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Die ehemalige Heilig-Kreuz-Kirche in Ludwigshafen wird abgerissen. Ein Künstler, der 2011 dieses Gebäude gekauft hat, hatte versprochen, dort ein Kunst- und Kulturzentrum einzurichten.

An dem Kirchengebäude sind Schilder der Baufirma Ostermayer aus Altrip. Statt der Kirche soll in der Burgundenstraße in Ludwigshafen bis Ende 2022 ein Wohnkomplex entstehen mit mehr als 30 Wohnungen. Die Heilig-Kreuz-Kirche, die 2006 entweiht wurde, wird also bald ganz Geschichte sein.

Baufirma will hier eine Wohnbebauung errichten (Foto: SWR)

Ausstellungen in Kirche versprochen

Der Künstler Eduard Palatin, der damals in Mannheim ein Atelier betrieb, hatte die Heilig-Kreuz-Kirche von der katholischen Kirche für einen symbolischen Preis gekauft. Im Gegenzug hatte er angekündigt, dass das Gebäude erhalten bleibt und er darin Ateliers einrichtet, auch für andere Künstler. Auch sollten regelmäßig Ausstellungen in dem Gebäude abgehalten werden.

Ein Anwohner sagte dem SWR, er habe auch einen Raum in dem Gebäude für eine kurze Zeit gemietet. Allerdings habe ihm der neue Besitzer nicht mal das Wasser angestellt. Sanierungen oder Umbauten seien nicht vorgenommen worden. Er habe jetzt die Prospekte von der Baufirma studiert. Ihn wundere, wie diese auf einem so kleinen Grundstück, so viel Wohnraum schaffen will.

Verkauf offenbar schon seit 2014 geplant

Nichts davon geschah. Einzig die offen hängenden Glocken wurden unmittelbar nach dem Kauf abgehängt. Danach verfiel das Gebäude immer mehr. Die schweren Türen sind verrostet, Scheiben wurden mit Holztafeln verschlossen. 2014 erschien eine Immobilien-Anzeige, aus der hervorging, dass der Künstler das entweihte Gebäude verkaufen will – für 700.000 Euro.

Damals noch stritt Palatin ab, die ehemalige Kirche wirklich verkaufen zu wollen. Er habe lediglich Mietinteressenten gesucht.

Bistum äußert sich verhalten

Das Bistum Speyer war damals froh, das verfallene Gebäude los zu sein. Es stand kein Geld für eine Sanierung zur Verfügung. Nach intensiver Nachfrage beim Bistum, ob Eduard Palatin mit dem Gebäude das Geschäft seines Lebens gemacht hat, lautet die Antwort: Man verneine das nicht, sage ansonsten dazu aber nichts.

Künstler untergetaucht

Ob die Baufirma das Gebäude von Eduard Palation erworben hat, will sie nicht sagen. Der Künstler selbst ist nicht mehr zu erreichen. Seine Internetseite existiert nicht mehr. An seiner Telefonnummer, die er noch 2011 bereitwillig herausgegeben hatte, geht nur die Mailbox dran – Rückruf Fehlanzeige.

Der Verein Kultur Rhein-Neckar, für den Palatin noch vor einigen Jahren Werke ausgestellt hatte, hat nach Angaben der Vorsitzenden, Eleonore Hefner, seit 5 Jahren nichts mehr von ihm gehört. Er sei spurlos verschwunden, keiner wisse, wo er ist. Dass die Kirche ihm dieses Gebäude einfach so überlassen hat, empfindet Hefner als unverantwortlich.

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