Der Ärztliche Direktor des Klinikums Ludwigshafen Prof. Günter Layer (Foto: Klinikum Ludwigshafen)

Corona-Lage am Klinikum Ludwigshafen

Klinikumdirektor in Ludwigshafen: "Mitarbeiter sind frustriert"

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Die Corona-Lage am Klinikum Ludwigshafen entspannt sich langsam. Und dennoch: Der Ärztliche Direktor Professor Günter Layer hält es für möglich, dass der Lockdown sich noch bis Ostern hinziehen könnte.

Städtisches Klinikum Ludwigshafen (Foto: SWR)

SWR Aktuell: Herr Professor Layer, nun steht es fest, der Lockdown wird bis zum siebten März verlängert. Die Bundesregierung wünscht sich mittlerweile sogar eine Inzidenz, die unter 35 liegt, um eine dritte Welle zu vermeiden. Sind Sie froh über diese Verlängerung der Corona-Maßnahmen?

Prof. Günter Layer: Ja, das bin ich in der Tat. Die Inzidenzzahlen sinken zwar Gott sei Dank, aber sie sind derzeit immer noch deutlich zu hoch. Sie müssen bedenken, ich spreche als Krankenhauschef und die Entlastungen der Krankenhäuser hinken den Inzidenzentwicklungen immer zwei bis vier Wochen hinterher. Ich halte es für realistisch, dass wir die Maßnahmen sogar bis Ostern verlängern müssen, damit wir in den Krankenhäusern tatsächlich einen nachhaltigen Effekt der Maßnahmen spüren.

SWR Aktuell: Wie sieht die Situation am Klinikum Ludwigshafen aktuell aus?  Wie viele Covid-Patienten müssen aktuell behandelt werden? Wie viele liegen auf der Intensivstation?

Layer: Die Lage hat sich gegenüber dem Höchststand im Dezember schon deutlich verbessert! Wir haben trotzdem auf unserer Intensivstation noch 15 Patienten zum Teil in sehr kritischem Zustand liegen, auch mit maximaler Therapie. Wir haben noch vier Patienten mit einem Lungenersatzverfahren, weil diese Patienten nicht selbst in der Lage sind zu atmen. Insgesamt haben wir neben den Intensivstationen noch vier weitere Stationen für Covid-Erkrankte und deren Kontakte sowie für Verdachtsfälle reserviert. Diese reinen Covid-Stationen sind zwar nicht mehr komplett gefüllt, dennoch binden sie nach wie vor viel Personal.

Prof. Layer berät sich mit Mitarbeitern im Klinikum Ludwigshafen (Foto: SWR)
Prof. Layer berät sich mit Mitarbeitern im Klinikum Ludwigshafen

 SWR Aktuell: Wie sieht es in den umliegenden Krankenhäusern der Region Pfalz aus? Wie ist da die Lage?

Layer: Wir haben dort eine ähnliche Situation wie am Klinikum Ludwigshafen. Hinzu kommt, dass es in umliegenden Krankenhäusern immer noch zu Corona Ausbrüchen kommt, was enorme Personalausfälle zur Folge hat.

SWR Aktuell: Die Sterberate der Menschen, die an oder mit Covid verstorben sind, ist in Ludwigshafen sehr hoch – wie viele Tote musste das Klinikum Ludwigshafen beklagen?

Layer: Bedauerlicherweise sind in unserem Krankenhaus im letzten Jahr, seit Beginn der Pandemie, weit über 100 Patienten verstorben. Vor allem Ältere und schwer Vorerkrankte. Das ist eine bittere Bilanz und das müssen wir einfach bedenken, wenn wir über die Maßnahmen sprechen, dass das auf der anderen Seite der Waagschale liegt.

SWR Aktuell: Stimmt es, dass hauptsächlich ältere Menschen mit einem schweren Verlauf einer Covid-Erkrankung rechnen müssen? Haben Sie dies am Klinikum Ludwigshafen so beobachten müssen?

Layer: Ja, das stimmt. Wir haben natürlich immer wieder auch jüngere Patienten mit schwerem Verlauf. Ich glaube, unsere jüngste Patientin auf der Intensivstation war 19, aber das bleibt natürlich eine Ausnahme. Besonders gefährdet sind die alten und vorerkrankten Menschen.

Günter Layer (links) ist Ärztlicher Direktor des Klinikums Ludwigshafen (Foto: Klinikum Ludwigshafen)
Günter Layer (links) ist Ärztlicher Direktor des Klinikums Ludwigshafen Klinikum Ludwigshafen

SWR Aktuell: Haben Sie erste Patienten, die sich mit einer Virus-Variante infiziert haben und unterscheiden sich deren Krankheitsverläufe von denen, die den "Ursprungs-Virus“ in sich tragen?

Layer: Ja, wir weisen jetzt in unserem Labor die Virus-Variante immer öfter nach. Professor Bauer, der bei uns das Labor leitet, hat gerade am vergangenen Dienstag sechs Mutationen nachgewiesen im Labor. Wir haben auch hier im Krankenhaus bereits zwei Patienten mit einer Mutation gesehen. Aber da kann man natürlich noch nichts über die klinischen Verläufe sagen. Zwei Patienten spielen da statistisch noch gar keine Rolle. Die Lehrmeinung ist ja, dass die Ansteckungsgefahr höher ist, der klinische Verlauf aber nicht gefährlicher.

