Ein erweitertes Führungszeugnis (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Maßnahmen der Kirche gegen Missbrauch

Schifferstadt: Ehrenamtliche klagen gegen Pflicht für Führungszeugnis

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Die Evangelische Landeskirche der Pfalz will Kinder besser vor sexuellem Missbrauch schützen. Alle Ehrenamtlichen müssen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Warum vier Presbyter aus Schifferstadt (Rhein-Pfalz-Kreis) dagegen vorgehen.

Die evangelische Gustav-Adolf-Kirche in Schifferstadt  (Foto: Evangelische Kirche Schifferstadt)
Die evangelische Gustav-Adolf-Kirche in Schifferstadt Evangelische Kirche Schifferstadt

Einer der Kläger ist Johannes Lenhard. Er engagiert sich in der protestantischen Kirchengemeinde Schifferstadt – macht dort Kirchendienst, wie zum Beispiel Glockenläuten und sitzt im Finanzausschuss des Presbyteriums. Mit Kindern oder Jugendlichen hat er in seiner Funktion als Presbyter nichts zu tun – genauso wenig wie die drei anderen Kläger aus derselben Kirchengemeinde. Sie alle finden, das Kirchengesetz der Evangelischen Landeskirche der Pfalz schieße über das Ziel hinaus. Deshalb klagen sie.

"Wir alle sind der Meinung, dass der Schutz vor sexueller Gewalt ganz oben stehen muss. Aber warum wird das Führungszeugnis von Menschen verlangt, die nichts mit Jugendlichen zu tun haben?"

Gesetz zum Schutz vor sexuellem Missbrauch seit 2019 in Kraft

Die Synode der Evangelischen Kirche der Pfalz hatte das Gesetz auf ihrer Tagung im November 2019 verabschiedet. Schon seit 2010 müssen alle Hauptamtlichen der Kirche ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, seit 2014 auch die Ehrenamtlichen. Nun gilt diese Pflicht auch für Presbyter. In der Begründung heißt es: "Das erweiterte Führungszeugnis (…) ist das einzige objektive und wirksame Mittel, dass für die Kontrolle zur Verfügung steht.  Es stellt keineswegs einen Generalverdacht dar, sondern versucht nur, die Straftäter von den Nicht-Straftätern zu unterscheiden."

Pfälzische Landeskirche strenger als andere

Johannes Lenhard und seine drei Mitstreiter werfen der Pfälzischen Landeskirche vor, zu rigide vorzugehen. So würden möglicherweise Menschen davon abgehalten, sich in der Kirche zu engagieren. Wer wegen anderer Delikte vorbestraft sei, würde von dieser Maßnahme  abgeschreckt. Andere Landeskirchen würden das nicht so streng handhaben.

"So konsequent mit verpflichtendem Führungszeugnis sind nur wir in der Pfalz"

Die Evangelische Landeskirche sieht im Amt des Presbyters eine Leitungsfunktion mit hoher Verantwortung. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, müsse ausgeschlossen werden, dass Menschen mit Vorstrafen im Bereich sexueller Gewalt, dieses Amt ausübten, sagt Pressesprecher Andreas Rummel.

Evangelische Kirche der Pfalz (Foto: SWR)
Evangelische Kirche der Pfalz

Entscheidung über die Klage wird noch Monate dauern.

Die Klageschrift haben die vier Kläger aus Schifferstadt gemeinsam verfasst. Sie liegt jetzt beim Verwaltungsgericht der Landeskirche. Bis zur Entscheidung werde es aber noch Monate dauern, sagt der Präsident des Kirchengerichts. Zunächst müsse sich das Gericht konstituieren. Dann werde die  Begründung der Kläger geprüft und eine Stellungnahme der Landeskirche eingeholt. Frühestens im Spätherbst werde dann über die Klage verhandelt.

Was er im Falle einer Niederlage  tun wird, hat Johannes Lenhard noch nicht entschieden. Das Führungszeugnis vorlegen, um  weiter als Presbyter tätig sein zu dürfen oder sein Amt niederlegen – darüber werde er erst nach der Gerichtsentscheidung nachdenken. 

Schifferstadt hat zwei evangelische Kirchen. Hier die Martin-Luther-Kirche von innen (Foto: Evangelische Kirche Schifferstadt)
Schifferstadt hat zwei evangelische Kirchen. Hier die Martin-Luther-Kirche von innen Evangelische Kirche Schifferstadt

Was machen Presbyter und Presbyterinnen?

Presbyter und Presbyterinnen leiten gemeinsam mit dem Pfarrer in der Evangelischen Landeskirche die Gemeinde. Sie werden von den Gemeindemitgliedern gewählt. Das Presbyterium entscheidet, in welche Richtung sich die Gemeinde entwickelt, trägt die Mitverantwortung für die Seelsorge und die Gottesdienstgestaltung und ist beispielsweise gemeinsam mit den ehrenamtlich und hauptberuflich Mitarbeitenden für das Gemeindeleben verantwortlich.

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