Beim großen Demokratiefest in Neustadt

"Totaler Burner": Neustadter Förderschule bekommt Demokratie-Preis

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Nicht nur Alt-Bundespräsident Joachim Gauck hat am Sonntag beim Demokratiefest in Neustadt einen Preis verliehen bekommen. Auch die Schüler der Schubert-Schule wurden ausgezeichnet.

Die Schubert-Schule in Neustadt  (Foto: SWR)
Die Schubert-Schule in Neustadt bekommt einen Demokratie-Preis

"Chancengleichheit…genau! Und was ist noch wichtig in der Demokratie?". Förderschullehrerin Dörte Topp schaut ihre acht Schülerinnen und Schüler fragend an. Santana ruft "Zusammenhalt", Max direkt danach "Respekt". Dörte Topp schreibt die Wörter an die Tafel.

Die Schubert-Schule in Neustadt  (Foto: SWR)
Lehrerin Dörte Topp gestaltet mit Schülern der Schubert-Schule Plakate zum Thema "Stolpersteine"

Die Abschlussklasse der Neustadter Schubert-Schule beschäftigt sich an diesem sonnigen Vormittag mit dem Thema "Demokratie". Als es um das Thema Chancengleichheit geht, sagt Vanessa mit Nachdruck: "Gymnasiumsschüler sind gut, aber wir sind auch gut - wir müssen selbstbewusst sein".

Demokratie-Preis für Schubert-Schule

Die Schubert-Schule in Neustadt legt viel Wert auf politische Bildung. Was ist Demokratie, welche Rechten und Pflichten hat jeder Einzelne, und was ist während der NS-Diktatur passiert? Von der ersten Klasse an lernen die insgesamt 140 Kinder und Jugendlichen das demokratische Ein-mal-Eins. Dafür bekam die Schule am Sonntag auf dem Hambacher Schloss den erstmals ausgeschriebenen "Johann-Philipp-Abresch-Preis" der Stadt Neustadt verliehen, bei der Veranstaltung, bei der auch Alt-Bundespräsident Joachim Gauck ausgezeichnet wurde.

Gewinn ist der "totale Burner"

Dass ihre Schule einen Demokratie-Preis bekommt, sei der "totale Burner", sagt Schülersprecherin Santana Wessa. Und ihre Freundin Kübra Bicer erzählt, dass ihre Lehrerin vor Freude "ausgeflippt" sei. "Ich bin so stolz auf uns alle", sagt die 16-Jährige Schülerin. Im Unterricht redeten sie oft "über die Nazi-Zeit und was früher passiert ist" und zwar "so richtig ernst und aufmerksam", sagt Kübra.

Demokratische Werte für Förderschul-Kinder

Schulleiter Tammo Scherr sitzt in seinem Büro und hat eine Liste vor sich liegen. Darauf stehen alle Aktionen und Projekte, die seine Schule zur Demokratieerziehung veranstaltet. Die Liste ist drei Seiten lang. Gerade für die Förderschul-Kinder sei es wichtig, von Anfang an demokratische Werte zu verinnerlichen, sagt Scherr. Und drückt die Herausforderung vorsichtig aus: "Sie bekommen das in ihrem Zuhause vielleicht nicht immer so vorgelebt. Bei uns sollen sie Beteiligungsformen kennenlernen und Werte wie Meinungsfreiheit für sich mitnehmen."

Die Schubert-Schule in Neustadt  (Foto: SWR)
Tammo Scherr, Leiter der Schubert-Schule in Neustadt

Mitbestimmung beginnt in der Schubert-Schule schon bei den Jüngsten. Die Kinder und Jugendlichen wählen Klassenräte, es gibt regelmäßig Schulversammlungen. Ausflüge zum benachbarten Hambacher Schloss stehen auf dem Stundenplan und Besuche der NS-Gedenkstätte in Neustadt. Jugendliche werden zu "Junior Memory Guides" ausgebildet und führen Gleichaltrige zu den Themen Demokratie und Nationalsozialismus durch die Stadt.

Mit dem Preisgeld nach Berlin

Und vieles mehr ist noch geplant. "Auch da entscheidet der demokratische Grundsatz. Nicht die Schulleitung bestimmt, sondern die Lehrkräfte und die Kinder und Jugendlichen", sagt Schulleiter Scherr lächelnd. Eines wolle man in Zukunft allen älteren Schülern ermöglichen: eine Fahrt nach Berlin, in die Hauptstadt. Dotiert ist der Neustadter Demokratie-Preis mit 2.500 Euro – die ersten Fahrten dürften damit gesichert sein.

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