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Die Bundesregierung hat einen Einreisestopp für Erntehelfer verhängt. Doch die werden dringend gebraucht. Über eine neue Onlineplattform haben sich jetzt hunderte Bürger freiwillig gemeldet: Schüler, Studenten, Kellner oder Kurzarbeiter - alle wollen aufs Feld.

Nach der Freischaltung des neuen Jobvermittlungsportals "daslandhilft.de" haben sich auch in der Region Hunderte Helfer gemeldet. Sie wollen Saison-Arbeitskräfte aus Osteuropa ersetzen, die wegen des Corona-Virus nicht einreisen dürfen. Die Grenzen sind dicht, viele Landwirte warten derzeit vergeblich auf ihre Arbeitstrupps aus Rumänien oder Bulgarien.

Bürger melden sich zu Hunderten

Schüler, Studenten, Beschäftigte aus der Gastronomie und Kurzarbeiter bieten den Landwirten ihre Arbeitskraft auf dem Acker an, um Spargel zu stechen, oder aber Saatgut auszubringen. Sie wollen nicht nur Geld verdienen, sondern auch Solidarität zeigen, damit die Supermärkte gut gefüllt blieben, sagte eine Studentin aus Heidelberg dem SWR.

Auch Pfalzmarkt will Feldarbeiter anwerben

Auch der Pfalzmarkt in Mutterstadt (Rhein-Pfalz-Kreis)will wegen der fehlenden Erntehelfer jetzt selbst Saisonarbeitskräfte vermitteln.

Potentielle Helfer und Arbeitssuchende aus der Region können sich per E-Mail beim Pfalzmarkt bewerben. Dieser leite die Daten dann an die Landwirte weiter. Der Pfalzmarkt will nach eigenen Angaben auch Bewerber ansprechen, die nicht aus der Landwirtschaft kommen.

Erntehelfer bei der Spargelernte (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Erntehelfer bei der Spargelernte Picture Alliance

Spargelbauern unter Druck

Wegen der Corona-Pandemie stehen laut Pfalzmarkt besonders die Pfälzer Spargelerzeuger unter Druck. Auf vielen Feldern beginnt jetzt die Spargelernte und es gibt Betriebe, die statt 100 nur 10 Erntehelfer hätten. Arbeitskräfte aus Südosteuropa einfliegen zu lassen sei wegen der Corona-Auflagen weiter schwierig.

Weitere Maßnahmen nötig

Der Bauern- und Winzerverband begrüßt die Anwerbemaßnahmen des Pfalzmarkts, betont aber, das reiche nicht aus, um auch für die kommenden Monate den großen Bedarf an Helfern in der Landwirtschaft zu decken

Damit die Supermarktregale immer gut gefüllt sind, brauchen Landwirte viele Erntehelfer (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Wolfgang Kumm/dpa)
Damit die Supermarktregale immer gut gefüllt sind, brauchen Landwirte viele Erntehelfer picture alliance/Wolfgang Kumm/dpa

Bundesweit fehlen den Landwirten nach offiziellen Angaben etwa 300.000 Saisonkräfte.

EU-Agrarminister beraten sich

Die Agrarminister der 27 EU-Länder beraten am Mittwoch über Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf Landwirtschaft und Fischerei. Die Minister werden deshalb nach Ratsangaben über Probleme beim Einsatz von Saisonarbeitern und beim grenzüberschreitenden Transport verderblicher Lebensmittel ebenso beraten wie über Hilfen für Unternehmen in Schwierigkeiten. In Deutschland fehlen Erntehelfer, weil Saisonkräfte wegen geschlossener Grenzen nicht mehr anreisen können. Lastzüge brauchen wegen der Kontrollen an vielen Grenzen länger für ihre Fahrt durch Europa. Manche Betriebe könnten wegen der Ernte- und Absatzprobleme in wirtschaftliche Not geraten.

Politik hilft Landwirten

Landwirte in Deutschland dürfen Saisonkräfte statt bisher 70 nunmehr 115 Tage sozialversicherungsfrei beschäftigen, wie das Bundesagrarministerium nach einem entsprechenden Kabinettsbeschluss am Montag mitteilte. Das soll den Betrieben helfen und zugleich die Mobilität und damit die Infektionsgefahr senken. Ministerin Julia Klöckner (CDU) sagte: "In der jetzigen Lage hat die Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung höchste Priorität."

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