Rohre eines Geothermie-Kraftwerks (Foto: SWR)

Kehrtwende

Landauer Stadtrat ändert Haltung zum Geothermiekraftwerk

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Rolle rückwärts in Landau: Eine Mehrheit im Stadtrat will das Geothermiekraftwerk nicht mehr abschalten. Vor allem die Aussicht auf eine bessere Wärmeversorgung reizt die Stadträte. Doch es bleiben auch offene Fragen.

Diese Neupositionierung sei kein Freibrief für die Geothermie, sagte Landaus Oberbürgermeister. Vielmehr gehe es darum, mit den beteiligten Firmen an einem Tisch zu sitzen und im Gespräch zu bleiben über das Erdwärmekraftwerk.

Die Stadt vollzieht damit eine Kehrtwende – denn nach einer Pannenserie hatte der Stadtrat in der Vergangenheit mehrmals die Abschaltung des Kraftwerks gefordert.

Stadtrat berät über Haltung zur Geothermie in Landau (Foto: SWR)
Der Stadtrat Landau bei seiner Sitzung in der Festhalle

Stadtrat: Hoffnung auf Wärme, Skepsis bei Lithium

Nun sieht eine Mehrheit der Landauer Stadtrats-Fraktionen im Kraftwerk eine Möglichkeit, die Stadt mit mehr alternativer Energie in Form von Wärme zu versorgen. Gleichzeitig forderten Ratsmitglieder, dass sich die Pannen der Vergangenheit nicht wiederholen dürften.

Geothermiekraftwerk Landau (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Das Geothermiekraftwerk Landau soll doch nicht abgeschaltet werden Picture Alliance

Kritik gab es an den Plänen zur Gewinnung des Rohstoffes Lithium aus dem heißen Wasser unter der Erde. Dazu gebe es noch zu viele offene Fragen.

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Landau: Lithium-Versuchsanlage soll bis zum Sommer stehen

Der Geschäftsführer der Betreiberfirma Geox, Nikolaos Tzoulakis, sagte dem SWR, die Lithium-Versuchsanlage könnte noch diesen Sommer in Betrieb gehen. Der Betreiber will für den Aufbau der Anlage, die etwa vier Meter hoch werden könnte, ein angrenzendes Grundstück vom kommunalen Energieversorger Energie Südwest anmieten. Die Versuchsanlage soll laut Tzoulakis knapp 25 Kilogramm Lithium pro Tag fördern.

Dritte Bohrung soll Heizwärme für ganz Landau ermöglichen

Nach Angaben von Geox-Geschäftsführer Tzoulakis soll das Geothermiekraftwerk künftig vor allem Heizwärme erzeugen und dabei das bestehende Fernwärmenetz der Stadt Landau nutzen. Bisher werde die Anlage vor allem zur Stromerzeugung genutzt. Nur das angrenzende Wohngebiet werde mit Wärme aus dem heißen Tiefenwasser versorgt.

Mit der im Dezember 2021 beantragten dritten Bohrung bekommt laut Geox-Geschäftsführer Tzoulakis die Anlage eine Leistung von acht bis 15 Megawatt und könne so das ganze Stadtgebiet mit Fernwärme versorgen.

Die geplante Bohrung soll die bestehende Reinjektionsbohrung entlasten, also die Bohrung, durch die das abgekühlte Tiefenwasser wieder zurück in die Erde gedrückt wird. Das ermöglicht laut Kraftwerksbetreiber, dass deutlich mehr heißes Thermalwasser aus der Erde gepumpt werden kann als bisher. Die Anlage könne damit wirtschaftlicher und sicherer laufen.

Das Geothermiekraftwerk in Landau (Foto: SWR)
Dritte Bohrung in Landau: Landesamt muss noch zustimmen

Noch hat das Landesamt für Geologie und Bergbau die dritte Bohrung nicht genehmigt. Geox-Geschäftsführer Tzoulakis gibt an, dass die Arbeiten vielleicht im Frühjahr 2023 durchgeführt werden könnten.

Dabei kämen dann auch Seismologen, also Erdbebenforscher aus Karlsruhe zum Einsatz, die verhindern sollen, dass es nochmals zu Erderschütterungen und Undichtigkeiten kommt wie bei der ersten Reinjektionsbohrung.

Bürgerinitiative: "Geothermie bleibt gefährlich"

Ganz und gar nicht von den Erweiterungsplänen begeistert ist die Landauer Bürgerinitiative Geothermie. Ihr Vorsitzender Werner Müller sagte, es sei unverantwortlich, dass die Stadt ihre Haltung zum Kraftwerk geändert habe.

Seine Sorge: Die Stadtverwaltung habe mehr die Interessen der Geothermie- und Lithium-Lobby im Blick, als die Interessen der Bürgerinnen und Bürger. Müller befürchtet weitere und auch stärkere Erdbeben, sollte das Geothermiekraftwerk erweitert werden. 

Das Geothermiekraftwerk in Landau (Foto: SWR)
Bürgerinitiative kritisiert Erweiterungspläne des Geothermiekraftwerks in Landau

Werner Müller von der Landauer Bürgerinitiative bemängelt unklare Haftungsfragen für den Fall, dass das Kraftwerk Schäden anrichtet. Die Aussicht, die Stadt fast komplett mit Heizwärme aus dem Werk zu versorgen, hält er für "Augenwischerei".

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