Mitarbeiter vor Industrielandschaft  (Foto: BASF)

Personalmangel, blaues Auge und Grüße an die Wunschfee

Unternehmen in der Pfalz: Trübe Aussichten für das Wirtschaftsjahr 2022

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Im Herbst schien die Krise bei den Pfälzer Unternehmen überwunden. Sie meldeten laut IHK Pfalz fast "Vorkrisenniveau". Doch jetzt droht die fünfte Corona-Welle.

Tibor Müller, Hauptgeschäftsführer der IHK Pfalz in Ludwigshafen, schaut sorgenvoll auf das 2022. Zwei Jahre im Dauerkrisenmodus hätten der Pfälzer Wirtschaft sehr zugesetzt, sagt er im SWR.

Keine Gelegenheit, sich wirklich von Lockdowns zu erholen

Vor allem die Hotellerie- und Gastronomie aber auch die Veranstaltungsbranche habe keine Gelegenheit gehabt, sich wirklich von Lockdowns und Corona-Maßnahmen zu erholen. Hinzu komme, dass in diesen Branchen permanent Personalprobleme herrschten.

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Verständnis für Personalflucht aus der Gastrobranche

"Ich kann die Leute ja verstehen. Die haben sich während der Lockdowns neue Jobs gesucht. Arbeitnehmer wollen nicht nur Geld verdienen, das war ja durch Kurzarbeiterregelungen gesichert, sie wollen auch Sicherheit", zeigt der IHK-Chef Verständnis für die Flucht des Personals aus der Gastro-Branche. Ein erneuter Lockdown würde die Branche jedoch endgültig in die Knie zwingen, das Personal komme dann wirklich nicht mehr zurück - da ist sich Tibor Müller sicher.

"Bis jetzt mit einem blauen Auge davon gekommen"

Dennoch stehe die Pfälzer Wirtschaft nicht schlecht da. Man sei bis jetzt mit einem blauen Auge davongekommen, erklärt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Das liege vor allem daran, dass die Pfälzer Wirtschaft sehr "industrielastig" sei. Ein krisenfester Sektor, der auch viele Arbeitsplätze garantiere.

Fachkräftemangel: Kusshand für Auszubildende

Und in diesem Sektor werden dringend Fachkräfte gesucht. Man sei über jeden jungen Mann und jede junge Frau froh, die sich entschließe, eine Lehrstelle anzunehmen. Insbesondere in technischen Berufen, aber auch in der IT- und in der Baubranche würde man junge Leute "mit Kusshand" nehmen.

Ein Mitarbeiter im Lkw-Werk Wörth ist hinter der Radaufhängung eines Lastkraftwagens zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Uwe Anspach)
Die Lkw-Sparte von Mercedes ist jetzt eigenständig unter dem Namen Daimler Truck. picture alliance / dpa | Uwe Anspach

"Kiloweise Ausbildungsstellen"

Tibor Müller ist es auch wichtig, die jetzigen Schulabgänger nicht als "Corona-Jahrgang" abzustempeln. Selbst wenn es schulisch Defizite gebe, Arbeitgeber würden gerne helfen, diese auszugleichen, zum Beispiel mit Nachhilfeangebote. "Die Botschaft lautet ganz klar: Bewerbt euch! Es gibt kiloweise Ausbildungsstellen!", so der IHK-Chef.

Weiteres Problem: Explodierende Energiekosten

Neben dem Fachkräftemangel machen den Unternehmen auch die gestiegenen Energiepreise zu schaffen, so Tibor Müller. Bei einer bundesweiten Umfrage hätten die IHKs festgestellt, die Hälfte aller Unternehmen habe extreme Probleme durch die signifikant gestiegenen Energiepreise.

Banknoten von 10, 20 und 50 Euro liegen sortiert auf einem Tisch (Foto: dpa Bildfunk, niedriglohn-deutschland-100)
niedriglohn-deutschland-100

"Die Situation wird sich im neuen Jahr auch noch weiter verschärfen. Die Unternehmen müssen dann für die Energielieferung Nachfolgeverträge aushandeln und dann wird es für sie noch teurer!", befürchtet Müller.

Energiewende ist Operation am offenen Herzen

Generell sei das Thema Energie neben Corona eines der herausforderndsten. Die von der Bundesregierung angestrebte "Energiewende" sei, "eine Operation am offenen Herzen. Wir kommen aus der alten Welt mit den klassischen Kraftwerken und wollen alles auf erneuerbare Energien umstellen."

"Da müssen wir mit Fingerspitzengefühl ran, damit wir unsere energieintensive Industrie da gut rüber kriegen in die neue Welt", erklärt Tibor Müller. Sollten die Energiepreise durch die Energiewende noch mehr in die Höhe schießen, müsste die Politik für Entlastung sorgen, etwa durch eine geringere Energiesteuer.

Wünsche an die "Wunschfee"

Und was würde sich der IHK-Chef wünschen, wenn die Wunschfee um die Ecke käme? Ganz klar: Normalität. Normalität für die Wirtschaft, aber auch für sich selbst. Mal zwei bis drei Jahre normal planen können ohne ständige Ad-Hoc-Entscheidungen - das würde allen gut tun, sagt Tibor Müller  – sowohl den Unternehmen als auch jedem einzelnen Bürger.

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