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Ein Kunde auf 2.600 Quadratmetern: Das sind die Auflagen, unter denen ein Modegeschäft in Neustadt ab sofort wieder öffnet. Wie läuft das ab? Und: Kann sich das rechnen?

Eingang des Modehauses Jacob in Neustadt (Foto: SWR)
Hier kommt man dieser Tage nur mit Termin rein: Eingang des Modehauses Jacob in Neustadt.

Um Punkt neun Uhr öffneten sich am Montag zum ersten Mal seit 75 Tagen wieder die elektronischen Schiebetüren, um Kunden ins Modehaus Jacob in Neustadt zu lassen. Wer dabei sein will, muss sich vorher anmelden – und hat dafür ein Einkaufserlebnis, wie man es sonst allenfalls Stars wie Elton John zutrauen würde. Der lässt sich heute aber nicht blicken. Stattdessen kommen Christine und Jens Pastyrik als erste Kunden aus Wachenheim.

Umsatz? Kein Thema heute.

Etwas zaghaft betreten sie den Laden, schauen sich um und werden dann vom Chef persönlich in Empfang genommen: Es sei ihm wichtig, dass sie sich ganz in Ruhe umsehen, so Inhaber Jochen Stahler zu seinen ersten Kunden seit über zwei Monaten. Das Letzte, was er wolle, sei, dass sie sich am Ende noch verpflichtet fühlten, etwas zu kaufen. Er scheint, als habe er sich von dem Gedanken, er könne an solchen Tagen vielleicht sogar ein bißchen was verdienen, längst verabschiedet. "Das muss man eher als Werbemaßnahme sehen. Wir haben schließlich gerade fast zehn Leute an Personal im Einsatz."

"Aber es ist schön, wieder Kunden im Laden zu haben."

Jochen Stahler, Chef des Modehauses Jacob

Das Paar ist inzwischen in der Männer-Abteilung angekommen. Hier werden sie ihre komplette Stunde verbringen. Ihr Mann habe Geburtstag, sagt Christine Pastyrik: Da solle es heute nur um ihn gehen. Im weiteren Gesprächsverlauf stellt sich heraus, dass das nur die halbe Wahrheit ist. "Ehrlich gesagt: Er shoppt einfach nicht gern, er mag das nicht mit den ganzen Leuten und dem Gewusel um ihn herum. Da musste ich die Gelegenheit unbedingt nutzen, dass wir das ganze Kaufhaus für uns haben".

Leere Gänge im Modehaus Jacob (Foto: SWR)
Neue Kollektion, leere Gänge: Corona-Alltag im Modehaus Jacob in Neustadt.

Der Plan geht auf: Nach vierzig Minuten haben sie schon mehrere Hosen in der Einkaufstüte, eine Jacke, ein Hemd und eine Weste. "Und ich brauche noch knielange Socken!" fällt Jens Pastyrik ein. Seine Frau strahlt.

Ein kleiner Schritt in Richtung Normalität

Jochen Stahler hat den Einkauf der beiden diskret aus der Entfernung beobachtet, wie es sich für einen guten Verkäufer gehört. Er wirkt zufrieden. "Das ist ein kleiner Schritt zurück in die Normalität. Hoffen wir, dass noch viele folgen." Draußen stehen schon die nächsten Kunden und warten auf ihren Termin. Ein junges Paar. Ihr Mann habe heute Geburtstag, sagt sie: Da solle es ausnahmsweise mal nur um ihn gehen.

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