Tausende Anrufe bei "Nummer gegen Kummer"

Kinder-und Jugendtelefon Landau: Jugendliche haben mehr Probleme seit Corona

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Die Corona-Situation ist auch für viele Kinder und Jugendliche so belastend, dass sie Hilfe suchen. Bei der Landauer Hotline ""Nummer gegen Kummer" haben 10.000 junge Leute angerufen, um über ihre Sorgen zu sprechen.

Ein Mädchen mit Atemschutzmaske schaut aus dem Fenster (Foto: Imago, IMAGO / Cavan Images)
Imago IMAGO / Cavan Images

Das Kinder- und Jugendtelefon ist immer montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr für Anrufer erreichbar. Seit der Pandemie steht es kaum still. Es gibt sehr viele Anfragen von Kindern und Jugendlichen - über Telefon oder auch Email. "Wir haben seit Corona 30 Prozent mehr Emails als im Vergleich zum Vorjahr", sagt Vanessa Lang, Leiterin des Kinder- und Jugendtelefons beim Kinderschutzbund in Landau. Man merke: Der Bedarf hat stark zugenommen. Bei der Hotline sind im vergangenen Jahr 10.000 Anrufe eingegangen. Davon seien allein 2.000 Anrufe Kinder und Jugendliche mit schwerwiegenden Problemen gewesen.

Corona: Jugendliche sprechen über Einsamkeit und Isolation

Seit Corona hätten sich die Anfragen der Kinder und Jugendlichen verändert. "Es geht um Einsamkeit, Isolation oder auch Langeweile", sagt Lang. "Das klingt zwar banal, aber kann auch ein großes Thema sein, wenn man sich nicht mit seinen Freunden treffen kann". Während der Pandemie waren Schulen zeitweise geschlossen und die jungen Leute konnten sich nicht mit ihren Freunden treffen.

Probleme mit Eltern und Schule

Am Telefon berichten viele der jungen Anrufer den ehrenamtlichen Mitarbeitern auch von Problemen mit den Eltern und in der Schule. Viele würden von Zukunftsängste geplagt. "Sie fragen sich zum Beispiel: Wie soll es weitergehen? Kriegt meine Mutter wieder einen Job?". Außerdem hätten die Jugendlichen natürlich auch Angst, sich selbst mit dem Corona-Virus anzustecken.

Mitarbeiter des Sorgentelefons "Nummer für Kummer" im Gespräch am Telefon. (Foto: SWR)
Die Kinder nehmen vermehrt auch das Mail-Beratungsangebot der Nummer für Kummer an.

Auch wegen Gewalt und Missbrauch suchten viele Hilfe. Die Gewalt in den Familien habe sich durch Corona verstärkt, sagt Lang. Die Familien seien Tag für Tag eng aufeinander gehockt und die Kinder nicht zur Schule gegangen. Das habe die Situation verschärft.

Neben der Einsamkeit hätten Anrufer auch psychische Probleme, aufgrund der sozialen Isolation seien sie in einer schwierigen Situation gewesen. Weil es so viele Anrufe gab, war die Hotline zuletzt auch vormittags zu erreichen. Und in Landau beraten in einem extra Angebot auch bewusst Jugendliche ab 16 Jahren die anrufenden Kinder und Jugendlichen.

Beratungen oft belastend für Mitarbeiter

Letztlich seien die Beratungsgespräche auch für die Mitarbeiter oft belastend: "Wir können gemeinsam mit dem Kind nach Lösungen und Ansätze Ansatzpunkten suchen. Aber dann ist das Gespräch eben auch zu Ende, und wir müssen hoffen, dass das Kind die Kraft hat, selbst weitere Schritte zu gehen", sagt Lang. Die Anrufer würden an Therapeuten oder andere Beratungsangebote weiterverwiesen. "Für uns ist das doof, wenn wir sagen müssen, dass es sein kann, dass sie da mehrere Wochen oder vielleicht Monate Wartezeit haben." Das Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche sei ohnehin viel zu klein.

Mitarbeiter des Sorgentelefons "Nummer für Kummer" im Gespräch am Telefon. (Foto: SWR)
Vanessa Lang, Leiterin des Kinder- und Jugendtelefons, und einer ihrer Telefonseelsorger vor dem Kinderhaus "Blauer Elefant",

Neue Mitarbeiter können sich wieder ausbilden lassen

Damit die Arbeitsbelastung nicht zu hoch wird für die Ehrenamtlichen, sind sie nur an etwa drei Nachmittagen im Monat eingeteilt. Deshalb sucht die "Nummer für Kummer" wieder neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich jetzt im Herbst zur Telefonberatung ausbilden lassen können.

Diese umfasst mehrere Wochenenden und Abende. Später wird man auch durch Supervisionen begleitet, also Gespräche mit erfahrenen Psychologen, die die Ehrenamtlichen auch während der Telefonberatung unterstützen und beraten.
Mitmachen können Personen ab 16 Jahren. Sie sollten fit, tolerant, flexibel und offen sein, auch für Themen rund um die Sexualität, die Heranwachsende ja sehr beschäftigen.

Der Kinderschutzbund in Landau hat die telefonische Anlaufstelle "Nummer gegen Kummer" geschaltet. Es ist seit 1983 ein kostenloses und anonymes Beratungsangebot.

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