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Die Street Docs in Ludwigshafen bieten ab sofort auch Hilfe bei psychischen Problemen an. Einmal die Woche können Betroffene die Ärzte in den Ludwigshafener Stadtteilen Bayreuther Straße und Mundenheim West aufsuchen.

Das neue Programm der Street Docs, die von der Ökumenischen Fördergemeinschaft (ÖFG) organisiert werden, nennt sich "Street Docs Mental". Jeden Montag haben Hilfesuchende die Möglichkeit mit einer Psychiaterin und einem Fachkrankenpfleger über ihre persönlichen Sorgen zu sprechen - und das ohne Krankenversicherung. Sobald die Corona-Situation es zulassen würde, wollen sie die Öffnungszeiten ihrer Sprechstunde erweitern.

Street Docs Mental in Ludwigshafen (Foto: SWR)
Zeichnungen der Kinder des Kindergartens in der Bayreuther Straße.

Street Docs wollen Vertrauen nicht verlieren

Die Anlaufstelle für seelische Probleme wurde bewusst im Ludwigshafener Problemviertel Bayreuther Straße angesiedelt. Armut und Perspektivlosigkeit würden hier oft zu Vereinsamung bis hin zu einer tiefen Depression führen, sagt Johannes Hucke von der ÖFG in Ludwigshafen.

Der Sozialarbeiter merkt immer mehr, dass das Vertrauen der Menschen stark zurückgeht. Dadurch sinkt auch die Bereitschaft, sich Hilfe zu holen. Umso wichtiger sei es, gerade jetzt den Kontakt zu ihnen nicht zu verlieren.

"Die seelischen Belastungen sind enorm, wenn wenig Hoffnung besteht auf Arbeit, auf eine andere Wohnung und überhaupt hier rauszukommen, ein angenehmeres Leben zu haben."

Street Docs Mental in Ludwigshafen (Foto: SWR)
Johannes Hucke von der Ökumenischen Fördergemeinschaft in Ludwigshafen.

Situation in Bayreuther Straße nicht gesundheitsfördernd

Schimmel und Insekten seien keine Seltenheit in den Wohnblöcken aus den 50er und 70er-Jahren. In vielen dieser Wohnungen müssten die Menschen ohne eine Heizung leben. Aber nicht nur körperliche Beschwerden sind die Folge, sagt Johannes Hucke. Die Menschen hier leben am Rande der Gesellschaft, sie vereinsamen und resignieren.

"Ich bewundere jeden hier, denn das ist ein täglicher Überlebenskampf und wie man sich hier immer wieder neu motivieren kann – ich könnte es nicht." 

Street Docs Mental in Ludwigshafen (Foto: SWR)
Eine beschmutzte Tür in einem Wohnhaus in der Bayreuther Straße in Ludwigshafen.

Corona erschwert die Arbeit der Street Docs

Die Corona-Pandemie erschwert die Arbeit von Johannes Hucke und den ehrenamtlichen Helfern und Ärzten zusätzlich. Da die Praxisräume aktuell geschlossen sind, müssen die therapeutischen Gespräche im Freien stattfinden. Auch die Gruppenangebote, die sonst für ein bisschen Freude und Austausch sorgen, können im Moment nicht stattfinden.

Johannes Hucke und sein Team hoffen, dass sie möglichst bald wieder in einen geregelten Alltag zurückkehren können. Nur so sei es möglich, dass benötigte Vertrauen zu den Hilfesuchenden aufzubauen.

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