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Der neue Landauer Streetworker Michael Jessl hat es in nur einem Jahr geschafft, 18 Obdachlose von der Straße zu holen. Früher waren die Wohnsitzlosen auf sich allein gestellt.

Die Wohnung zu verlieren und auf der Straße oder in einer städtischen Notunterkunft zu landen - das heißt in unserer Gesellschaft, ganz unten anzukommen. Und der Weg zurück aus der Obdachlosigkeit ist schwer. Die meisten Menschen schaffen es nicht aus eigener Kraft, wieder eine Wohnung und einen Job zu finden. In Landau waren Obdachlose früher weitgehend auf sich allein gestellt. Vor einem Jahr hat die Stadt aber Streetworker Michael Jessl vom Caritas-Zentrum Landau damit beauftragt, sich um die Menschen in einer Notunterkunft zu kümmern.

Obdachlose Frau findet eigene Wohnung und Arbeit

Ingrida Placena lebte beispielweise vier Jahre lang auf der Straße, bevor sie in der Obdachlosenunterkunft der Stadt Landau landete. Damals sei sie völlig am Boden gewesen, erinnert sich Sozialarbeiter Michael Jessl im Gespräch mit der gebürtigen Littauerin: "Als wir uns kennen gelernt haben, warst du ja sehr deprimiert, schon kaputt, wie du sagst". Jessl überredete die zierliche Frau, sich von einem Arzt behandeln zu lassen und unterstützte sie bei der Wohnungssuche. Seit November hat Ingrida Placena eine eigene kleine Wohnung im Landauer Stadtzentrum und geht wieder arbeiten: "Ja, ich bin glücklich", sagt sie. Sie hat eine Putzstelle in einem Privathaushalt gefunden und fühlt sich wohl. Auch für Jessl sei das ein "schönes Gefühl", sagt der 36-Jährige. Innerhalb eines Jahres konnte Michael Jessl 18 Wohnungslosen helfen, aus der beengten Container-Unterkunft herauszukommen und eine eigene Wohnung zu finden, zu ihren Familien zurückzukehren oder sich in eine Klinik einweisen zu lassen.

Sozialarbeiter Michael Jessl an der Obdachlosen-Unterkunft am Prießnitzweg (Foto: SWR)
Sozialarbeiter Michael Jessl an der Obdachlosen-Unterkunft am Prießnitzweg

Michael Jessl findet nicht zu allen Bewohnern einen Draht

Aber manchmal gelinge es auch ihm nicht, Zugang zu den Bewohnern zu finden. So seien fünf Obdachlose tatsächlich wieder auf die Straße zurückgekehrt, sagt der Sozialarbeiter. Eine Notunterkunft sei "konfliktbehaftet, dadurch dass Menschen dort sind, die zusätzlich auch noch psychische Auffälligkeiten haben." Allerdings sei es auch sehr schwer, diese Menschen zu erreichen. Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen und schwere Schicksalsschläge - die Gründe, warum Menschen auf der Straße landen, seien sehr vielschichtig.

Michael Jessl arbeitet deshalb eng mit Einrichtungen wie dem Sozialamt, dem psychiatrischen Dienst und der Polizei zusamme. Der gestandene Pfälzer mit dem langen Bart macht nicht gerne große Worte und viel Aufhebens um seine Person.

Auch ein Ehepaar will raus aus der Obdachosigkeit

Für den 36-jährigen ist es vielmehr eine Herzensangelegenheit, für die Wohnungslosen da zu sein und ihnen zuzuhören. Und das spüren auch die zurzeit rund 20 Bewohner der Landauer Notunterkunft. Das Ehepaar Heidemarie und Christian Leibfried lebt dort schon mehrere Jahre zu zweit in einem kleinen Zimmer. Früher waren sie völlig auf sich gestellt, es gab viel Streit und auch Ärger mit Polizei und Ordnungsamt. Mit dem Michael sei alles viel besser geworden, sagen die beiden und hoffen, dass sie mit seiner Hilfe auch endlich eine eigene Wohnung finden - der große Traum des Paares.

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