Begehrte Mandelblüte  (Foto: SWR)

Aus für Frühlings-Weinfest?

Mandelblütenfest Gimmeldingen: Winzer sind in Sorge

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Das beliebte Mandelblütenfest in Gimmeldingen werde es in dieser Form künftig nicht mehr geben, sagte CDU-Ortsvorsteherin Claudia Albrecht am Mittwoch dem SWR. Es sei zur Massenveranstaltung geworden. Winzer sehen das zwiespältig.

Schon vor Corona sei das Frühlingsfest rund um die Mandelblüten im Neustadter Ortsteil Gimmeldingen viel zu überdimensioniert gewesen, so die Lokalpolitikerin. "Also wenn ich hätte nicht hingehen müssen, ich wäre zuhause geblieben. Ich stehe doch nicht 45 Minuten für eine Weinschorle an. In der Zwischenzeit habe ich es mir auf dem Balkon gemütlich gemacht und eine Bratwurst dazu gegessen."

Besucher beim Mandelblütenfest in Gimmeldingen in der Pfalz (Foto: SWR)
2019 waren 29.000 Besucher zu dem zweitägigen Mandelblütenfest geströmt.

Wenn man zuletzt vor Corona durch das Fest gelaufen sei, habe man nur lange Gesichter gesehen. Die Leute hatten aufgrund des Andrangs nur schlechte Laune. "Unser Dorf wurde durch das Gimmeldinger Mandelblütenfest regelrecht platt gemacht", meint Albrecht. "Das war ja nur noch eine Massenveranstaltung!"

Kritik am Social-Media-Hype um die Mandelblüten

Die Schuld sieht sie auch bei den Sozialen Medien. "Da stellt sich einer unter den Baum, macht ein Foto und postet es. Und schon rennen mindestens 300 auch hin und machen das Gleiche", erklärt sie gegenüber SWR Aktuell.

Foto unter Mandelblüten in Gimmeldingen (Foto: SWR)
Die Mandelblüten sind ein beliebtes Fotomotiv und alljährlich ein Frühlingstrend auf Social Media.

"Alle reden vom Klimaschutz, demonstrieren bei Fridays for Future, aber hier ist dann alles egal." Die Ortsvorsteherin ist enttäuscht. Sie wolle sich dafür einsetzen, dass die Mandelbäume und die Weinbaubetriebe wieder in den Mittelpunkt gestellt werden, alles andere sei "Firlefanz", den es so nicht mehr geben wird. "Das ist eine Frage von Angebot und Nachfrage. Wenn es nichts Großes gibt, dann bleiben die Massen auch weg", hofft Claudia Albrecht.

Zu viele Touristen, parkende Autos und Lärm in Gimmeldingen

Zuletzt sei das Mandelblütenfest nicht mehr stemmbar gewesen. "So viel Sicherheitspersonal können Sie gar nicht einsetzen, wie für so eine Veranstaltung nötig wäre", berichtet Claudia Albrecht rückblickend.

Die Leute hätten kreuz und quer geparkt. Jeder landwirtschaftliche Weg sei zugeparkt gewesen, die Landwirte hätten gar keine Chance mehr gehabt, auf ihre Äcker zu kommen. Deshalb waren die parkenden Besucher schon 2021 gewarnt worden.

Trotz Corona-Krise: So sah der Besucheransturm in Gimmeldingen im Frühjahr 2020 aus (Foto: SWR)
Trotz Corona-Krise: So sah der Besucheransturm in Gimmeldingen im Frühjahr 2020 aus

"Wir wollen gute Gastgeber sein, aber im Einklang mit dem Ruhebedürfnis der Bewohner Gimmeldingens und im Einklang mit der Natur. Wenn wir schon immer auf Klimakatastrophen hinweisen, dann müssen wir auch mehr Achtsamkeit im touristischen Bereich einfordern!", so Albrecht.

