Der Speyerer Dom bei Nacht

Betroffenenbeirat Bernd Held

Sexueller Missbrauch im Bistum Speyer: "Es werden sich noch Abgründe auftun"

Stand
AUTOR/IN
Birgit Baltes

Bernd Held vom Betroffenenbeirat des Bistums Speyer erwartet bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs vor allem bei den ordensgeführten Kinderheimen und Internaten neue Erkenntnisse.

Bernd Held ist Vorsitzender des Betroffenenbeirats des Bistums Speyer und wirkt bei der Aufklärung des sexuellen Missbrauchs mit. Viele Fälle seien noch gar nicht ans Licht gekommen. Held sieht in kirchlichen Kinderheimen "Hotspots" des sexuellen Missbrauchs, wie er dem SWR sagte.  Als Beispiele nennt Held das frühere Kinderheim St. Josef in Landau, das von Nonnen geführt wurde, das ehemalige Kinderheim der Niederbronner Schwestern in Speyer und das ehemalige Internat der Herz-Jesu-Missionare im saarländischen Homburg, wo Bernd Held selbst als Kind sexuell missbraucht wurde.

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Betroffenenbeirat: "Es werden sich noch Abgründe auftun"

In allen drei Einrichtungen sind bereits Missbrauchsfälle bekannt, weil Betroffene diese angezeigt und öffentlich gemacht hatten. So sorgte das Kinderheim der Niederbronner Schwestern mehrfach für Schlagzeilen, zuletzt Ende 2020. Ein Opfer hatte damals vor dem Sozialgericht Darmstadt erfolgreich geklagt. Dieses sah es als erwiesen an, dass der Mann als Heimkind in den 1960er und 1970er Jahren schwer sexuell missbraucht worden war.

Das Bistum Speyer teilte damals mit, dass sich zwei weitere betroffene ehemalige Heimkinder gemeldet hätten. Einer der Täter soll der frühere und inzwischen verstorbene Speyerer Generalvikar und Offizial Rudolf Motzenbäcker gewesen sein.

Held sitzt als Vertreter der Opfer in der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (UAK) von sexuellem Missbrauch im Bistum Speyer. Er geht davon aus, dass durch die Arbeit der Kommission noch mehr über die damaligen Strukturen und Hintergründe der Taten ans Licht kommen wird: "Da werden sich noch Abgründe auftun", sagte Held dem SWR. Seit ein paar Wochen wird eine Missbrauchsstudie erarbeitet, in vier Jahren soll sie veröffentlicht werden.

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Bisher keine Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in Ordensgemeinschaften

Laut Held sind mutmaßliche Missbrauchsfälle in den Ordensgemeinschaften bisher überhaupt noch nicht in den Fokus geraten und aufgearbeitet worden. In der großen Studie zum sexuellen Missbrauch, die 2018 veröffentlicht wurde, seien keine Fälle in Ordenseinrichtungen untersucht worden, so Held. Ein Grund: Die meisten Orden seien direkt dem Papst unterstellt und nicht den Bischöfen, so dass alle rechtlichen Entscheidungen aus Rom kommen müssten.

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Aufarbeitung zur Rolle von Kardinal Wetter im Bistum

"Was für mich sehr interessant ist, ist was da bei der Aufarbeitung zu Kardinal Friedrich Wetter herauskommt", sagte der Vorsitzende. Es geht um die Frage, ob Wetter in der Zeit von 1968 bis 1982, als Wetter Bischof von Speyer war, von den sexuellen Missbrauchsvorwürfen gegen Priester gewusst und diese vertuscht hatte. Das war genau in der Zeit, als sich der Missbrauch im Speyerer Kinderheim ereignete und der beschuldigte Rudolf Motzenbäcker unter Bischof Wetter als Offizial der kirchlichen Gerichtsbehörde vorstand.

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Aufarbeitungskommission kann alle Akten und Unterlagen einsehen

Der Betroffenenbeirat bringe nun das in die Aufarbeitungskommission mit ein, was die Opfer sexuellen Missbrauchs ihm berichteten. Erstmals habe er die Möglichkeit, alle Akten und Unterlagen einzusehen. Ziel sei, die Hintergründe für die Taten in den Ordensgemeinschaften erstmals systematisch aufzuarbeiten und zu klären, welche Strukturen den sexuellen Missbrauch möglich machten.

Held rechnet damit, dass sich in den kommenden Monaten und Jahren noch mehr Opfer sexuellen Missbrauchs beim Betroffenenbeirat melden werden. Allein im März hätten sich drei mutmaßliche Missbrauchsopfer beim Beirat gemeldet. Seit dessen Gründung vor zwei Jahren seien es zwölf oder 13 gewesen. Etliche Missbrauchsopfer aus Ordenseinrichtungen würden sich nun wohl melden, weil sie bisher durch die fehlende Aufarbeitung kaum wahr genommen worden seien und sich nicht gesehen fühlten. "Sie sagen: Ich bin ja gar nicht mitgezählt", so Held.

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Held rechnet mit einem Anstieg der Missbrauchsmeldungen im Bistum

Insgesamt liegen dem Bistum derzeit rund 190 Meldungen von Missbrauchsfällen vor. Held rechnet damit, dass diese Zahl während der Arbeit der Kommission steigen wird. Allerdings glaube er nicht, "dass sich so skandalöse Zahlen wie im Bistum Freiburg entwickeln." Die kürzlich veröffentlichte Missbrauchsstudie des Bistums Freiburg geht von 540 betroffenen Personen und 250 beschuldigten Priestern aus.

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Held lobt auch die Haltung des Bistums Speyer bei der Aufarbeitung. Das Bistum mit Bischof Karl-Heinz Wiesemann begegne den Betroffenen auf Augenhöhe. Das sei in anderen Bistümern völlig anders. "Wir haben hier offene Türen eingerannt, als wir einen Beirat gründen wollten. Vor allem der ehemalige Generalvikar Sturm hat uns den Weg geebnet."

Die Aufklärungskommission im Bistum Speyer will die Untersuchungen zum Missbrauch in vier Jahren mit einer umfassenden Studie abschließen. In zwei Jahren soll ein Zwischenergebnis veröffentlicht werden. Held geht sogar davon aus, dass es bereits nach einem Jahr einen Bericht über neue Erkenntnisse geben werde.

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