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Weil er Kita-Kinder in Kandel (Kreis Germersheim) in 20 Fällen missbraucht hat, muss ein Kita-Erzieher für vier Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Landau verhängte außerdem ein befristetes Berufsverbot.

Taschen hängen an Haken in einer Kindertagesstätte (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Caroline Seidel)
Fünf Jahre Berufsverbot für Aushilfserzieher picture alliance/dpa | Caroline Seidel

Der Erzieher ist am Mittwoch wegen sexuellen Missbrauchs nicht nur zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden, sondern er bekam auch ein Berufsverbot für fünf Jahre. Außerdem muss der 29-Jährige noch Schmerzensgeld in Höhe von 3.000 Euro zahlen.

Psychiater: Erzieher ist pädophil

Der Aushilfserzieher war angeklagt, vier Kita-Kinder im Jahr 2019 mehrfach unsittlich berührt zu haben. Die Kinder waren zwischen vier und sechs Jahre alt. Zu den Taten war es offenbar gekommen, wenn der Erzieher den Kindern besonders nah kam, zum Beispiel beim Vorlesen.Die Staatsanwaltschaft in Landau warf ihm bei dem Prozess vor, zwei Mädchen und zwei Jungen in insgesamt 20 Fällen unter der Kleidung im Intimbereich berührt zu haben. Ein Psychiater hatte vor Gericht ausgesagt, der Mann sei pädophil.

Die Staatsanwaltschaft wollte den Mann eigentlich länger ins Gefängnis schicken und hatte zuvor eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren gefordert, die Verteidigung hingegen eine Bewährungsstrafe.

Der 29-jährige Erzieher vor Gericht in Landau (Foto: SWR)
Der 29-jährige Erzieher vor Gericht in Landau

Richter: Nur "Spitze des Eisbergs"

Der Vorsitzende Richter sagte bei der Urteilsverkündung, das Gericht sei sicher, dass bei der Verhandlung nur "die Spitze eines Eisbergs" zur Sprache kam. Das Gericht geht von wesentlich mehr Taten aus. Der 29-jährige Pädophile habe sich ganz bewusst im sozialen Bereich und bei der Arbeit mit Kindern engagiert. Erste Vorwürfe habe es bereits in einem katholischen Kindergarten in Wörth gegeben, bei dem der Mann ein Anerkennungspraktikum machte. Aber es habe keine Anzeige gegeben.

Der 29-Jährige sei in seiner Ausbildung gescheitert - aber der Erziehermangel habe ihm wohl zugespielt. Der Mann sei dann der einzige Bewerber für die Aushilfserzieherstelle in der Kita in Kandel gewesen. Die Kammer, so der Vorsitzende Richter, habe zwischenzeitlich kurz überlegt, ob man nicht das Ganze zusammen mit den anderen Fällen aus Wörth aufrolle.

Nur einen Teil der Vorwürfe eingeräumt

Der ehemalige Aushilfserzieher hatte nur einen Teil der Missbrauchsvorwürfe vor Gericht eingeräumt. Dem Angeklagten sie es darum gegangen, sich sexuell zu erregen, sagte der Richter.

Schifferstadt

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Sexueller Kindesmissbrauch: Das Schweigen brechen

Josefine ist Referentin, Buchautorin und Kinderschutzaktivistin mit Schwerpunkt „Sexualisierte Gewalt an Kindern“. Sie möchte anderen ersparen, was sie selbst erlebt hat. Als Säugling wird Josefine in ein Heim gegeben, ab dem zweiten Lebensjahr in verschiedene Pflegefamilien. Im Alter von sechs Jahren kommt sie dann zu ihrer letzten Pflegemutter. Schon als kleines Mädchen erlebt Josefine dort Gewalt und sexuelle Übergriffigkeit: „Ein Griff zwischen die Beine, einfach so, zur Belustigung der Erwachsenen“, erzählt sie. Die Pflegemutter verkauft sie über Jahre hinweg an ein Netzwerk von Menschen, die Geld dafür bezahlen, um Josefine zu missbrauchen. „Als ich das erste Mal Geschlechtsverkehr hatte, war ich 13. Da wurde ich jemandem mitgegeben. Ich wurde hinerzogen, still zu sein, es über mich ergehen zu lassen. Nichts durfte nach außen dringen.“ Es folgen viele Jahre, in denen sexueller Missbrauch und schließlich auch Zwangsprostitution zu Josefines Lebensrealität gehören. Im Alter von 17 Jahren wird sie von der Pflegemutter weiterverkauft, in die Zwangsprostitution. Nur durch einen Freikauf gelingt ihr etwa ein Jahr später die Flucht aus dieser qualvollen Situation. Für Josefine wird es immer ein Kampf bleiben, mit der Vergangenheit zurechtzukommen. Seit ein paar Jahren kämpft sie ihn aber auch für andere. Sie schreibt Aufklärungs-Kinderbücher und Fachartikel, gibt Seminare und Workshops und hat den Verein „Nein, lass das!“ gegründet. Mit Leeroy Matata spricht Josefine über die schrecklichen Erlebnisse in ihrer Kindheit, die Folgen und warum Aufklärung und Prävention so wichtig sind. Hilfe und Beratung für Betroffene, für Fachkräfte, für besorgte Menschen aus dem sozialen Umfeld, für Kinder und Jugendliche bietet das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530, Homepage: nina-info.de.  mehr...

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