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Seit über einem Monat wird ein 16-jähriger Junge in Ludwigshafen vermisst, der während der Abschiebung seiner Familie abgehauen war. Jetzt wendet sich die Polizei mit einem Aufruf an ihn.

"Wir wenden uns nun öffentlich an Thar: Melde Dich bitte! Wir müssen wissen, ob es Dir gut geht", heißt es in dem Aufruf der Polizei. Ein Polizeisprecher erklärte gegenüber dem SWR, es ginge nicht vordergründig darum, den 16-Jährigen nach Armenien abzuschieben. Der Großvater des Jungen, der im Flüchtlinhsheim Wattstraße in Ludwigshafen lebt, habe eine Vermisstenanzeige gestellt. Wenn der Junge gefunden wird, wird er laut Polizei dem Ludwigshafener Jugendamt überstellt, das jetzt das Sorgerecht für ihn hat.

Thar (Foto: Privat)
Thar S. ist seit dem 30. April untergetaucht. Quelle: privat Privat

16-Jähriger floh bei Abschiebung

Seit dem 30. März wird der 16-jährige Thar S. aus Ludwigshafen vermisst. Er war bei der Abschiebung der Familie nach Armenien den Behörden entwischt und untergetaucht - seine Eltern und die beiden Geschwister wurden trotzdem nach Armenien abgeschoben. Nach Angaben des Integrationsministeriums Rheinland-Pfalz dürfen Familien bei der Abscheibung nicht getrennt werden.

Gegen die Abschiebung gibt es Proteste in Ludwigshafen: Die Lokalpolitikerin Dolly El-Ghandour (SPD) kritisiert, dass der minderjährige Junge von seiner Familie getrennt wurde, obwohl das gesetzlich verboten ist.

Stadt Ludwigshafen verteidigt Vorgehen

Die Stadt Ludwigshafen hat das Vorgehen der Ausländerbehörde bei der Abschiebung gerechtfertigt: Die Großeltern des Jungen seien ja noch in Deutschland und als Kontaktpersonen für den 16-Jährigen ansprechbar. Außerdem behauptet die Stadt, der Vater habe den Jungen zum Fliehen aufgefordert. Bislang fehlt von Thar jede Spur.

Kritik von Flüchtlingsverbänden

Flüchtlingsverbände, auch aus Berlin, kritisieren die Stadt Ludwigshafen für ihr Vorgehen und fordern eine Familien-Zusammenführung in Deutschland. Das Integrationsministerium hält dies nicht für ausgeschlossen, wenn die Familie vor einem Verwaltungsgericht beweisen könne, dass die Abschiebung nicht rechtens war.

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