Mandelblüte soll wieder ruhiger werden - Falschparker streng bestraft

Während des ersten Lockdowns 2020 ging es in Gimmeldingen trotz abgesagtem Mandelblütenfest hoch her. Auch 2021 hatte das Dorf sich streng gegen zu viele Touristen gewehrt: Gimmeldingen wurde abgeriegelt und verhängte ein sogenanntes Betretungsverbot für Tagestouristen, um die Besuchermassen abzuhalten.

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"Wir wollen uns wieder auf unsere Wurzeln besinnen. Das war mal ein kleines Dorffest, bei dem der Gesangsverein, der Trachtenverein und die Winzer den Dorfbewohnern etwas geboten haben und so soll es auch wieder werden", erklärt die Ortsvorsteherin. Ein Fest in diesem Sinne werde es nicht mehr geben, sondern eine schöne Mandelblütenzeit, in der man die Bäume bewundern und die Gastronomie des Ortes genießen könne. Ein entsprechendes Konzept sei noch nicht genehmigt. Und wenn trotzdem Besuchermassen kämen, würden Falschparker konsequent abgeschleppt und der Verkehr umgeleitet.

Was soll es in Zukunft für die Gimmeldinger geben?

Man werde für die Dorfbewohner ganz in der alten Tradition auch eine Mandelblütenkönigin krönen, wie schon seit 1950. Aber ein Fest wie bisher, das werde es nicht mehr geben. Seit den ersten Mandelblütenfesten hat sich sowieso viel verändert, stellte Matthias Frey schon während des Lockdowns im Frühjahr fest:

"Wir müssen jetzt erst einmal mit allen Beteiligten sprechen, Ordnungsamt, Katastrophenschutz, Stadtspitze und Tourismusverein", verweist die Ortsvorsteherin auf die nun beginnende Planung. Die Winzerbetriebe und die Mandelbäume sollen wieder in den Fokus gestellt werden, alles andere falle in Zukunft weg. "Das Ganze funktioniert nur, wenn die Bevölkerung diszipliniert mitmacht, sonst kann man es ganz vergessen", so Claudia Albrecht.

Statement der Stadt Neustadt

Die Stadt Neustadt bestätigt eine neue Variante des Gimmeldinger Mandelblütenfestes im Jahr 2022. Bei den Planungen des Festes stünde vor allem die Sicherheit der Besucher im Mittelpunkt, erklärte ein Stadtsprecher gegenüber dem SWR. Dabei würde die aktuelle Pandemieentwicklung als auch die Lenkung der Besucherströme berücksichtigt. Beim neuen Festkonzept arbeite die Stadt mit dem Ortsteil, der Ordnungsbehörde und dem Stadtmarketing zusammen. Gehört würden bei der Planung zudem Beschicker und die Winzer.

Mandelblütenfest in Neustadt (Foto: SWR)
Die Gimmeldinger wollen zurück dazu ihre Weinreben und Mandelblüten zu genießen.

Winzer reagieren verärgert

Die Winzer im Neustadter Ortsteil Gimmeldingen haben nur bedingt Verständnis für eine neue, verkleinerte Form eines Mandelblütenfestes, wie sie Ortsvorsteherin Claudia Albrecht fordert. Dies hat eine SWR-Umfrage unter den dort ansässigen Winzern ergeben.

Alle befragten Winzer sagten, sie hätten Angst, dass das beliebte Weinfest auf Dauer nur noch in einer Miniversion über die Bühne gehen würde. Die Betriebe seien auf den Tourismus angewiesen, um die ortsansässigen Weine gut zu verkaufen. Das Mandelblütenfest sei die beste Vermarktungsmöglichkeit. 

Winzer teilen teilweise die Kritik

Allerdings stimmen die befragten Winzer mit Ortsvorsteherin Claudia Albrecht überein, dass das Fest zu einer Massenveranstaltung geworden ist. Am Ende hätten sogar Schausteller vom Münchner Viktualienmarkt angefragt, ob sie ihre Buden in Gimmeldingen aufstellen dürften. Das Fest müsse sich auf örtliche Beschicker und Winzer begrenzen, fordern sie.

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