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Beim Impfgipfel von Bund und Ländern gings am Donnerstag auch um die Coronaimpfung für Kinder und Jugendliche. Der Verband der Kinderärzte spprach sich dafür aus, den Landeselternbeirat erreichten viele Sorgen.

Vor dem Impfgipfel gab es Streit zwischen Politik und Virologen über die Frage, ob man Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gegen Corona impfen soll. Die Ständige Impfkommission (Stiko) will die Impfung offenbar nicht empfehlen, Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) drängte darauf.

Kinderarzt Maurer: "Wir wissen wenig über Langzeitschäden"

Der Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder-und Jugendärzte in Rheinland-Pfalz, Lothar Maurer, hat eine klare Haltung: "Wir wissen wenig über die Langzeitschäden von Corona", sagte der Kinderarzt aus Frankenthal dem SWR. Eine Impfung sei das geringere Risiko - auch ohne Stiko-Empfehlung.

Stiko-Empfehlung für Kinder-Impfung fehlt noch

Die Ansprüche der Stiko seien so hoch, dass es Jahre dauere, bis man genug Daten für eine Empfehlung beisammen habe. Die Stiko-Empfehlung ist für den Frankenthaler Arzt aber nicht das einzige Problem, wenn es um die Impfung von Kindern und Jugendlichen geht. Bis Ende August wolle er allen Jugendlichen ein Angebot machen, hatte Bundesgesundheitsminister Spahn in einem Interview gesagt. Maurer kann sich das im Augenblick nur schwer vorstellen: "Wenn es mit Impfstofflieferungen so weitergeht wie bisher, dann sind wir erst im Dezember damit durch."

Stiko-Mitglied Zepp: "Anspruch auf sichere Impfung"

Stiko-Mitglied Fred Zepp verteidigte die zögernde Haltung der Kommission in dieser Frage. Wie Kinder- und Jugendärzte befürworte auch die Stiko die Entwicklung von Impfstoffen für Kinder außerordentlich. "Aber sie haben auch einen Anspruch auf sichere Impfstoffe", sagte der ehemalige Leiter des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz dem SWR.

Man habe bisher nur die Erfahrungen von etwas mehr als 1.000 Teilnehmern einer klinischen Studie, was nicht ausreiche. Zudem sei in Deutschland die Krankheitslast bei Kindern und Jugendlichen nicht besonders hoch. "In Deutschland ist es so, dass Kinder und Jugendliche durch Sars-CoV-2-Infektionen klinisch, also krankheitsmäßig, sehr wenig beeinträchtigt sind." Er äußerte auch Verständnis für die Verunsicherung bei Eltern und Jugendlichen, weil sich derzeit eine Vielzahl von Stimmen in der Öffentlichkeit meldeten. Das sei nicht gut abgestimmt.

Landeselternbeirat: Größte Angst Impfpflicht

Der Landeselternbeirat Rheinland-Pfalz steht einer möglichen Impfung ab 12 Jahren kritisch gegenüber. Bei einer nicht repräsentativen Umfrage des Beirats mit über 9.000 Rückmeldungen seien 52 Prozent der Teilnehmer dagegen gewesen. In Gesprächen mit Eltern höre er von vielen Sorgen dazu, sagte Landeselternsprecher Reiner Schladweiler dem SWR. Teilweise habe es zum Thema über hundert Mails am Tag gegeben. Die größte Angst der Eltern sei dabei eine Art Impfpflicht durch die Hintertür, indem nur Geimpfte die Schule betreten dürften. Er forderte Alternativen und nannte als Beispiel mehr mobile Raumluftgeräte für die Schulen.

GEW Rheinland-Pfalz: "Sorgfältige Prüfung"

Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz (GEW) steht bei der Entscheidung Sorgfalt an erster Stelle. "Eine sorgfältige Prüfung für diese Altersgruppe setzen wir grundsätzlich voraus", sagte die Stellvertretende Vorsitzende Kathrin Gröning dem SWR. Durch eine mögliche Impfung könnten die Kinder und Jugendlichen mehr Freiheiten zurückgewinnen und sie könne helfen, Kinder und Jugendliche zurück zum gemeinsamen Lernen im Präsenzunterricht zu bringen. "Nichtsdestotrotz bleibt es auch weiterhin wichtig, entsprechende Hygienekonzepte für die Einrichtung zu haben, die höchstmögliche Sicherheit bietet für alle Lehrenden und Lernenden."

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