Spargel und Erdbeeren werden auf einem Markt verkauft.

Bauern ziehen Konsequenzen

Darum könnte es im nächsten Jahr weniger Pfälzer Erdbeeren und Spargel geben

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AUTOR/IN
Irmgard Reißinger

Vorbei ist die Erdbeer- und Spargelsaison in der Pfalz. Einige Landwirte ziehen aus der für sie schlechten Saison Konsequenzen für nächstes Jahr.

Viele lieben den zarten, weißen Stangenspargel aus der Pfalz, die süßen roten Erdbeeren frisch vom Feld. Jetzt geht die Saison zu Ende. Durch den Ukraine-Krieg hat sich vieles verändert. Verbraucher drehen bei ständig steigenden Energiepreisen jeden Euro zweimal um. Einige Landwirte aus der Pfalz blieben auf ihrem Spargel und ihre Erdbeeren sitzen und ziehen deshalb jetzt Konsequenzen.

Bauer aus Dudenhofen: 30 Prozent weniger Spargel-Umsatz

Etwa 30 Prozent weniger Spargel hat Jung-Landwirt Tim Ballreich aus Dudenhofen in diesem Frühjahr verkauft. Beim Pfalzmarkt in Mutterstadt und auch im eigenen Hofladen brach die Nachfrage ein.

Spargel aus dem Ausland billiger als aus der Region

Die Konsequenz: Er musste die Ernte auf einigen Flächen beenden, um keinen Spargel vernichten zu müssen. Bei den Erdbeeren war es ähnlich, sagt Tim Ballreich, er sei mit den Preisen bis auf das Niveau ausländischer Importware herunter gegangen, damit die Kunden zugreifen.

Seine Produktionskosten seien aber weit höher als bei Erzeugern in Südeuropa. Und: Im September steigt der Mindestlohn für seine Erntehelfer weiter auf dann 12 Euro pro Stunde. Viele der Landwirte fragen sich: Wie soll das bei steigenden Energiepreisen weitergehen?

Statt Spargel lieber Futtermais

Anbauflächen verringern ist jetzt die einzige Alternative, berichten Spargel- und Erdbeerbauern. Denn diese Kulturen sind sehr personalintensiv, die Personalkosten machen etwa die Hälfte der Betriebskosten aus, sagt Tim Ballreich aus Dudenhofen. Er hat jetzt auf seinen Feldern weniger Erdbeerpflanzen für das nächste Jahr gepflanzt.

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Vom Pfälzer Spargel sind in diesem Jahr Tonnen liegen geblieben. Der Großanbieter Ernst& Funck in Eisenberg hofft, dass Gleiches nicht mit den Erdbeeren passiert.

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Auch Spargelbauer Andreas Eberhardt aus Weisenheim am Sand nutzt seine Flächen um. Statt Spargel wächst auf einigen seiner Felder inzwischen Futtermais. Er hat seine Spargelanbaufläche um 30 Prozent reduziert, alte oder wenig ertragreiche Flächen umgepflügt.

Überall wird der Rotstift angesetzt, sagt Andreas Eberhardt. Denn er weiß nicht, wie viel Verbraucher nächstes Jahr bereit sein werden für Spargel zu zahlen.  Er will Wege suchen, wie er seinen Hof bei weiter steigenden Personal- und Materialkosten nächstes Jahr effizienter betreiben kann. Zum Beispiel durch verstärkten Einsatz von Maschinen statt Erntehelfern. Auch bei den Fahrten zum Ausliefern von Spargel müsse er sparen.

Erdbeeren auf einem Feld.

Pfalzmarkt in Mutterstadt: Spargelsaison bereits beendet

Auch bei der Pfalzmarkt-Genossenschaft haben viele Erzeuger die Spargel-Ernte nach Pfingsten komplett eingestellt. Grund war nach Pfalzmarkt-Angaben das anhaltende Überangebot. Das habe zu einem massiven Preisverfall bei den Erzeugerpreisen geführt.

Der Lebensmitteleinzelhandel sei in Folge nicht mehr beliefert worden, sondern nur noch Großmärkte. Am 16. Juni ging die Spargelsaison beim Pfalzmarkt in Mutterstadt zu Ende, rund eine Woche früher als sonst.

Spargel wird auf dem Markt verkauft

Laut der Erzeugergenossenschaft ist die Belastung der Betriebe immens, angesichts explodierender Kosten für Diesel, Dünger und Verpackungen. Real werde der Pfalzmarkt-Umsatz beim Spargel schätzungsweise rund 15 bis 20 Prozent unter dem des Vorjahres liegen. Im letzten Jahr habe Erzeugergemeinschaft Pfalzmarkt mit dem Stangengemüse einen Umsatz von 3,5 Mio. Euro erzielt.

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