mit den Geflüchteten in der Mietwohnung hätten die Helfer festgestellt, dass ihre Hilfsbereitschaft sie an ihre Grenzen bringt, so Eymann.

Die Wohnung sei zu einer Art WG geworden - allerdings ohne Rückzugsraum und man habe Bad und Küche teilen müssen, berichtet Peter Eymann. Die Stadt hat die Geflüchteten dann an die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Speyer übergeben. Eine direkte Übernahme in eine städtische Wohnung sei in solchen Fällen nicht möglich, sagt Peter Eymann.

Katharina Schepelmann (Foto: SWR)
Katharina Schepelmann, Migrations- und Integrationsberaterin der Caritas

Geflüchtete müssen sich zurückziehen können

In Germersheim kümmert sich unter anderem das Caritas-Zentrum um geflüchtete Menschen aus der Ukraine. Katharina Schepelmann ist dort Migrations- und Integrationsberaterin. Wer Flüchtlinge privat aufnimmt, müsse beachten, dass es genug Platz gebe, damit sich die Geflüchteten in einer Wohnung jederzeit zurückziehen können. "Die meisten stehen noch unter Schock, denn das Erlebte ist sehr frisch", sagt Schepelmann. "Freiraum und Rückzugsmöglichkeiten sind da essenziell."

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Dauerhafte Wohnungen sind Mangelware

Optimal seien Wohnungen, in denen die Geflüchteten dauerhaft leben können, sagt die Caritas-Beraterin: "Das Wichtigste wäre es, dass wir mehr Vermieter finden, die wirklich Wohnungen zur Verfügung stellen, sodass die Menschen dort ihr Leben einfach selbst leben können."

Helfer sollen sich vor der Aufnahme von Geflüchteten Gedanken machen

Helmut Guggemos ist Integrationsbeauftragter der Evangelischen Kirche der Pfalz und Referent für Migration und Integration der Diakonie Pfalz. Ein wichtiger Rat von ihm für Menschen, die Geflüchtete bei sich daheim aufnehmen wollen, lautet: "Man muss sich im Voraus schon Gedanken machen: Was will ich damit bezwecken und wie lange können die Geflüchteten bei mir bleiben?"

Vorab sollte sich jeder Helfer und jede Helferin auch folgende Fragen beantworten: "Was sind meine Ressourcen? Wie viel Zeit kann ich verwenden? Wie viele Wohnraum kann ich zur Verfügung stellen?"

"Man muss ganz viel durchsprechen und dann nachjustieren."

Wenn man schon Geflüchtete aufgenommen hat, dann rät der Flüchtlingsexperte dazu, immer wieder mit ihnen zu klären, welche Bedürfnisse sie haben: "Man muss ganz viel durchsprechen – also Regeln für den Alltag – und dann nachjustieren. Das ist eine riesige Herausforderung für beide Seiten", sagt Guggemos.

Konflikte ließen sich nicht vermeiden. Das müsse den Gastgebern bewusst sein: "Als Gastgeber muss ich diese Konflikte dann auch angehen und sie besprechen. Ich muss konfliktfähig sein und – ganz wichtig – auch eigene Grenzen klar benennen, aber auch Gäste nach deren Grenzen befragen".

Jeder benötige einen privaten Schutzraum, eine Art Grenzlinie. Damit schütze man sich gegenseitig und bewahre sich vor Verletzungen.

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