Nach SWR-Bericht: Mehrere Tausend Euro Spendengelder

Bad Dürkheim: Welle der Hilfsbereitschaft für Kinder in der Ukraine

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Nach einem SWR-Bericht über eine Behinderteneinrichtung im westukrainischen Lemberg sind schon mehrere tausend Euro an Spendengeldern für die Kinder und Jugendlichen zusammengekommen.

Der Augenarzt aus Bad Dürkheim, Michael Zaczkiewicz, strahlt. Er ist gerührt, wie viele Menschen aus ganz Rheinland-Pfalz auf ihn zugekommen sind, weil sie für seinen Hilfsverein Nadija spenden möchten. "Mich haben wildfremde Menschen in der Praxis angerufen, aus Koblenz, aus der Südpfalz, aus meiner alten Heimatstadt Grünstadt. Es ist überwältigend."

Das Geld sei auch dringend nötig: Die Kinder und Jugendlichen aus der Behinderteneinrichtung Dzherelo in Lemberg in der Westukraine können die Einrichtung aktuell nicht besuchen, weil dort Flüchtlinge aus der Ostukraine untergebracht sind.

Behinderteneinrichtung Dzherelo in Lemberg (Foto: SWR)
Behinderteneinrichtung Dzherelo in Lemberg

Behinderte Kinder können sich nicht selbst retten

"Sie sind wirklich die Ärmsten, diese Kinder. Sie sind ja nicht mobil, sie sitzen in Rollstühlen. Mit den Kindern können sich Familien nicht in Luftschutzkeller retten", erzählt Michael Zaczkiewicz, dessen Eltern aus der Ukraine stammen. Die Kinder sind spastisch gelähmt auf die Welt gekommen, eine Flucht komme unter diesen Umständen auch nicht in Frage.

Michael Zaczkiewicz hofft, dass die Kampfhandlungen bald eingestellt werden und die Einrichtung wieder geöffnet werden kann. Sie ermöglicht den Kindern in normalen Zeiten eine Schulbildung, damit sie später einen Beruf erlernen können.

Auf ausländische Spenden angewiesen

Die Einrichtung finanziert sich über Spenden, der ukrainische Staat kann soziale Projekte nicht mehr unterstützen. Allein der Gaspreis habe sich innerhalb von vier Wochen vervierfacht, erzählt Michael Zaczkiewicz. Und davor war das Gas in der Ukraine schon dreifach so teuer, wie dies aktuell in Deutschland der Fall ist.

Michael Zaczkiewicz (Foto: SWR)
Michael Zaczkiewicz

Pfälzer bieten Kriegsflüchtlingen Wohnraum an

Die Hilfsbereitschaft in der Pfalz sei enorm, berichtet der Bad Dürkheimer Augenarzt. Die Menschen fragen nicht nur, wie sie an den Hilfsverein spenden können. Sie bieten auch Wohnungen und Häuser für Flüchtlinge an. "Ich vermittle da sehr gern." Doch noch habe aus seinem unmittelbaren ukrainischen Bekanntenkreis niemand den Wunsch geäußert, zu fliehen.

"Die Menschen dort sind unfassbar gelassen und sie wollen ihr Vaterland unbedingt verteidigen." Zaczkiewicz wisse von einigen jungen Leuten, denen man angeboten habe, sie außer Lande zu bringen. Diese hätten die Angebote aber stets abgelehnt. Im Gegenteil: Ukrainische Gastarbeiter, die bislang in Polen oder in anderen osteuropäischen Ländern gearbeitet hätten, kehrten nun in ihr Heimatland zurück, um dieses zu verteidigen.

Ukrainischer Nationalchor bringt Essen an die Front

"Sogar meine lieben Sängerinnen und Sänger des ukrainischen Nationalchores bringen sich in Gefahr. Sie versorgen ukrainische Soldaten an der Front mit Lebensmitteln unter Einsatz ihres eigenen Lebens", erzählt der Bad Dürkheimer Augenarzt mit einer Mischung aus Stolz und Sorge. Der ukrainische Nationalchor singt normalerweise einmal im Jahr in der Pfalz. Die Einnahmen des Konzertes gehen dann üblicherweise komplett an die Behinderteneinrichtung Dzherelo in Lemberg.

Michael Zaczkiewicz würde seinen Freunden in Lemberg und Kiew gerne zur Seite stehen. Doch aktuell kann er nur eines tun: Spendengelder sammeln und sie moralisch unterstützen. "Ich schreibe Ihnen von all den Friedensdemonstrationen und Friedensgebeten für die Ukraine in Deutschland. Das tut ihnen ungemein gut."

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