Flüchtlinge aus der Ukraine, die vor dem Krieg fliehen und jetzt auch im Donnersbergkreis Schutz suchen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas)

Sprachbarriere und Kinderbetreuung ein Problem

Wie können Firmen in der Pfalz ukrainische Flüchtlinge einstellen?

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Nicoletta Prevete

Auch Unternehmen in der Pfalz wollen ukrainischen Flüchtlingen eine Arbeit anbieten. Das meldet die IHK Pfalz. Doch fehlende Sprachkenntnisse und Kinderbetreuung stellen manchmal schwer überwindbare Hindernisse dar.

Martina Nighswonger ist eine gestandene Unternehmerin. Mit viel Tatkraft leitet sie die Firma Gechem in Kleinkarlbach (Kreis Bad Dürkheim), die unter anderem Spülmaschinentabs herstellt. Sie nimmt kein Blatt vor dem Mund, wie sie selbst erklärt. Daher habe sie bei der letzten IHK-Runde zum Thema Flüchtlinge Klartext gesprochen. "Ich habe mich bereits 2015 bei der damaligen Flüchtlingswelle sehr engagiert und ich weiß, um die enormen bürokratischen Hürden, wenn man Flüchtlinge einstellen will. Ich hoffe, dass das diesmal besser läuft", so Nighswonger.

Martina Nighswonger (Foto: Privat)
Martina Nighswonger, Geschäftsführerin der Firma Gechem in Kleinkarlbach (Kreis Bad Dürkheim) Privat

Unternehmerin will Ukrainerin Ausbildung anbieten

Die Unternehmerin hat die Patenschaft für eine ukrainische Familie übernommen, spendet wöchentlich Windeln und Gläschen für das Baby der Familie und möchte der großen Schwester jetzt einen ersten Berufseinstieg ermöglichen. "Das Mädchen wird jetzt 18. Sie hat einen Schulabschluss. Jetzt stünde eine Ausbildung oder ein Studium an. Dafür muss sie aber erst einmal Deutsch lernen“, erklärt die Unternehmerin.

Die Unternehmerin hat der 18-Jährigen angeboten, vormittags mit im Betrieb in der Produktion zu arbeiten. Mit dem Verdienst könne sie zum einen ihre Familie unterstützen und zum anderen einen Deutschkurs am Nachmittag selbst finanzieren. "Ich bin Pragmatikerin. Was sollen wir warten, bis jemand diesen Sprachkurs bezahlt? Da verdient das Mädchen lieber selbst Geld und finanziert ihn dann auch selbst", gibt sich die Unternehmerin kämpferisch.

Auch Spedition will Flüchtlingen Arbeit geben

Mehr Pragmatismus bei der Einstellung von Flüchtlingen würde sich auch Michael Peters von der Speditionsfirma Intertrans in Bobenheim-Roxheim wünschen. Schon 2015 wollte er gerne Geflüchtete in der Firma ausbilden. "Letzten Endes ist es an der Bürokratie gescheitert", erzählt Peters. Er hofft, dass diesmal alles besser klappt. "Ich brauche so dringend Auszubildende im kaufmännischen Bereich und im Lager - und zwar schon seit Jahren", berichtet er dem SWR.

Er habe sich jetzt hilfesuchend an die Gemeinde gewandt und seine Bereitschaft, junge Leute aus der Ukraine auszubilden, signalisiert. Sie bräuchten aber Grundkenntnisse in Deutsch, so der Unternehmer. Michael Peters hofft, dass einige junge Ukrainer bis zum Ausbildungsbeginn im Herbst Sprachkurse besucht haben, damit sie bei ihm in der Firma loslegen können. Er würde sich an deren Finanzierung auch beteiligen.

IHK Pfalz: Sprache ist Problem

Die Sprachbarriere sei in der Tat das größte Hindernis bei der Einstellung von Geflüchteten, bestätigt dann auch Sabine Mesletzky von der IHK Pfalz. Die wenigsten Geflüchteten könnten Deutsch. Auch Englisch Kenntnisse seien nur rudimentär vorhanden. Doch nach wie vor stünde nicht fest, wer die Integrations- und Sprachkurse finanziere, so die Expertin bei der IHK.

Sprachkurs an der VHS Zweibrücken für Geflüchtete aus der Ukraine (Foto: SWR)
Die Nachfrage nach Deutsch-Kursen für Geflüchtete aus der Ukraine wie hier an der VHS Zweibrücken ist groß

Die nächste große Hürde sei die Betreuung der Kinder der ukrainischen Flüchtlinge. Die Kinder müssten in die Kita oder in den Hort, sonst könnten die Mütter nicht arbeiten, erklärt Sabine Mesletzky. Doch in den Kommunen gebe es schon jetzt weder genügend Betreuungsplätze noch Kita-Personal. Da sei guter Rat teuer, wie jetzt auch noch ukrainische Kinder betreut werden sollen.

Unternehmer bringt Geflüchtete unter

Mehr Glück bei der Einstellung junger Mütter hatte Detlev Wessel von der Wellpappenfabrik in Grünstadt-Sausenheim. Er hat neun ukrainische Flüchtlinge direkt auf dem Betriebsgelände untergebracht: Mütter mit Kindern, deren Schwestern und Kusinen. Diese könnten sich bei der Kinderbetreuung abwechseln. Einige der Frauen hatten schon bei ihrer Ankunft Interesse gezeigt, in der Firma mitzuarbeiten. Detlev Wessel wartet jetzt auf eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung für die Frauen, die zugleich auch eine Arbeitserlaubnis darstelle. Alle nötigen Ämtergänge dafür erledigt er zusammen mit den ukrainischen Frauen selbst.

Detlev Wessel (Foto: Privat)
Detlev Wessel, Geschäftsleiter der Wellpappenfabrik in Grünstadt-Sausenheim Privat

Sprachkenntnisse seien für die Arbeiten in der Wellpappenfabrik nicht zwingend nötig, da es sich um einfache, manuelle Tätigkeiten handle. Bis zu fünf Geflüchtete würde Detlev Wessel einstellen – zusätzlich zur bestehenden Mannschaft, wie er sagt. Es sei für ihn wie für viele andere jetzt selbstverständlich zu helfen, so der Unternehmer.

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