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Seit 2008 hat Christian Schad die Evangelische Kirche der Pfalz geleitet. Jetzt hört er auf. Sein letztes Amtsjahr hat ihn besonders stark gefordert - wegen der Corona-Pandemie.

2020 war wirklich eine Herausforderung. Wegen der Corona-Pandemie hat Christian Schad so viele Entscheidungen treffen müssen wie nie. "Wir haben geplant, umgeplant, neu geplant und jedes Mal musste entschieden werden", erzählt der 63-Jährige. Los ging es im vergangenen März, als binnen einer Woche die erste digitale Andacht aus der Speyerer Dreifaltigkeitskirche organisiert werden musste.

Der scheidende evangelische Kirchenpräsident der Pfalz, Christian Schad (Foto: ev. Kirche der Pfalz)
Der scheidende evangelische Kirchenpräsident der Pfalz, Christian Schad ev. Kirche der Pfalz

Digitale Gottesdienste sind nur schwacher Ersatz

Zunächst war das digitale Arbeiten eine Belastung, jetzt ist es zur Herausforderung geworden. Christian Schad ist ein richtiger Internetexperte geworden. "Ich habe persönlich einen digitalen Schub erlebt", sagt der Kirchenpräsident. Er leitete digital eine Synode und feierte Online-Gottesdienste. Sein Abschieds-Gottesdienst am 14. Februar wurde live gestreamt mit Grußworten, die per Youtube zugespielt wurden. Aber das alles ist nur ein schwacher Ersatz, bedauert der Kirchenpräsident. "Die Form, mit Menschen zu feiern, die vor Ort anwesend sind, ist nicht ersetzbar."

"Ich habe persönlich einen digitalen Schub erlebt."

Kirchenpräsident Christian Schad

Erstmals Frau an der Kirchenspitze

Nachfolgerin von Christian Schad wird Dorothee Wüst. Erstmals in der über 200-jährigen Geschichte steht eine Frau an der Spitze der Evangelischen Kirche der Pfalz. Eine sehr positive Entwicklung, findet Schad. Im Landeskirchenrat sitzen jetzt vier Frauen und zwei Männer. Und mehr als 60 Prozent der Theologie-Studierenden in der Pfalz sind Frauen. "Wir reden immer von der Gleichstellung", so Schad, "aber sie muss sich dann auch in der Tat zeigen." In der Pfalz geschieht das nun.

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"Wir reden immer von der Gleichstellung, aber sie muss sich dann auch in der Tat zeigen."

Christian Schad

Freundschaft mit Bischof Wiesemann

Besonders wichtig in den vergangenen Jahren war für Christian Schad die Ökumene, also die Bemühungen um die Einheit der getrennten Christen. "Mit Speyers katholischem Bischof Wiesemann ist eine ökumenische Freundschaft erwachsen. Dafür bin ich dankbar", sagt er. Andererseits: "Man braucht einen langen Atem, um Menschen überzeugen."

Ehrenamt in Bensheim

Christian Schad hat sich deshalb vor einigen Tagen zum Präsidenten des Evangelischen Bundes wählen lassen. Der Bund ist Träger des konfessionskundlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er hat seinen Sitz in Bensheim (Kreis Bergstraße). "Ich bin froh", sagt Schad, "dass ich in diesem Ehrenamt in leitender Funktion mein ökumenisches Engagement fortsetzen kann.“

Erste Lücken im Terminkalender

Trotz offizieller Verabschiedung sitzt der scheidende Kirchenpräsident weiter in seinem Büro und arbeitet wie gewohnt. "Mein Terminkalender ist bis zum letzten Tag gefüllt", berichtet er. Erst ab 1. März gibt es erste Lücken. Wie füllt er sie? Er wandere gern, fahre auch viel Fahrrad. Und dann freue er sich auf die Zeit, in der er endlich wieder etwas mobiler sein könne. Freue sich darauf, dass der Corona-Lockdown irgendwann mal zu einem Ende kommt. "Diese Sehnsucht haben wir alle auf der ganzen Welt."

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