Entscheidung im Europaparlament

Doch keine Warnhinweise auf Weinflaschen

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AUTOR/IN
Bettina Blum

Am Mittwoch hat die EU entschieden. Auch künftig wird auf Weinflaschen nicht auf Gesundheitsgefahren hingewiesen. Die Meinungen aus der Pfalz zu solchen Ettiketten sind geteilt.

Das EU-Parlament beschloss am Mittwoch, sich für einen verstärkten gemeinsamen Kampf gegen Krebs auszusprechen. Der Passus mit den Warnettiketten war nicht dabei.

Wein wird in Gläser gefüllt (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Weinkonsum kann gesundheitsschädlich sein, sagen Experten. Picture Alliance

Warnetiketten? Weinbau-Präsident fürchtet Imageschaden

Winzer Klaus Schneider aus dem pfälzischen Dirmstein (Kreis Bad Dürkheim) fürchtet, dass durch Warnetiketten das Image des Weins Schaden nehmen könnte. Schneider ist auch Präsident des Deutschen Weinbauverbands. "Wein betrachte ich gar nicht als alkoholisches Getränk. Es gibt ihn seit Jahrtausenden, die Generationen haben ihn alle gut überlebt", sagte Weinbaupräsident Schneider dem SWR-Politikmagazin Zur Sache Rheinland-Pfalz. "Moderat" genossen gebe es keine Schädigungen.

"Wein betrachte ich gar nicht als alkoholisches Getränk."

Studie zeigt: Wein ist gesundheitsschädlich

Einer solchen Einschätzung widersprach der EU-Sonderausschuss in seinem Bericht, der am Dienstag im EU-Parlament beraten wurde. Eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zitierte Studie zeigt, dass es keinen unbedenklichen Alkoholkonsum gibt.

In der Studie heißt es: "In Europa sind schätzungsweise zehn Prozent aller Krebserkrankungen von Männern und drei Prozent aller Krebserkrankungen von Frauen auf Alkoholkonsum zurückzuführen". Alkohol ist demnach ein Risikofaktor für Krebserkrankungen wie Mundhöhlen-, Rachen-, Kehlkopf-, Speiseröhren-, Leber- und Darmkrebs sowie Brustkrebs bei Frauen.  

Weinflaschen stehen auf einem Tisch (Foto: SWR)
Könnten Warnungen auf den Etiketten die Leute in ihrem Konsum zum umdenken bringen?

"In Europa sind schätzungsweise zehn Prozent aller Krebserkrankungen von Männern und drei Prozent aller Krebserkrankungen von Frauen auf Alkoholkonsum zurückzuführen". 

DKFZ Heidelberg: Krebsrisiko steigt mit Alkoholmenge

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) warnt vor übermäßigem Alkoholkonsum. Katrin Schaller, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention im DKFZ sagt, das Krebsrisiko steige mit zunehmender Trinkmenge. Und: Eine sichere Untergrenze gebe es nicht.

"Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass Alkoholkonsum das Risiko für mehrere Krebsarten erhöht."  

Für sie ging der Vorstoß des EU-Parlaments in die richtige Richtung. Warnhinweise auf Flaschen mit alkoholischen Getränken machten deutlich, dass Alkohol eine Gesundheitsgefahr darstellt: "Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass Alkoholkonsum das Risiko für mehrere Krebsarten erhöht."  

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Was sagt die Politik?

Christine Schneider (CDU) ist CDU-Abgeordnete in der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Nach der Abstimmung und der Ablehnung von Warnhinweisen auf Weinflaschen, das Wein das Krebsrisiko erhöht, zeigte sie sich erleichtert. "Das Thema hat verständlicherweise bei uns in Rheinland-Pfalz und bei den Winzern großes Entsetzen hervorgerufen“, sagt die rheinland-pfälzische Politikerin. "Ich halte wenig von Schockbildern und Verboten. Neben besserer Aufklärung muss man mehr zwischen Alkoholmissbrauch und Genuss unterscheiden.“  Warnhinweise bedeuten im nächsten Schritt auch den Anfang vom Ende der Weinwerbung, befürchtet sie.

Wohlfahrtsverbände: Warnhinweise wichtiger Schritt

"Die mögliche krebsauslösende Wirkung auch geringer Mengen Alkohol ist wissenschaftlich belegt", bemängelte die Grünen-Abgeordnete Jutta Paulus die EU-Entscheidung. Der ursprüngliche Bericht schlug zudem ein Sponsoringverbot von Sportveranstaltungen für Alkoholhersteller vor. Das beschränkten die Abgeordneten letztendlich auf ein Sponsoringverbot bei Sport von Minderjährigen.

Die in der Suchthilfe- und Suchtprävention tätigen Freien Wohlfahrtsverbände in Rheinland-Pfalz sehen die Entscheidung ebenfalls kritsisch. Sie halten Warnhinweise auf Alkoholflaschen für einen zwar kleinen, aber begrüßenswerten Baustein, um Gesundheitsschäden und Alkoholsucht vorzubeugen.

"Wir wünschen uns [...] noch weitere Maßnahmen der Politik im Bereich der Prävention. Zum Beispiel höhere Steuern auf Alkohol", sagt Anette Schilling, Sprecherin der Landesstelle für Suchtfragen in Speyer. Das führe zu höheren Preisen und habe beispielsweise bei Zigaretten schon Erfolg gezeigt. Der Konsum sei zurückgegangen. Weitere Möglichkeiten seien, die Werbung und den Verkauf noch mehr einzuschränken.

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