Demo gegen Abschiebung einer armenischen Familie in Ludwigshafen (Foto: SWR)

Nach Abschiebung einer Familie ohne ihren Sohn

Mehr als 100 Menschen bei Demo gegen Abschiebung einer armenischen Familie

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Eine armenische Familie aus Ludwigshafen wurde ohne ihren Sohn abgeschoben. Dagegen haben am Freitagnachmittag Lokalpolitiker, Schüler und Flüchtlingsorganisationen in Ludwigshafen demonstriert. Sie fordern, dass die Familie wieder zurück nach Deutschland kommen kann.

An der Demonstration in Ludwigshafen sollen laut Veranstalter und Polizei etwa 100 Menschen teilgenommen haben. Die Demonstration wurde unter anderem von der SPD-Ortsbeirätin Dolly El-Gahndour sowie von Mitschülern der abgeschobenen Kinder und deren Eltern organisiert. Das Vorgehen der Ludwigshafener Ausländerbehörde sei eine "menschenverachtende Abschiebepraxis" gewesen, so die SPD-Ortsbeirätin Dolly El-Gahndour auf der Demonstration.

"Eine Familie wurde auseinandergerissen, wie kann das sein? Und das auch noch während der Corona-Pandemie. Wer trägt eigentlich die Verantwortung, falls dem Jungen etwas passiert?"

Familie abgeschoben - Sohn vermisst in Ludwigshafen

Bei der Abschiebung der fünfköpfigen Familie nach Armenien Ende März war der älteste Sohn vor den Beamten davongelaufen. Die Eltern und die zwei jüngeren Geschwister des 16-Jährigen wurden dann ohne ihn in ihr Heimatland abgeschoben - 4.000 Kilometer von Ludwigshafen und ihrem Sohn entfernt. Der Sohn ist seitdem vermisst. Die Sorge um ihn, sei groß, so El-Gahndour. Sie hofft, dass der Jugendliche sich meldet. "Wenn du das hörst, dann melde dich."

Landesregierung reagiert auf Abschiebung einer armenischen Familie aus Ludwigshafen

Auch die Landesregierung beschäftigt sich mittlerweile mit dem Abschiebefall. Das rheinland-pfälzische Integrationsministerium will den Fall nun überprüfen. Er soll gemeinsam mit den Behörden aus Ludwigshafen aufgearbeitet werden.

Wie das Ministerium bereits am Donnerstag dem SWR mitgeteilt hatte, müssen bei Abschiebungen von Familien mit Kindern zwingend die Belange des Kindeswohls berücksichtigt werden. Eltern und Kinder dürften nicht dauerhaft voneinander getrennt werden.

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"Wenn eine dauerhafte Trennung zu befürchten ist – das ist absehbar im Laufe der Abschiebemaßnahme -, dann ist eine solche Abschiebemaßnahme abzubrechen! Das Kindeswohl geht in so einem Fall vor!"

Mehr zur Abschiebung der armenischen Familie aus Ludwigshafen gibt es hier

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