Die Ausstellung "Nanu" gastiert in der Gedächtniskirche in Speyer (Foto: SWR)

Ausstellung zur Geschlechter-Vielfalt in der Gedächtniskirche

Speyer: Wie schwul darf die Evangelische Kirche sein?

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Lesben, Schwule, Transsexuelle - deutlich wie nie zeigt die evangelische Kirche der Pfalz, dass sie offen für sexuelle Vielfalt ist. Und sie eckt damit an, auch bei den eigenen Mitgliedern.

Von der Kanzel in der Speyerer Gedächtniskirche hängt eine Regenbogenflagge, ebenso vor dem Altar, zu den Füßen einer Statue von Jesus. Zwischen den Kirchenbänken weist ein Schild auf den queer-feministischen Stammtisch in Kaiserslautern hin, an der Seite im Langhaus stehen Aufsteller zu Themen wie "Homosexualität in der Antike".

Die Wanderausstellung "Nanu" hat Einzug in die Speyerer Gedächtniskirche gehalten. Ihr Thema ist die Geschichte zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der Pfalz. Und die evangelische Kirche der Pfalz bietet ihr nicht nur den Raum, sie hat sie auch mitgestaltet.

Die Ausstellung "Nanu" gastiert in der Gedächtniskirche in Speyer (Foto: SWR)
Die Ausstellung "Nanu" in der Speyerer Gedächtniskirche

Begleitet wird die Ausstellung von mehreren Veranstaltungen. Am Dienstagabend, beispielsweise, hat Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst mit einer lesbischen Frau und einem homosexuellen Mann öffentlich darüber diskutiert, wie offen die evangelische Kirche der Pfalz denn im Jahr 2022 nun ist. Die Frage ist aus Sicht von Dorothee Wüst schnell beantwortet: Grenzen? Gibt es nicht. Zumindest fallen ihr keine ein. "Wir haben die komplette Gleichstellung. Wir glauben, dass Gott jeden Menschen so erschaffen hat, wie er ist", sagte Wüst dem SWR. Ein Pfarrer, der offen homosexuell lebt oder sich zu seiner Transsexuallität bekennt? Kein Problem, laut Wüst.

Speyer: Gegenwind aus den eigenen Reihen

Das sehen nicht alle so entspannt wie die Präsidentin, auch in der eigenen Kirche nicht. Das sei auch eine Generationenfrage, in der Lernprozesse in Gang kämen, so Wüst.

"Natürlich bekomme ich Rückmeldungen, gerade von älteren und konservativeren Mitgliedern, die sagen, dass ihnen das zu weit geht."

Es habe nun einmal nicht jeder das gleiche Tempo. Als Kirche müsse man das aushalten und Geduld miteinander haben – bei diesem Thema, wie bei allen anderen auch.

Speyer: Offenheit als Marketingstrategie?

Die katholische Kirche tut sich nach wie vor schwer mit dem Thema. Gerade in Speyer hat der Kirchenaustritt des ehemaligen Generalvikars Andreas Sturm für großen Wirbel gesorgt. Sturm hatte homosexuellen Paaren den Segen erteilt und sich damit gegen den Vatikan gestellt. Mitte Mai gab er dann auf: Er habe die Hoffnung verloren, dass sich die katholische Kirche wirklich ändern könne.

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Dass die Zahl der Austritte steigt, spüren beide Kirchen. Ist es eine Art Marketingstrategie, die die evangelische Kirche der Pfalz hier verfolgt? Weist sie womöglich so offensiv auf ihre Offenheit hin, um auch die zu erreichen, die eine geistige Heimat suchen, die Kirche aber immer als ablehnend wahrgenommen haben?

Die Ausstellung "Nanu" gastiert in der Gedächtniskirche in Speyer (Foto: SWR)
Jesus über dem Regebogen - die Ausstellung "Nanu" in der Speyerer Gedächtniskirche

"Nein" sagt Wüst. "Manchmal muss man Dinge einfach laut ansprechen, damit sich etwas ändert". Das sei auch der Sinn der Ausstellung: ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es eine Geschlechtervielfalt gibt. Aber auch Wüst räumt ein: "Wenn Menschen erkennen, dass hier die Türen offen sind, die sie bisher für verschlossen hielten, dann wäre es jede Mühe wert."

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