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Illegale Mountainbike-Trails, aggressiver Fahrstil - Wie der Verein Pfalzbiker auf die ansteigenden Vorwürfe und Konflikte reagiert.

Michael Maul und Marco Schweigert vom Verein Pfalzbiker aus Landau stellen sich im Interview drei Vorwürfen und Konflikten, die oftmals zwischen Wanderern, Waldbesitzern und Mountainbikern im Raum stehen und stellen ihre Lösungsansätze vor.

Ein junger Mann springt mit seinem Mountainbike über eine Anhöhe auf einer Downhillstrecke im Deister (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich)
Mountainbiker sorgen für viel Diskussion im Pfälzerwald. picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich

SWR Aktuell: Mountainbiker seien zunehmend aggressiv unterwegs und würden keine Rücksicht auf Wanderer nehmen, heißt es oft.

Maul: Wir als Verband stehen für Rücksicht und ein gemeinsames Miteinander im Wald. Das ist gelebte Praxis. Jeder, der im Wald ist, stellt fest, dass wir diesen Konflikt nicht haben. Ein paar schwarze Schafe gibt es überall. Aber wir schaffen ja auch keine Autobahnen ab, weil jemand mal rechts überholt oder Lichthupe gibt.

SWR Aktuell: Der Forst betont immer wieder, dass schmale Wanderwege für Mountainbiker tabu sind. Deren Nutzung sei illegal.

Maul: Der Streit um die Auslegung des Landeswaldgesetzes ist müßig, wenn man darüber diskutiert, ob man jetzt einen schmalen Pfad als Mountainbiker benutzen darf oder nicht. Denn das ist hier seit über 20 Jahren gelebte Praxis. Der Forst hat erkannt, dass es einen deutlich erhöhten Bedarf bei den Bikern an Strecken gibt, die gemeinsam genutzt werden oder direkt für die Biker bereitgestellt werden. Aber darauf wurde leider in den letzten zehn Jahren überhaupt nicht eingegangen. Anträge ziehen sich über Jahre hinweg.

Ein Schild mit dem Hinweis für Mountainbiker auf den Wegen zu bleiben.  (Foto: SWR)
Hinweisschilder bitten Mountainbiker auf den ausgeschilderten Wegen zu bleiben.

SWR Aktuell: Bürgermeister und Förster klagen in letzter Zeit immer häufiger über illegale Trails, die sich Mountainbiker mitten im Wald, abseits von Wegen bauen würden.

Maul: Die illegalen Trails sind eigentlich nur ein Indiz dafür, dass der Bedarf extrem hoch ist. Wenn man nie ein Angebot schafft, dann drängt man manchmal auch Leute dazu sich ein Angebot selbst zu verwirklichen. Dass das nicht die Lösung ist, ist klar. Aber eigentlich deutet es nur auf ein Versäumnis hin. Und wenn man sieht, wie das jetzt zunimmt, wird es langsam Zeit ein entsprechendes Angebot zu schaffen und nicht nur darüber zu reden.

SWR Aktuell: Was könnten Lösungen sein?

Maul: Jeder Weg ist an sich ein Eingriff in die Natur und leicht störend für diese. Was man hier schaffen müsste, wäre ein vernünftiges Besucher-Lenkungs-Konzept: In Hotspotgebieten sollte man eine gewisse Wegetrennung machen. Sprich, ein adäquates Angebot für die Biker anbieten und auch für die Wanderer, um die gemeinsam genutzten Wege zu entlasten. Wenn man in die zweite Reihe der Berge reingeht ist dort die Besucherdichte nicht mehr so stark. Dort bräuchte man die Trennung dann vielleicht nicht mehr.

"Wir hätten gerne nicht nur eine Strecke, sondern eine Strecken-Infrastruktur, damit man hier in allen Gebieten eine schöne Mountainbike-Tour fahren kann."

Marco Schweigert

Schweigert: Ich bin Streckenwart bei den Pfalzbikern. Wir setzen uns hier für alle Mountainbiker im Pfälzerwald ein. Und es wäre schon gut, wenn wir ein legales Streckenangebot hier am Haardt-Rand bekommen könnten und auch in anderen Gebieten der Pfalz. Wir hätten gerne nicht nur eine Strecke, sondern eine Strecken-Infrastruktur, damit man hier in allen Gebieten eine schöne Mountainbike-Tour fahren kann.

HZL, Erfweiler, Winterbergstraße, Bank mit Aussicht (Foto: SWR)
Symbolbild: Mountainbiker auf Tour

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