Die Corona Intensivstation an der Uniklinik Tübingen (Foto: SWR, Annika Werner)

Krankes Personal und steigende Kosten

Krankenhäuser in der Pfalz personell und finanziell am Limit

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AUTOR/IN
Birgit Baltes

Die Krankenhäuser in der Pfalz blicken wegen Corona mit Sorge auf Herbst und Winter. Mehrere Kliniken leiden schon jetzt darunter, dass viel Personal wegen Krankheit ausfällt und können kaum noch kostendeckend arbeiten.

Es herrscht ein großer Personalmangel in den Asklepios-Südpfalzkliniken in Kandel und Germersheim, sagt Jörg Stypmann, Äztlicher Direktor in Kandel (Kreis Germersheim) dem SWR. Der Grund: Viele Beschäftigte fehlen, weil sie krank sind - die meisten davon aktuell aber nicht wegen Corona.

"Die Mitarbeiter sind nach zwei Corona-Jahren einfach total erschöpft."

Aktuell könnten auf den beiden Intensivstationen statt der 17 Betten nur noch neun belegt werden, weil so viele Intensivpflegekräfte ausfallen. Und auch bei Leihfirmen seien diese Fachkräfte auf Monate ausgebucht, so Stypmann. Die Krankenhäuser in der Pfalz seien gut vernetzt und tauschten sich regelmäßig aus. Der krankheitsbedingte Personalschwund liege in den Pfälzer Kliniken aktuell im Durchschnitt bei 20 Prozent, schätzt der Klinikdirektor.

Diakonissen Speyer: Personalsituation angespannt - auch wegen Corona

Auch die evangelischen Diakonissen Speyer beklagen, dass die Personalsituation in den beiden Krankenhäusern in Speyer und Bad Dürkheim seit Monaten angespannt ist: Immer wieder würden Mitarbeitende krankheitsbedingt ausfallen, auch wegen Covid-Infektionen oder weil sie in häuslicher Quarantäne sind oder Kinder betreuen müssen. "Die andauernde Belastung ist sehr herausfordernd", teilte eine Sprecherin mit. "Spürbar höhere Infektionszahlen bei Patienten und Mitarbeitenden würden die Lage verschärfen."

Das Diakonissen-Stiftungskrankenhaus Speyer verzeichnete außerdem bereits vergangene Woche einen Anstieg bei den Corona-Patienten: Am 27. September meldete die Klinik 20 Covid-Patienten auf der Normalstation und zwei Intensivpatienten. In der Woche zuvor waren es noch insgesamt neun Patienten.

Klinikum Landau Südliche Weinstraße (Foto: SWR)
Das Klinikum Landau-Südliche Weinstraße am Standort Landau. Weitere Standorte sind Annweiler und Bad Bergzabern.

Klinikum Landau-Südliche Weinstraße: Finanzielle Lage prekär


Mit zehn Patienten auf der Covid-Station und 15 infizierten Mitarbeitenden war die Corona-Lage vergangene Woche am Klinikum Landau-Südliche Weinstraße noch recht entspannt. Geschäftsführer Guido Gehendges sagte dem SWR, mit Blick auf das Infektionsgeschehen gehe man nun im Herbst von steigenden Zahlen bei Patienten und Personal aus. Bereits im Sommer sei der Krankenhausbetrieb weit entfernt vom Normalbetrieb vor der Pandemie gewesen.

Das hänge damit zusammen, dass die Kliniken wegen der Corona-Pandemie weniger Patienten aufnehmen können. Da die Häuser aber über Fallpauschalen, also pro Patient, abrechnen müssten und diese Pauschalen nicht erhöht würden, bedeute das zwangsläufig weniger Einnahmen - und das bei steigenden Kosten durch Inflation und Energiekrise. Das passe einfach nicht zusammen.

"Wir benötigen ausreichend Einnahmen, um unsere Kosten zu decken."

Gehendges fordert von der Politik einen Inflationsausgleich für das gesamte Jahr 2022. Das ist auch aktuell eine der zentralen Forderungen einer Kampagne der Krankenhausgesellschaften, genannt "Alarmstufe Rot."

Neben Personalausfall ist Kosten- und Effizienzdruck größtes Problem

Dass der Kostendruck enorm gestiegen ist, berichtet auch das städtische Klinikum in Ludwigshafen. Wegen der Pandemie stünden im Klinikum 150 Betten weniger zur Verfügung als vor Corona. Professor Stypmann von den privat betriebenen Asklepios-Südpfalzkliniken sagt, durch Corona sei der Druck für die Kliniken, Patienten nur noch ambulant zu behandeln, nochmals gestiegen. Mit der Folge, dass die Fachärzte in den Kliniken nun vermehrt raus müssten, um die Patienten kosteneffizienter etwa in den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) der Region zu behandeln oder zu operieren.

Luwigshafen

Steigende Corona-Zahlen Klinikum Ludwigshafen: Professor Layer blickt besorgt auf Winter

Die neue Corona-Welle ist da, auch in der Pfalz. Wie sich die steigenden Infektionszahlen aktuell im Klinikum Ludwigshafen auswirken und womit wir noch rechnen müssen, beantwortet Klinikumsdirektor Günter Layer.

Am Vormittag SWR4 Rheinland-Pfalz

Personalausfall und Kostendruck: Was spürt der Patient?

Bisher musste keine der befragten Kliniken wegen der angespannten Personalsituation einen Aufnahmestopp für Patienten verhängen. "Wir sind in der Lage, die Versorgung vollständig aufrechtzuerhalten", sagte etwa der Ärztliche Direktor des Klinikums Ludwigshafen, Günter Layer, auf Anfrage. Es gebe zwar punktuell Probleme, wie etwa gerade in der Urologie, weil dort mehrere Mitarbeiter wegen Corona ausfallen. Aber das könne innerhalb des Klinikums aufgefangen werden. Kleinere Häuser hätten dagegen mehr Probleme, weil sie weniger Personalreserven und Stationen zum Verlegen der Patienten hätten.

Gebäude des Städtischen Klinikums Ludwigshafen mit Kunstwerk "Ring des Seyns" . (Foto: SWR, Foto: Panja Schollbach)
Das Klinikum Ludwigshafen Foto: Panja Schollbach

Kandel: Zeitweiser Aufnahmestopp auf Intensivstationen

Der Ärztliche Direktor aus Kandel berichtet aber, dass die Asklepios-Südpfalzkliniken aufgrund des Personalmangels ihre Strategie ändern mussten: Die Klinik habe früher Patienten mit einem positiven Test sofort isoliert. Die betroffenen Patienten würden nun, wenn möglich, nach Hause geschickt oder zusammen auf einer Station isoliert, so Stypmann.

“Früher haben wir versucht, Verdachtspatienten zu isolieren. Heute müssen wir sie nach Hause schicken.“

Der Personalmangel bedeute auch, dass die Klinik an den Tagen, an denen es personell sehr eng ist, ihre Intensivkapazitäten bei der Rettungsleitstelle für Stunden oder auch den ganzen Tag abmelden müsse. Mit anderen Worten: Die Klinik kann dann keine Intensivpatienten aufnehmen. Davon bleibe der Auftrag zur Grund- und Regelversorgung aber unberührt, so Stypmann.

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