Neuer Prozess um misshandeltes Baby in Landau (Foto: SWR)

Prozessbeginn in Landau

Eltern von misshandeltem Baby erneut vor Gericht

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Thilo Eickhoff
Porträt Thilo Eickhoff (Foto: SWR)

Vor dem Landgericht Landau müssen sich seit Mittwoch zwei Eltern aus Ludwigshafen erneut wegen Misshandlung ihres Babys verantworten. Beide waren bereits 2019 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hatte das erste Urteil mit Beschluss vom 17. März 2021 aufgehoben und die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung an die Jugendschutzkammer des Landgerichts Landau zurückverwiesen.

Die Eltern des Neugeborenen waren bereits im Oktober 2019 vom Landgericht Frankenthal zu einer Haftstrafe von je dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Die Richter gingen damals davon aus, dass sie ihr sieben Wochen altes Kind schwer misshandelt hatten. Das Baby wurde durch eine Notoperation gerettet.

Prozessauftakt: Angeklagte Eltern sind kein Paar mehr

Beim Prozessauftakt in Landau erschienen beide Angeklagte verhüllt im Gerichtssaal, um den Pressefotografen zu entgehen. Beide würdigten sich keines Blickes, die Beziehung ist längst vorbei.

Prozess um mutmaßlich von seinen Eltern misshandeltes Baby vor dem Landgericht Landau (Foto: SWR)
Die beiden angeklagten Eltern, verhüllt in Jacken, mit ihren Anwälten.

Anklage: Eltern hätten Kind gequält und lebensgefährlich misshandelt

Die Anklageschrift rollte das Bild der Geschehnisse von 2018 wieder auf. Schnell und tonlos referierte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, auf wie vielfältige Art und Weise dem sieben Wochen alten Jungen Leid widerfahren war. Die Schlüsselwörter lauteten: "gequält", "misshandelt", "im Stich gelassen" und "der Gefahr des Todes ausgesetzt". Der Junge hatte schwere äußere und innere Verletzungen erlitten, unter anderem im Genitalbereich. Auch Rippenbrüche und eine Schädelfraktur wurden festgestellt.

Die Staatsanwaltschaft glaubt zu wissen, wer dem Kind was angetan hat: So soll laut Anklageschrift die Mutter für die inneren Verletzungen des Jungen verantwortlich sein, der Vater soll ihm die im Genitalbereich beigebracht haben.

Mutter des misshandelten Babys streitet Vorwürfe ab

Die 30-jährige Angeklagte wies die Vorwürfe am Mittwoch energisch von sich: Sie habe dem Kind nie etwas zu Leide getan, die Verletzungen habe sie nicht bemerkt. Hätte sie etwas von einer Misshandlung mitbekommen, wäre sie eingeschritten.

Auch eine frühere Aussage, dass womöglich eine Fiebermessung die inneren Verletzungen verursacht hat, nahm sie zurück: Heute wisse sie, dass sie die Körpertemperatur korrekt gemessen und das Thermometer richtig gehandhabt habe. In einer der Nächte, in der sie laut Anklage dem Kind etwas angetan haben soll, habe sie dem Vater die Betreuung überlassen.  Sie vermute, dass er für die Verletzungen des Jungen verantwortlich sein könnte. Der Mann schweigt zu den Vorwürfen.

Gericht Frankenthal: Eltern seien überfordert gewesen

Die Richter am Landgericht bescheinigten der heute 30 Jahre alten Mutter und dem inzwischen 28-jährigen Vater bei der vergangenen Verurteilung, in ihrer Rolle als Eltern überfordert und unreif gewesen zu sein. Beide würden aus schwierigen Familienverhältnisse stammen und seien in Kinderheimen aufgewachsen. Bei der Urteilsverkündung war außerdem von, so wörtlich, "schwieriger Beweislage, weil es keine Zeugen für die Misshandlungen gegeben habe" die Rede.

Das Landgericht in Landau. (Foto: SWR)
Vor dem Landgericht in Landau wird die Misshandlung eines Babys neu verhandelt.

Psychiater: "Solche Misshandlungen fallen nicht vom Himmel"

Der Ludwigshafener Kinder- und Jugendpsychiater Jochen Gehrmann sagte dem SWR damals als außenstehender Experte, dass er davon ausgehe, dass das Kind lebenslang unter den Folgen leiden werde. Und er sprach sich dringlich für eine Klärung durch den Gerichtsprozess aus. Solche Misshandlungstaten würden nicht vom Himmel fallen, vielmehr sei es "die Spitze einer völlig gescheiterten persönlichen Entwicklung".

Bundesgerichtshof beschloss neue Verhandlung

Nach SWR-Informationen hatten die beiden Verteidiger Revision gegen das Urteil von 2019 eingelegt. Vor mehr als einem Jahr hob der Bundesgerichtshof das Frankenthaler Urteil komplett auf und entschied, dass der neue Prozess gegen die Eltern in Landau verhandelt werden muss. Das Baby kam nach den Misshandlungen in eine Pflegefamilie.

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