STAND
AUTOR/IN

Rund 40 Prozent der Zweit- bis Viertklässler im Kreis Germersheim können laut einer Studie nicht richtig oder gar nicht schwimmen. Doch eine Schwimminitiative soll das Problem lösen.

Mutter macht sich Sorgen

Bettina Kern aus Ottersheim im Kreis Germersheim ist zweifache Mutter und engagiert sich im Schulelternbeirat der Grundschule. Sie erzählt, dass sie sich Sorgen macht, weil ihr siebenjähriger Sohn noch nicht schwimmen kann. Und damit ist er in Zeiten von Corona kein Einzelfall.

Schwimmkurs wegen Corona ausgefallen

Er hätte eigentlich einen Schwimmkurs in einem Verein besuchen sollen, aber die seien alle wegen Corona ausgefallen. Und jetzt seien alle Kurse schon voll oder passten zeitlich nicht. Und in der Grundschule Ottersheim werde kein Schwimmunterricht angeboten 

Ich wusste gar nicht, dass Schwimmunterricht bei den Grundschulen eigentlich im Lehrplan steht.  

Viele Nichtschwimmer

Sie kenne privat auch andere Grundschulkinder, die noch nicht schwimmen können, sagt Bettina Kern, die selbst als Lehrerin in Speyer arbeitet. Selbst in den fünften und sechsten Klasse gebe es noch viele Nichtschwimmer. 

 Schwimmkenntnisse an Grundschulen im Kreis besorgniserregend 

Bei der Kreisverwaltung Germersheim ist das Problem bekannt. Sie hatte 2018 bei der Universität in Landau eine Studie in Auftrag gegeben.

Die Sportwissenschaftler hatten 300 Grundschüler aus dem Kreis beim Schwimmen beobachtet und bewertet, ob und wie gut sie schwimmen konnten. Die Ergebnisse nannte der Leiter der Studie Ralf Eggers "besorgniserregend".  

Eltern schätzen Kinder falsch ein

Rund 40 Prozent der Zweit- bis Viertklässler konnten kaum oder gar nicht schwimmen.  
Nur acht der insgesamt 30 Grundschulen im Landkreis boten regelmäßig Schwimmunterricht an. Viele Eltern schätzten die Schwimmkenntnisse ihrer Kinder viel besser ein als sie tatsächlich waren.   

 Initiative: Schwimmen kann Leben retten 

Die Kreisverwaltung Germersheim möchte mit ihrer Schwimminitiative das Problem angehen. Sie stellt dafür in diesem Jahre eine halbe Million Euro bereit. Ziel ist, dass bis zum sechsten Schuljahr möglichst alle Kinder im Landkreis sicher schwimmen können. Erreichen will sie das, indem sie mit den Schulen, den Kommunen, den Bädern und den Schwimmvereinen zusammenarbeitet. 

Unterstützung beim Schwimmunterricht

Die 30 Grund- und 14 weiterführenden Schulen im Landkreis sollen bei der Organisation ihres Schwimmunterrichts unterstützt werden. Das beginnt beim Reservieren des Hallenbades über den Transport der Schulkinder bis hin zur Aufsicht am Beckenrand. 

Hier soll den Schulen im Landkreis künftig eine Fachkraft, ein sogenannter Schwimm-Koordinator, helfen. Auch die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) hat bereits signalisiert, nach ehrenamtlichen Schwimmtrainern zu suchen, die Schulen beim Unterrichten unterstützen könnten.  

Eintrittsgelder sollen erstattet werden

Zum anderen sollen die Frei- und Hallenbäder künftig das Eintrittsgeld für die Schulklassen teilweise ersetzt bekommen. Damit will der Kreis die Kommunen entlasten, die bisher auf den Kosten sitzen bleiben.  Auch Anreize, wie Schulpreise für Schwimmanzeichen, sollen dazu führen, dass sich mehr Schulen und Schüler am Schwimmunterricht beteiligen.  

 Schulaufsichtsbehörde ADD will “Vorzeigeprojekt“ fördern 

Der Kreistag Germersheim hat den Plänen jetzt grundsätzlich zugestimmt. Der Schulsportreferent bei der ADD in Neustadt Rudolf Storck sagte vor dem Kreistag, es sei überall im Land ein Problem, dass zu wenige Schulkinder richtig schwimmen könnten. Schwimmunterricht stehe zwar in allen Lehrplänen, aber lange nicht alle Schulen seien auch in der Lage, ihn umzusetzen.

Wenn die Schwimminitiative zustande kommt, kann sie als Vorbild für andere Kreise und Kommunen im ganzen Land dienen.  

 Mutter aus Ottersheim: Ziele unrealistisch  

Bettina Kern aus Ottersheim kann sich nicht vorstellen, wie die Grundschule im Ort den Schwimmunterricht organisieren soll. Die drei Hallenbäder im Kreis Germersheim seien ohnehin viel zu weit weg. Außerdem frage sie sich, ob es an den Grundschulen überhaupt genug Lehrer gebe, die Schwimmunterricht durchführen könnten.

 Ich denke, es scheitert an der Realisierung. 

 Zu wenige geeignete Bäder für Schwimmkurse 

 Auch die Frage, ob die drei Hallenbäder im Landkreis Germersheim überhaupt für den Schwimmunterricht an allen zweiten bis sechsten Klassen ausreichen oder ob neue Bäder gebaut werden müssen, bleibt weitgehend unbeantwortet. 

Landrat Fritz Brechtel (CDU) ist jedenfalls für neue Vorschläge offen, sagt er. Die Schwimminitiative soll noch in den Sommerferien überarbeitet werden und danach beginnen. Wissenschaftler der der Universität in Landau sollen das Projekt weiter begleiten und bewerten. Sobald klar sei, dass nachgebessert werden müsse, solle das auch geschehen, so Landrat Brechtel.

Ludwigshafen

Jetzt die SWR Aktuell App runterladen Nachrichten aus Ludwigshafen und der Süd- und Vorderpfalz aufs Handy

Die SWR Aktuell App bringt Ihnen kurz und knapp alles Wichtige auf Ihr Smartphone. Sie bekommen jetzt auch gezielt Nachrichten aus Ludwigshafen und der Pfalz. So funktioniert's:  mehr...

Landau

Nach langer Corona-Pause Sommerschwimmschule in Landau geöffnet

Nach mehr als 16 Monaten Pause bietet der Landauer Schwimmverein jetzt wieder Anfängerkurse an. Die Warteliste ist lang. Über 170 Kinder warten darauf endlich schwimmen zu lernen.  mehr...

Südwesten

Breitensport | Schwimmen Schwimmbäder im Südwesten bleiben zu - mehr Tote durch Ertrinken?

Nach ersten Lockerungen für den Breitensport, bleibt der Schwimmunterricht im Südwesten weiter außen vor. Neben einer Welle von Nichtschwimmern, drohen weitaus drastischere Folgen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN