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Die Corona-Pandemie bringt das Klinikum Ludwigshafen ans Limit. Laut Ärztlichem Direktor des Klinikums ist die Situation mit über 100 Corona-Patienten dramatisch. Er fordert einen zweiten Lockdown.

Gebäude des Städtischen Klinikums Ludwigshafen mit Kunstwerk "Ring des Seyns" . (Foto: SWR, Foto: Panja Schollbach)
Foto: Panja Schollbach

SWR Aktuell: Herr Prof. Layer wir haben Sie vor knapp zwei Wochen interviewt, da waren Sie auf der Intensivstation fast am Anschlag. Mittlerweile wurden fünf Stationen zu Corona-Stationen umfunktioniert. Wie sieht es aktuell im Klinikum Ludwigshafen aus?

Prof. Günter Layer: Es sieht dramatisch aus! Und ich muss gestehen, es macht mich wütend, dass die öffentliche Wahrnehmung der Corona-Pandemie so dramatisch abweicht, von dem, was wir hier in den Kliniken erleben. Ich will Ihnen das kurz schildern:  Wir haben in der ersten Welle im Frühjahr bei den Tests in unserer Infektionsambulanz drei Prozent Positiv-Getestete durchschnittlich gehabt. Also von 100 Getesteten waren drei Personen mit Covid infiziert. Im Sommer ist die Zahl auf ungefähr ein Prozent abgesunken. Ab September stieg sie wieder an und seit ein paar Wochen liegt der Wert der positiven Tests zwischen 10 und 15 Prozent. Und allein das zeigt die Dramatik! Es ist klar: Von den 10 bis 15 Prozent muss ein Teil der Patienten im Krankenhaus behandelt werden, ein Teil wird beatmet werden und ein weiterer Teil der Patienten stirbt.

Interview mit Prof. Günter Layer Klinikum Ludwigshafen: "Auf der Intensivstation sind wir fast am Anschlag"

Es ist Woche zwei des Teil-Lockdowns. Die Intensivstationen füllen sich, sowohl am Klinikum Ludwigshafen, als auch in Kaiserslautern, Koblenz oder Mainz. Immer mehr Corona-Patienten werden beatmet, berichtet Günter Layer, Ärztlicher Direktor des Klinikums Ludwigshafen im SWR-Interview.  mehr...

SWR Aktuell: Wie viele Covid-Patienten behandeln Sie momentan im Klinikum?

Layer: Um es konkret zu machen: Wir haben gerade etwa 100 Covid-Patienten auf der Normalstation und 25 bis 30 Patienten liegen auf der Intensivstation. Das sind schwerstkranke Intensivpatienten, nicht nur beatmet, sondern teils auch mit künstlicher Lunge. Das ist eine dramatische Situation, die weit von der entfernt ist, die wir im Frühjahr gehabt haben. Und das nimmt weder die Politik noch die Öffentlichkeit sichtbar zur Kenntnis!

Günter Layer (links) ist Ärztlicher Direktor des Klinikums Ludwigshafen (Foto: Klinikum Ludwigshafen)
Günter Layer (links) ist Ärztlicher Direktor des Klinikums Ludwigshafen Klinikum Ludwigshafen

SWR Aktuell: Die Restaurants sind zu, die persönlichen Kontakte eingeschränkt. Trotzdem gibt es 20.000 Neuinfektionen pro Tag in Deutschland.  Was bringen die neuen Maßnahmen?

Layer: Die Situation wird durch die Maßnahmen nicht besser werden. Wir haben bislang eine geringfügige Senkung der Inzidenz erreicht, aber das ist weit weg davon, was wir bräuchten, um die Krankenhäuser zu entlasten.  Ungefähr 14 Tage nach ihrer Infektion kommen die Corona-Erkrankten in die Klinik, dort bleiben sie im Schnitt drei Wochen, auf der Intensivstation länger. Also werden die Fälle in den nächsten Wochen stark ansteigen.

SWR Aktuell: Was ist Ihre Forderung an die Politik?

Layer: In der Bevölkerung wird die Ernsthaftigkeit der Situation noch nicht wahrgenommen. Sie haben mich beim letzten Mal gefragt, ob ich denke, dass die Maßnahmen ausreichen. Da habe ich mich noch zurückhaltend geäußert. Heute sage ich klar: Wir müssen strenger sein, wir brauchen wieder einen Lockdown! Nur so können wir die Kliniken entlasten.

SWR Aktuell: Alle am Klinikum Ludwigshafen arbeiten am Limit. Was denken Sie über die Querdenker-Demos, die auch das Corona-Virus und die Maßnahmen in Frage stellen?

Layer: Nicht mehr viel. Ich bin momentan entsetzt über das Verhalten der Politiker, die viel zu weich und populistisch reagieren. Das ist in dieser Lage nicht mehr angezeigt. Ich bin da zu 100 Prozent auf der Linie der Kanzlerin, die Bundesländer kann ich nicht mehr verstehen.

Arzt berät sich mit Mitarbeitern im Klinikum Ludwigshafen (Foto: SWR)
Prof. Layer berät sich mit Mitarbeitern im Klinikum Ludwigshafen

SWR Aktuell: Am Klinikum gibt es ja de facto keinen normalen Klinikalltag mehr. Sie machen nur noch Notfallversorgung und behandeln Covid-Patienten.

Layer: Wir sind am Limit, auch dadurch, dass wir nicht ausreichend Personal haben, um mehr Leute auf den Intensiv- und den Normalstationen zu versorgen.  Auch etliche unsere Mitarbeiter - 120 bislang – sind wegen Corona in Quarantäne. Zudem haben wir zu meinem größten Bedauern trotz des Bemühens um höchste Sicherheitsstandards vermutlich auch im Haus Patienten infiziert, was die Situation noch dramatischer macht. Wir können und dürfen derzeit nur noch Notfälle versorgen. Das geht vielen Kliniken so. Alle Kliniken in der Region sind in Sorge.

Pfleger kümmern sich auf Intensivstation um einen Corona-Patienten (Foto: dpa Bildfunk, Kay Nietfeld)
Kay Nietfeld

SWR Aktuell: Droht jetzt der Kollaps?

Layer: Es funktioniert gerade noch so, aber wir sind an der Leistungsgrenze. Am Klinikum haben wir 55 Intensivbetten am Netz, quasi tageszeitlich wechselnd alle belegt, davon 26 mit Covid-Patienten. Viel mehr Betten können wir nicht aufbauen. Jetzt wollen wir noch vier aufbauen, dann sind wir aber auch personell, was eine sichere medizinische Versorgung angeht, quasi ausgereizt. Und entweder wir haben zahlenmäßig dann den Zenit erreicht, oder wir müssen dann Patienten in andere Kliniken anderer Regionen, z.B. nach Mainz oder Trier verlegen. Ich glaube nicht, dass wir den Zenit bei den aktuellen Zahlen schon erreicht haben. Wir brauchen einen deutlichen Rückgang der Inzidenzzahlen, damit wir das Krankenhausgeschehen wieder in den Griff bekommen.

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