Frauen auf Protestkundgebung für eine Humanitäre Luftbrücke  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Barnett (SPD), Gebhart (CDU), Hitschler (SPD), Kartes (CDU) und Lindner (Grüne)

Bundestagsabgeordnete aus der Pfalz zur Afghanistankrise

STAND

Auch die Menschen in der Pfalz verfolgen seit Tagen mit Entsetzen und Mitgefühl das Geschehen in Afghanistan. Wie konnte es so weit kommen? Wer hat versagt? Und was passiert jetzt? Der SWR hat Bundestagsabgeordnete aus der Pfalz um ihre Einschätzung gebeten.

Doris Barnett (SPD), Bundestagsabgeordnete aus Ludwigshafen

Doris Barnett  26.03.2021 (Foto: Deutscher Bundestag / Simone M. Neumann)
Bundestagsabgeordnete Doris Barnett (SPD), Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal Deutscher Bundestag / Simone M. Neumann

"Deutschland ist nicht die "Leading Nation", sondern wir gehören ja zur Nato und wir haben uns da auch immer abgesprochen. Dass die ganze afghanische Armee plötzlich einfach die Waffen streckt, nachdem sie gehört hat, eine Provinzhauptstadt nach der anderen ist gefallen und die Soldaten dann praktisch fortlaufen und alles stehen und liegen lassen - davon konnte keiner ausgehen. Wir haben 25 Listen, auf denen wir Namen haben, von Leuten, die wir gerne rausbringen würden. Was aber immer vergessen wird: Die sind ja nicht alle am Flughafen, die müssen ja erst mal dahin. Und da müssen sie durch sehr viele Checkpoints der Taliban und die Taliban haben ja jetzt auch den militärischen Teil des Flughafens abgeriegelt. Das wird nicht so einfach. Wir können auch nicht jeden Einzelnen mit dem gepanzerten Fahrzeug abholen, das geht gar nicht. Wie stellt man sich das denn vor?"

Thomas Gebhart (CDU), Bundestagsabgeordneter aus der Südpfalz

Thomas Gebhart (CDU) (Foto: Thomas Gebhart/Achim Melde)
Bundestagsabgeordneter Thomas Gebhart (CDU), Wahlkreis Südpfalz Thomas Gebhart/Achim Melde

"Die aktuelle Lage und die Entwicklung in Afghanistan sind furchtbar. Als Erstes muss jetzt unmittelbar alles darangesetzt werden, alle Menschen aus dem Land herauszuholen, gegenüber denen Deutschland eine Schutzverantwortung hat. Über die weiteren Konsequenzen muss dann schnell im nächsten Schritt entschieden werden."

Thomas Hitschler (SPD), Bundestagsabgeordneter aus der Südpfalz

Thomas Hitschler (Foto: Thomas Hitschler)
Bundestagsabgeordneter Thomas Hitschler (SPD), Wahlkreis Südpfalz Thomas Hitschler

"Die Frage, wer wann was wusste, wird sehr genau und mit aller gebotenen Sorgfalt zu klären sein. Jetzt hat aber zunächst eines oberste Priorität: Die Evakuierung möglichst vieler Menschen und Ortskräfte sicherzustellen. Es ist wichtig, dass jetzt alle Mittel und Möglichkeiten ausgelotet werden, um Menschenleben zu retten. Dazu gehört auch die Initiative der Bundesregierung, mit den Taliban in Doha über die Ausreise von afghanischen Ortskräften in Verhandlungen zu treten. Zur Ausreise selbst hat das Bundesinnenministerium in den letzten Wochen wiederholt deutlich gemacht, dass hier schnell und ohne große bürokratische Hürden gehandelt wird. Alles, was für eine Aufnahme nicht vor Ort geleistet werden kann, wird hierzulande nachgeholt."

Torbjörn Kartes (CDU), Bundestagsabgeordneter aus Ludwigshafen

Torbjörn Kartes (Foto: Torbjönr Kartes/Tobias Koch)
Bundestagsabgeordneter Torbjörn Kartes (CDU), Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal Torbjönr Kartes/Tobias Koch

"Es hat offenbar niemand damit gerechnet, dass Kabul so schnell von den Taliban eingenommen wird. Wir brauchen deshalb eine schonungslose Aufklärung, wie die Lage so grundlegend falsch eingeschätzt werden konnte. Wir sollten den Kreis derer, die wir aus Afghanistan herausholen, so weit wie möglich ziehen. Allen Menschen, die für uns gearbeitet haben und die jetzt Racheakte fürchten, fühle ich mich jedenfalls verpflichtet. Ich unterstütze auch den Vorschlag, dass die Luftbrücke Frauen- und Menschenrechtlerinnen, Aktivistinnen und Bürgermeisterinnen herausholt. Einen Plan brauchen wir übrigens auch für die Menschen, die nicht als Orts- oder Hilfekräfte gearbeitet haben, aber aus anderen Gründen aus Furcht vor den Taliban fliehen."

Tobias Lindner (Grüne), Bundestagsabgeordneter aus der Südpfalz

Tobias Lindner (Grüne) (Foto: 1000)
Bundestagsabgeordneter Tobias Lindner (Bündnis 90/Die Grünen), Wahlkreis Südpfalz 1000

"Es ist ehrlich gesagt ein Trauerspiel, wie die Bundesregierung auf diese Krise reagiert. Wir wissen seit dem 14. April, dass die Bundeswehr aus Afghanistan abziehen wird. Es waren vier Monate Zeit, Ortskräfte aus dem Land herauszubekommen. Die meisten Fraktionen haben immer wieder in den Bundestagsausschüssen nachgefragt. Und erst jetzt wacht die Bundesregierung auf - jetzt wo es fast schon zu spät ist. Man kann nur hoffen, dass möglichst viele Personen evakuiert werden können."

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