Eine Kirchenholztür mit dem schild "Die Kirche ist offen" (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christophe Gateau)

Kirchenaustritt rückwärts

Frau im Bistum Speyer tritt wieder in die Kirche ein

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Deborah Kölz
Porträt Reporterin Deborah Kölz (Foto: SWR)

Die Zahl der Kirchenaustritte im Bistum Speyer sind weiterhin hoch. Aber es gibt auch Menschen, die zurück in die Kirche wollen und wieder eintreten. Cornelia Willersinn aus Mutterstadt hat das gemacht.

Ausgetreten ist die Katholikin Cornelia Willersinn vor mehr als 20 Jahren aus einem praktischen Grund. Sie hatte eine Abfindung erhalten und wollte darauf nicht auch noch Kirchensteuern zahlen müssen. "Ich bin trotzdem der Kirche verbunden geblieben und mit meiner Tochter, die christlich erzogen ist, auch oft in den Gottesdienst gegangen", erzählt die 62-Jährige aus Mutterstadt (Rhein-Pfalz-Kreis). Aber ganz dazugehörig habe sie sich nicht nicht mehr gefühlt, wenn sie beispielsweise bei der Kommunion allein in der Bank zurückblieb.

Zwei Frauen stehen im Garten, eine zeigt ihr Segensarmband. (Foto: SWR, Deborah Kölz)
Cornelia Willersinn war lange aus der Kirche ausgetreten, wollte aber wieder ganz dazugehören. Deborah Kölz

Seelsorge-Pfarrer macht Mut zum Wiedereintritt

Die Tochter von Cornelia Willersinn ist aber weiter als Mitarbeiterin in der kirchlichen Jugendarbeit und der Kirchengemeinde aktiv. Dadurch erkennt Cornelia Willersinn weiterhin viel Gutes in der Kirche. So wächst der Wunsch, wieder ganz der Gemeinschaft anzugehören. Den fehlenden Mut dazu schenkt ihr schlussendlich ihr Gemeindepfarrer. Er kümmert sich seelsorgerisch in einem schweren Lebensabschnitt um Willersinn und ihren Mann, obwohl sie beide aus der Kirche ausgetreten waren.

Mit diesem Pfarrer zusammen habe sie dann auch den Antrag für den Wiedereintritt aufgesetzt. "In den Gesprächen ging es nicht nur um die Bibel, sondern auch um ganz viele andere Probleme und Dinge aus dem Alltag", erinnert sich Willersinn. Vor ihrem Wiedereintritts-Gottesdienst sei sie dann sehr aufgeregt gewesen. Aber noch viel mehr erinnert sie sich begeistert an das Willkommensfest am Dom in Speyer.

Zwei Frauen stehen im Garten, eine zeigt ihr Segensarmband. (Foto: SWR, Deborah Kölz)
Seit dem Willkommensfest trägt Cornelia Willersinn das Armband "Gott segne dich mit Lust am Glauben". Wenn sie darauf angesprochen wird, erzählt sie ihre Geschichte. Deborah Kölz

Speyer: Willkommensfest für "Ja-Sager zur Kirche"

Ins Leben gerufen wurde das Willkommensfest von Tanja Rieger, Referentin für Katechese (umgangssprachlich auch Glaubenskommunikation) im Bistum Speyer. Sie wollte gern in Kontakt kommen mit den "Ja-Sagern zur Kirche", wie sie die Gruppe nennt. Und auch ein Signal setzen, dass die Kirche jedem offen steht. Außerdem sollten sich diese Menschen auch gegenseitig kennenlernen können und merken, dass sie den Schritt nicht allein getan haben. "Denn Glaube ist Beziehung und Beziehung geht über Menschen", sagt Rieger.

Gründe wieder einzutreten

Um Beziehungen zu Menschen aufzubauen, die sich für den Wiedereintritt interessieren, beantwortet Rieger Eintritts-Fragen an das Bistum Speyer und auch beim bundesweiten Kontakttelefon. Dort können Interessierte anonym anrufen und ihre Fragen stellen.

Da gehe es um praktische Fragen wie: Muss ich verpasste Kirchensteuern nachzahlen, wenn ich wieder eintrete? Was muss ich ausfüllen? Zu welcher Pfarrei gehöre ich?

Aber viele möchten auch über ihre Gründe sprechen, wieso sie wieder eintreten wollen. Diese seien sehr vielfältig, so Rieger. Einige würden es für den Arbeitgeber tun oder weil sie Taufpaten werden möchten. "Und dann gibt es die, denen Menschen begegnet sind, die authentisch waren und ein gutes Bild von Kirche abgegeben oder einladend, offen, ehrlich waren und die dann sagen: 'da möchte ich eigentlich gern wieder dazukommen'."

Zwei Frauen stehen im Garten, eine zeigt ihr Segensarmband. (Foto: SWR, Deborah Kölz)
Tanja Rieger ist für Glaubenskommunikation im Bistum Speyer zuständig und sagt, es lohnt sich auf jeden zu achten, so wie Jesus es tat. Deborah Kölz

Ohne Beziehungen geht es nicht

Beziehung und Kontakt zu den Menschen, die wieder eintreten und zu den Menschen in den Gemeinden ist für Tanja Rieger der allerwichtigste Grundschritt auf diesem Weg. "Ich kann zig Flyer drucken und eine tolle Homepage haben, aber wenn da keine Person dahinter steht, die Zeit hat und mich ernst nimmt mit meinen Zweifeln, wenn ich wieder eintreten möchte, dann wird es meiner Meinung nach schwierig", sagt sie.

"Eine Willkommenskultur geht nur im Miteinander."

Dies sei keine Aufgabe für eine einzelne Person wie sie als Bistumsangestellte oder Kirchenvertreter wie den Bischof, sondern sei immer eine Aufgabe für alle Mitglieder der Kirche. Diese Beziehungen zu den Wiedereingetretenen würden dann auch helfen, damit es ein tragender Schritt bleiben könne.

Wo kann ich Infos zum Wiedereintritt beim Bistum Speyer bekommen?

Im Bistum Speyer gibt es verschiedene Kontaktstellen, an die man sich dafür wenden kann. Sie werden von Tanja Rieger betreut. Es ist auch möglich, direkt den Kontakt zum nächsten Pfarrbüro, das nahe am eigenen Wohnort liegt, anzufragen. Das nächste Willkommensfest am Dom in Speyer soll am 24. Juli stattfinden.

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