Stein- und Schottergärten (Foto: Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz)

Kampf der Steinwüste

Immer mehr Kommunen in der Pfalz verbieten Schottergärten

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Viele Steine, wenige oder keine Pflanzen - solche Schottergärten sollen in vielen Städten in der Pfalz bald verboten sein - zumindest in Neubaugebieten.

Die Städte Frankenthal, Landau, Ludwigshafen, Neustadt und Speyer sind sich einig: in zukünftigen Neubaugebieten soll es in den Vorgärten keine Schotterwüsten mehr geben - auch wenn im Einzelfall unterschiedliche Regeln gelten.

Stein- und Schottergärten (Foto: Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz)
So sehen einige Schottergärten in der Pfalz aus - gesammelt von der Gartenakademie Rheinland-Pfalz. Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz Bild in Detailansicht öffnen
Experten sprechen auch von Schotterwüsten. Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz Bild in Detailansicht öffnen
Und das Unkraut findet auch hier seinen Weg ... Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz Bild in Detailansicht öffnen
... wenn man seinen Vorgarten nicht akurat pflegt. Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz Bild in Detailansicht öffnen

Grüne Pflanzen statt Schotterwüste

Ein Experte und eine Expertin erklären, warum sie das Schottergärten-Verbot begrüßen. Werner Ollig sagt, von Garten kann hier nicht mehr gesprochen werden, er spricht dann gerne auch von "Schotterwüsten". Ollig ist der Chef der Gartenakademie beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Neustadt. Seine Forderung: "Entsteint Euch!"

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Der Experte führt viele Einzelgespräche, um Gartenbesitzer für seine Ideen zu überzeugen. Erst vor kurzem hatte er ein Gespräch mit einer Frau, die sich über zu viel Unkraut und zu viel Arbeit im Garten Sorgen machte.

So wird ein Garten pflegleicht

  • Ruhig mal den Baum auf dem eigenen Grundstück in Ruhe lassen, auch wenn Blattläuse ihm zu schaffen machen. Es sei bisher ein feuchtes Frühjahr, das die Läuse begünstigt. Aber: "Blattläuse bringen den Baum nicht um", so Werner Ollig.
  • Stauden gegen Unkraut anpflanzen. Stauden wachsen dicht, lassen am Boden keinen Platz für Unkraut und blühen farbenprächtig.
  • Kräuterrasen anlegen statt Golfrasen: Der Experte sagt: "Die Welt ist anders als in den Rollrasen-Prospekten". Wegen des Klimawandels sei der sattgrüne Rasen ein Auslaufmodell. Werner Ollig schlägt vor, lieber einen Kräuterrasen anzulegen.

Warum nicht einen Walnussbaum pflanzen?

Statt Rasen sollten die Gartenbesitzer überlegen, eine robuste Walnusspflanze zu säen. Auch ein Weißer Mandelbaum mit seinen süßen Früchten sei zu empfehlen. "Es gibt schon ein Umdenken" lautet sein Fazit und weist darauf hin, dass "Gärtnern" im Gegensatz zu "Gartenarbeit" ja auch Spaß machen kann.

Werner Ollig begrüßt daher die Diskussion in den Kommunen zum Verbot der Steingärten. Die werden nämlich im Hochsommer bis zu 60 Grad heiß, während bepflanzte Gärten sich maximal bis zu 35 Grad aufheizen. Hier sorgen die Blumen für Verdunstung, was wiederum eine angenehme Kühlung bringt.

Problematisch sind die vielen Steine im Garten aber nicht nur wegen der Hitze, sondern auch, dass die Überschwemmungsgefahr bei Starkregen größer wird, weil das Wasser nicht im Boden versickern kann, sondern Richtung Kanaldeckel abfließt. Kommen noch Plastikversiegelungen unter den Schottersteinen in den Gärten hinzu, ist auch die Insektenwelt so gut wie tot.

Auch Schottergärten sind nicht pflegeleicht

Auch für Claudia Breuer, die Klimaschutzmanagerin in der Verbandsgemeinde Deidesheim, sind Schottergärten alles andere als gut für die Umwelt. Sie gibt zu bedenken, dass diese Gärten auch nicht pflegeleicht sind. Blätter im Herbst und Flugsamen sorgen nämlich dafür, dass helle Steine unansehnlich werden und zwischen den Schotter- und Kieselsteinen sich dann doch wieder Unkraut ansiedelt.

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In der Bauleitplanung der Verbandsgemeinde Deidesheim ist es durchaus Thema, Schottergärten zu verhindern, sagt Claudia Breuer, die übrigens privat mit ihrem Garten im südpfälzischen Edenkoben den zweiten Platz bei einem Wettbewerb belegt hat, bei dem es um Gärten mit Artenvielfalt ging. Auch die Kommunen müssten mit gutem Beispiel voran gehen. Das sei beim Garten im Schlosspark im Schlossgraben in Deidesheim schon ganz gut gelungen.

So regeln das die Städte in der Pfalz

  • Speyer: Von der Satzung her ist die Stadt Speyer schon weiter als Deidesheim. In der Kaiserstadt hatte der Stadtrat bereits im Mai vor einem Jahr mit großer Mehrheit das Verbot von Schottergärten beschlossen. Das gilt beim Neubau von Häusern - bestehende "Steinwüsten" werden nicht verboten.
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Seit dem Verbot in Neubaugebieten arbeite die Stadtverwaltung an einer Bestandsaufnahme, wie die Flächen rund um ein neues Haus aussehen sollen und wie sich das in der Baugenehmigung niederschlagen wird, sagte eine Sprecherin der Stadt Speyer dem SWR.

  • Neustadt: In Neustadt an der Weinstraße hat der Stadtrat im März ebenfalls Schottergärten in Neubaugebieten ausgeschlossen. "Das wird künftig in allen Bebauungsplänen in Neustadt so festgelegt" sagt der Stadtsprecher.
  • Frankenthal: Auch Frankenthal hat einen Beschluss. Unbebaute Flächen auf dem Hausgrundstück müssen zu zwei Dritteln begrünt werden. Außerdem hat die Stadt zur Beratung einen Flyer aufgelegt und berät die Hausbesitzer ökologisch, wenn sie einen Garten haben oder anlegen, sagt eine Sprecherin der Stadt.
  • Landau: Auch in Landau gilt eine Begrünungspflicht für die geplanten Neubaugebiete in den Stadtteilen Arzheim, Godramstein, Mörzheim und Wollmesheim.
  • Ludwigshafen: Einen interessanten Weg geht die Stadt Ludwigshafen. Dort können Hausbesitzer Geld sparen, wenn sie bislang versiegelte Flächen begrünen. Dann verringert sich die Oberflächenwassergebühr, die sie zahlen müssen. Wichtig sei der Einsatz von "versickerungsfördernden Belägen" wie Gras oder Schotterterrassen, heißt es auf einer Internetseite der Stadt. 

Der Kampf gegen Schottergärten in pfälzischen Kommunen ist nicht nur eröffnet – er ist in vollem Gang.

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