Gewalt im Sport

Schiedsrichter aus der Pfalz will trotz Attacke weiterhin pfeifen

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Ein Amateur-Fußballspiel in Landau: Ein Spieler stößt den Schiedsrichter absichtlich um und bricht ihm die Hand. Am Sonntag stand er wieder auf dem Rasen. Was treibt ihn an?

Mitte September: Das Spiel des SV Landau Südwest gegen Schweighofen/Kapsweyer geht mit einer 0:7-Niederlage für die Gastgeber zu Ende gegangen. Schiedsrichter Erich Hoffmann aus Dahn steht noch mit einigen Spielern zusammen, als er von hinten gestoßen wird. Der 68-Jährige stürzt zu Boden und bricht sich die rechte Hand.

Schiedsrichter gibt nicht auf (Foto: SWR)
Schiedsrichter Erich Hoffmann aus Dahn

"Ich hab' gleich gemerkt, dass ich mich schwerer verletzt habe. Habe mich dann instinktiv umgedreht, um zu sehen, wer mich da umgestoßen hat, habe noch meinen Notizblock rausgeholt und – mit der gebrochenen Hand -  die Nummer des Spielers aufgeschrieben!"

Schiedsrichter zeigt Spieler an

Für Erich Hoffmann war damit eine rote Linie überschritten. Er zeigte den Spieler wegen Körperverletzung an. Denn für ein solches Verhalten verhängt das Sportgericht mindestens eine Spielersperre.

Eigentlich hat Schiedsrichter Erich Hoffmann Verständnis für Emotionen beim Sport, dass Spieler enttäuscht sind über eine Niederlage. Aber was er erlebt hat ist für ihn ein gesellschaftliches Problem, kein rein sportliches.

"Natürlich nimmt das im Sport auch zu, denn das scheint für viele ein Ventil zu sein. Aber die Auswüchse sind im Fußball fatal, weil man ja einen direkten Kontakt mit den Leuten hat."

Schiedsrichter lässt sich sein Hobby nicht verderben

Fünf Wochen lang hatte Rechtshänder Hoffmann einen Gipsverband und musste alles mit links machen. Jetzt ist die Hand geheilt. Am Sonntag hat er sein erstes Spiel nach der Attacke gepfiffen. Kurz war ihm etwas mulmig davor. Doch die Vorfreude überwog, denn in knapp 24 Jahren als Schiedsrichter hat er einfach zu viele schöne Erlebnisse gehabt, um alles hinzuschmeißen. Dazu liebt er sein Ehrenamt zu sehr.

Schiedsrichter gibt nicht auf (Foto: SWR)
Schiedsrichter-Utensilien am Sonntag wieder im Einsatz

Appell an die Verbände

Sein Unfall hat Erich Hoffmann gezeigt, dass sich im Amateur-Sport noch einiges ändern muss. Er hat die Schadensregelung weitestgehend alleine geregelt: Krankenhaus, Operation, fünf Wochen Gips, dann die Arztrechnungen, die er als Privatpatient erst mal aus eigener Tasche zahlen muss. Hoffmann hätte sich vom Südwestdeutschen Fußballverband mehr Unterstützung gewünscht.

Dort ist ihm kein Ansprechpartner für solche Fälle bekannt, der einem bei der Regelung des ganzen Vorfalles helfen kann. Dass er über den Verband als Ehrenamtlicher abgesichert ist, hat er zum Beispiel vom behandelnden Arzt erfahren.

Hoffmann: Mehr Unterstützung gerade für junge Schiedsrichter

Gerade im Amateurfußball wäre Rückendeckung vom Verband wichtig, sagt Hoffmann. Hier opfern Leute ihre Freizeit, und bekommen für ihren Aufwand nur eine ganz kleine Entschädigung.

SWR Sport im SWR Fernsehen RP beschäftigt sich am 31.10. auch mit dem Thema Gewalt gegen Schiedsrichter:

Junge Schiedsrichter, die nicht so viel Lebenserfahrung haben wie er, könnten sich durch Übergriffe, wie die Attacke auf ihn, abschrecken lassen, weiterzumachen. Nicht zuletzt beim derzeitigen Schiedsrichter-Nachwuchsmangel wäre das fatal.

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