Tote Honigbienen (Foto: IMAGO, IMAGO / Frank Sorge)

Honig wird teurer

Viele Bienen in der Pfalz über den Winter verendet

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Der Regen und die Kälte im vergangenen Jahr waren sehr schädlich für Bienen. Laut Imkerverband verendete in Rheinland-Pfalz knapp ein Drittel der Bienenvölker. Honig werde teurer.

Einige Imker in der Pfalz hätten sogar alle Bienen verloren, sagte der Erste Vorsitzende des Imkerverbandes Rheinland-Pfalz, Thomas Hock, dem SWR. Dies bestätigt auch Imker Rüdiger Muckel aus Wattenheim (Landkreis Bad Dürkheim): Einem Kollegen von ihm sei es so gegangen. Ihm selbst seien seit dem Herbst die Hälfte seiner Bienen gestorben.

Jetzt müsse er versuchen, sich neue Völker heranzuziehen. Dem noch schlimmer getroffenen Kollegen habe er eine Königin überlassen.

Gründe für das Bienensterben

Der Tod der Bienenvölker habe mehrere Ursachen, so Imkerverbandsvorsitzender Hock: Zum Einen mussten Landwirte durch den vielen Regen im vergangenen Jahr deutlich häufiger gegen Schädlinge spritzen. Das Gift wurde von den Pflanzen gespült und landete so auch in Wasserstellen, aus denen die Bienen ihren Wasservorrat schöpfen. 30 bis 40 Liter Wasser benötige ein Volk im Laufe des Jahres.

EU erlaubt zu viele Ausnahmen bei Spritzmitteln

Das Gift sammle sich im Bienenwachs, haben Untersuchungen des Imkerverbandes ergeben. Das schädige den Bienen-Nachwuchs. Der Honig sei von den Pestiziden aber nicht belastet.

Viele Landwirte beantragen regelmäßig Sondergenehmigungen, dass sie auch von der EU verbotene Spritzmittel einsetzen dürfen, um ihre Ernte zu retten. Das müsse endlich ein Ende haben, fordert der Imkerverband.

Ein Landwirt fährt mit einer Dünger- und Pestizidspritze über ein Feld mit jungem Getreide nahe Neuranft im Oderbruch. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Patrick Pleul)
Der Imkerverband Rheinland-Pfalz fordert den Einsatz von weniger Pestiziden in der Landwirtschaft picture alliance/dpa/Patrick Pleul

Schädliche Milbe breitet sich aus

Der zweite Grund für das Bienensterben sei, dass die Varroamilbe - ein gefürchteter Bienenschädling - durch die kalt-feuchte Witterung übers Jahr schlechter bekämpft werden konnte. Der folgende milde Winter habe allerdings auch zu stärkerem Milbenbefall beigetragen.

Die Bienen hätten auch über den Winter durchgängig Nachwuchs betreut. In dessen Waben vermehrt sich auch die Milbe. Nur wenn die Brut länger unterbrochen sei, gehe auch die Zahl der Milben stark zurück, so Hock.

Bienensterben durch Trockenheit

Zu nass, zu mild oder: zu trocken. Was das Wetter betrifft, sind Bienen anspruchsvoll. Auch Trockenheit macht ihnen zu schaffen. Wenn es nicht genug regne, bildeten vor allem Bäume weniger Nektar - und weniger Nektar bedeute auch weniger Honig.

Besonders die Trockenheit sei auch der Grund dafür, dass der Honig aus der Pfalz teurer werde, so der Imkerverbandsvorsitzende.

Imker hält Bienenwaben mit zahlreichen Bienen in den Händen (Foto: SWR)
Wie die Honigernte in diesem Jahr ausfällt ist noch unklar

Bienenzucht ist teurer geworden

Ein weiterer Grund für höhere Honigpreise sind laut Hock gestiegene Produktionskosten. Die Imker-Ausstattung, die für eine gute Bienenaufzucht gebraucht werde, sei teurer geworden. Imker Rüdiger Muckel aus Wattenheim bestätigt dies. So seien beispielsweise die Gläser für den Bienenhonig im Preis gestiegen - wegen Lieferschwierigkeiten. Es sei auch bereits angekündigt worden, dass die Glas-Preise bald nochmal steigen werden.

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Und für eine Bienenkönigin zahlen Imker nach Angaben des Imkerverbands derzeit 150 Euro. Früher habe eine Bienenkönigin nur 120 Euro gekostet.

Honig wird teurer werden

Aber nicht nur regionaler, auch importierter Honig werde teurer, so Hock. Ein großer Honiglieferant ist die Ukraine, die bislang jährlich bis zu 40.000 Tonnen Honig in die EU importiert hatte. Diese Lieferungen werden in diesem Jahr laut Hock voraussichtlich wegfallen.

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