 SWR Aktuell: Die Stadt Ludwigshafen hat vergangenen Dienstag mit sofortiger Wirkung ihre Allgemeinverfügung aufgehoben, somit sind auch die Einschränkungen für Besucher von Pflege- und Seniorenheimen aufgehoben. Wie finden Sie das?

Layer: Die Mitarbeiter in den genannten Einrichtungen sind seit vielen Wochen und Monaten am Limit der Leistungsfähigkeit und insofern sehe ich das natürlich mit einer gewissen Skepsis. Ich bin natürlich ein Befürworter davon, dass wir alles tun, um die Sicherheit in den Altenheimen zu gewährleisten und auch eine Situation in den Krankenhäusern herbeizuführen, in der das Personal nicht noch mehr belastet wird. Auf der anderen Seite sehe ich natürlich durchaus, dass es auch eine große psychische Belastung ist für Angehörige und alte Menschen, wenn sie diesen starken Einschränkungen ausgesetzt sind; und es ist natürlich unvermeidlich, wenn die Zahlen sinken, dass dann der Druck auch gerade auf die Politik sehr hoch wird, sodass man diese Maßnahmen zumindest teilweise aufhebt.

SWR Aktuell: Wie gehts den Mitarbeitern des Klinikums Ludwigshafen? Immer wieder heißt es Pfleger und Ärzte seien längst über alle Grenzen gegangen und hätten keine Möglichkeit mehr sich von den Anstrengungen zu erholen...

Layer: Also, wir tun hier von der Leitung her alles, um die Mitarbeiter zu unterstützen, ihnen Pausen einzuräumen und auch psychologische Hilfe anzubieten. Aber die Tatsache, dass wir das überhaupt tun müssen, zeigt ja schon, dass natürlich eine hohe Belastung vorliegt. Ich habe Ihnen vorhin bereits gesagt, dass wir weit über 100 Todesfälle mit und an Corona erlebt haben und das geht natürlich auch an den Mitarbeitern nicht spurlos vorüber. Ganz abgesehen davon, dass es natürlich auch eine hohe körperliche Anstrengung ist, der die Mitarbeiter ausgesetzt sind. Vor allem im Bereich der Pflege. Es gibt viele Mitarbeiter, die zu wenig Freizeit in den letzten Monaten hatten und es gibt viele, die auch psychisch angestrengt und angeschlagen sind, das kann man gar nicht vermeiden. Aber wir wissen darum und versuchen alles, um für Entlastung zu sorgen.

 SWR Aktuell: Wie viele Mitarbeiter des Klinikums Ludwigshafen sind mittlerweile geimpft?

 Layer: Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir bereits über den Jahreswechsel Impfstoff geliefert bekommen haben. Wir konnten dabei mehr als 1.000 Mitarbeiter auch zweimal impfen und hoffen, dass hier natürlich jetzt ein vollständiger Impfschutz vorliegt. Dies gilt quasi für alle Mitarbeiter, die direkt am Patienten arbeiten. Wir haben in dieser ersten Impfaktion allerdings diejenigen, die seit Oktober schon erkrankt waren, nicht geimpft, weil wir hier noch von einem Schutz durch die Erkrankung selbst ausgehen können. Ansonsten sind praktisch alle Mitarbeiter geimpft, die erreichbar waren und, die direkt am Patienten arbeiten. Das ist eine privilegierte Situation, das ist noch nicht in allen Krankenhäusern der Fall, aber wir sind da in dieser sehr, sehr komfortablen und privilegierten Situation am Klinikum.

Städtisches Klinikum Ludwigshafen (Foto: SWR)

SWR Aktuell: Welche Hoffnungen verbinden Sie mit der Impfung? Ist das wirklich der Weg raus aus der Pandemie, wie Politiker immer erklären? Oder müssen wir uns auf jahrelange Einschränkungen einstellen, weil die Impfstoffe womöglich keinen ausreichenden Schutz vor Mutanten bieten?

Layer: Wir haben nach wie vor keine spezifischen Behandlungsmöglichkeiten gegen Covid 19. Wir haben aus meiner Sicht auch keine Chance einer dritten Welle zu entgehen, wenn wir nicht eine gewisse Immunität erreichen und die werden wir nur über Impfungen aufbauen können. Und da gibt es einige Unwägbarkeiten. Es sind ja jetzt zum Beispiel Zweifel aufgekommen, ob der neu zugelassene Impfstoff von AstraZeneka, gegen alle Mutanten wirkt. Ich will hoffen, dass sich diese Befürchtung nicht bewahrheitet. Wir werden aber ja jetzt auch noch eine weitere Vielzahl von Impfstoffen erhalten. Meine Hoffnung ist tatsächlich, dass wir im Laufe dieses Jahres eine Immunität erreichen, und da dürfen wir auch nicht zu ungeduldig sein. Ich kann nur appellieren, dass alle die, die sich impfen lassen dürfen, sich auch impfen lassen. Wir haben hier im Klinikum eine Impfbereitschaft, die bei den Mitarbeitern bei über 70 Prozent liegt; bei denjenigen, die direkt bei den Covid-Patienten arbeiten und somit die Folgen der Erkrankung hautnah mitbekommen, bei über 90 Prozent. Ich würde mir wünschen, dass wir diese Bereitschaft auch auf die Bevölkerung übertragen bekommen. Dann sehe ich auch eine gute Chance, dass wir zum Herbst aus diesem Schlammassel endlich wieder rauskommen.

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