STAND

Weil er seine Ehefrau getötet hat, muss ein Lehrer aus Völkersweiler (Kreis Südliche Weinstraße) für sechs Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Der Richter appelierte eindringlich an den Mann.

Als die Richter des Landgerichts Landau das Urteil am Dienstag verkündeten, saß der 59-jährige Lehrer schluchzend auf der Anklagebank. Die Richter sahen es nach dem Indizienprozess als erwiesen an, dass der Mann in einer Nacht Ende Januar seine Noch-Ehefrau im Schlafzimmer des gemeinsamen Hauses in der Südpfalz erstochen hat. Das Paar lebte in Trennung, teilte sich aber noch das gemeinsame Haus in der 600- Einwohner-Gemeinde Völkersweiler (Kreis Südliche Weinstraße). Die Ehefrau wollte nicht ausziehen, ehe die gemeinsame Tochter das Abitur hat.

Tat völlig überraschend passiert

Die Tat ist nach Auffassung des Gerichts aus heiterem Himmel und nach einem normalen Arbeitstag verübt worden. Der Mann sei eigentlich ein ruhiger, solider und pflichtbewusster Charakter. Aber offenbar sei ihm in der Tatnacht die Endgültigkeit der Trennung bewusst geworden. Bei der Tat sei der Lehrer sehr gewaltsam vorgegangen, es habe wohl auch einen Kampf im Schlafzimmer gegeben. Der Lehrer tötete seine Frau mit mehreren Messerstichen. Der Angeklagte habe sich danach selbst lebensgefährlich mit dem Messer verletzt.

Das Gericht wertete die Bluttat als minderschweren Fall, weil der Mann laut psychiatrischem Gutachter völlig außer Kontrolle war und an einer depressiven Störung leidet. Der vorsitzende Richter appellierte an ihn, sich wegen Suizidgefahr freiwillig in eine psychiatrische Klinik zu begeben.

Richter: Angeklagter soll sich selbst vergeben

Der Vorsitzende Richter sprach im Hinblick auf die Tat von einem "sehr dramatischen Fall". An den Angeklagten gewandt sagte er, als gläubiger Mensch solle er sich selbst für die Tat vergeben.

Gericht: Tochter treffe keine Schuld

Der Richter wandte sich im Gerichtssaal auch direkt an die 19 Jahre alte Tochter des Ehepaares: Sie treffe nicht die geringste Schuld an dem schrecklichen Geschehnissen, auch wenn die Mutter ihretwegen in dem Haus geblieben sei, so der Vorsitzende Richter. Die Tochter war Nebenklägerin in dem Verfahren.

Das Gebäude des Land- und Amtsgerichts in Landau (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance /Uwe Anspach/dpa)
picture alliance /Uwe Anspach/dpa

Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung

Wegen Totschlags hatten Staatsanwaltschaft und Nebenklage eine Freiheitsstrafe von zehneinhalb Jahren Haft gefordert. Die Verteidigung des Mannes hatte für eine Haftstrafe von maximal fünf Jahren plädiert.

117 Frauen wurden 2019 von ihren (Ex-)Partnern getötet

Laut einer aktuellen Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) vom November 2020 ist die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt auch im vergangenen Jahr gestiegen. 2019 wurden bundesweit 117 Frauen von ihren Partnern bzw. Ex-Partnern getötet.

Kriminalstatistik: Mehr Gewalttaten in Partnerschaften Giffey: "Der Feind im eigenen Bett"

In Deutschland sind wieder mehr Gewalttaten von Partnern oder Ex-Partnern bei der Polizei gemeldet worden. Das geht aus einer Auswertung des Bundeskriminalamts hervor. Möglicherweise könnte die Corona-Pandemie die Zahlen auch noch weiter steigen lassen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN