Mehr als 60 Wildschweine erlegt

Pfälzerwald: Jäger ziehen nach Großjagd auf Wildschweine Bilanz

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Für Wildschweine ist im Pfälzerwald der Tisch reich gedeckt. Weil sie sich deshalb gut vermehren, gab es am Samstag eine revierübergreifende Wildschweinjagd im Kreis Südliche Weinstraße.

Schnee im Pfälzer Wald (Foto: SWR)
Die Jäger waren revierübergreifend im Pfälzerwald unterwegs

Nach Angaben des Kreisjagdmeisters Jörg Sigmund haben sich rund 140 Jägerinnen und Jäger in sieben Revieren an der Jagd beteiligt - unter anderem in Eußerthal, Dernbach, Böchingen und Gleisweiler.

Wildschwein läuft durch Ramberg

Es habe keinerlei gefährliche Zwischenfälle gegeben wie Unfälle und Angriffe mit aufgescheuchten oder verletzten Wildschweinen. Einzig in Ramberg (Kreis Südliche Weinstraße) hätten Anwohner gemeldet, dass ein aufgescheuchtes Wildschwein durch das am Waldrand gelegene Dorf renne. Es sei dann aber wieder in Brombeerhecken und im Wald verschwunden.

Landau: Viele Wildschweine erlegt

Insgesamt haben die Jäger auf einer Fläche von rund 900 Hektar mehr als 60 Wildschweine und 15 Rehe erlegt, so Sigmund - darunter vor allem jüngere, kleinere Wildschweine. Die seien jetzt noch nicht geschlechtsreif und könnten sich aber in Zukunft vermehren.

Wildschweine: Frischlinge und Mutter, der sogenannten Bache (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Bildagentur-online/McPhoto-Schulz)
Bildagentur-online/McPhoto-Schulz

Mario Biwer vom Forstamt Haardt in Landau sagte dem SWR, das seien viele Tiere gewesen, zumal es sich ja bereits um die dritte Großjagd in dieser Saison gehandelt habe.

Jetzt ist erst einmal Schluss mit Großjagden im südpfälzischen Bereich des Pfälzerwaldes. Die Großjagd-Saison beginne erst wieder im Oktober, so Kreisjagdmeister Sigmund.

Was haben Pfälzerwald-Besucher mitbekommen?

Wer am Samstagvormittag im Pfälzerwald im Kreis Südliche Weinstraße unterwegs war, bemerkte an vielen Stellen weiß-rote Absperrbänder und Hinweisschilder  mit der Aufschrift "Vorsicht Jagd".

Forstamt in Landau: Sehr viele Wildschweine unterwegs

Mario Biwer vom Forstamt Haardt berichtete, dass schon im vergangenen Jahr die Jäger im Revier des Forstamts bei Eußerthal ungewöhnlich viele Wildschweine erlegten - nämlich etwa 100 Tiere. Das sei ein Hinweis darauf, dass sich das Schwarzwild im vergangenen Jahr stark vermehrt habe.

Die Wildschweine könnten in der Landwirtschaft große Schäden anrichten, vor allem auf Mais-, Raps- und Getreidefeldern, aber auch auf Wiesen, weil sie alles durchwühlen und abfressen.

Außerdem sei die Gefahr größer, dass sich die afrikanische Schweinepest ausbreite, wenn es zu viele Wildschweine gebe, sagte der Sprecher des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz Günther Klein. Solche Großjagden seien wichtig, weil sie verhinderten, dass sich diese gefährliche Tierseuche ausbreite.

Ein Jäger steht im Wald und zielt mit seinem Gewehr. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Jäger schießen zur Zeit gezielt Schwarzwild (Symbolbild) Thinkstock -

Auch Rehe auf der Abschussliste

Auch Rehwild wurde am Samstag bejagt, damit es sich nicht zu stark ausbreitet. Denn die Rehe fräßen die Knospen und Triebe junger Bäume so stark ab, erklärt Biwer, dass diese absterben. Und das sei ein echtes Problem, weil der Wald ohnehin unter dem Klimawandel leide.

Pfälzerwald: Wie die Jagd abläuft

Am Samstagvormittag ab 10 Uhr begann eine sogenannte Bewegungsjagd: Ein Teil der Jägerinnen und Jäger läuft mit Hunden quer durch den Wald und macht dabei Lärm, um das Wild aufzuscheuchen, beispielsweise indem sie Stöcke aufeinander schlagen. Die anderen stehen in einer Reihe in größeren Abständen nebeneinander und warten, bis das aufgescheuchte Wild ihnen vor die Flinte läuft.

Insgesamt in sieben Revieren waren die Jäger so im Pfälzerwald unterwegs. Sie jagen revierübergreifend, weil die Wildschweine auch vor Reviergrenzen nicht Halt machen und deshalb mehr Tiere erlegt werden können, so Biwer.

Reh ist das Wildtier des Jahres 2019 (Foto: SWR, SWR -)
Noch keine Schonzeit für Rehe SWR -

Was ist mit trächtigen Wildschweinen?

Nach Aussage des Sprechers des Landesjagsverbands dürfen die Jäger das ganze Jahr über auch auf trächtige Wildsauen schießen. Das liege am Seuchenschutz und daran, dass das Nahrungsangebot in unseren Wäldern so gut sei, dass die Tiere sich das ganze Jahre über vermehrten. Allerdings "ist das für jeden Jäger schlimm, wenn das tatsächlich passiert", so Klein. Ziel sei vielmehr, Jungtiere zu erlegen, bevor sie geschlechtsreif sind und sich fortpflanzen können.

Schonzeit für Rehe beginnt im Februar

Für das Dam- und Rotwild beginnt die Schonzeit im kommenden Monat. Im Winter gibt es eine Art Ruhezeit für trächtige Rehe. Das führt dazu, dass sie ihren Nachwuchs erst im Juni oder Juli zur Welt bringen. Eigentlich sollte man das Rehwild aber nun in Ruhe lassen, so der Sprecher des Landesjagdverbands. Die Jagd auf Rehwild sei aber noch bis Ende des Monats erlaubt.

Schnee im Pfälzer Wald (Foto: SWR)
Wanderer und Mountainbiker sollten Jagdgebiete meiden

Forstamt in Landau: Worauf muss ich denn als Waldbesucher achten?

Spaziergänger, Wanderer und Mountainbiker waren aufgerufen, sich unbedingt an die Absperrungen zu halten. Denn zum einen wird in den Jagdgebieten mit scharfer Munition geschossen. Zum anderen ist nicht auszuschließen, dass ein aufgescheuchtes oder auch verletztes Wildschwein einen Waldbesucher angreift und verletzt, so der Sprecher des Forstamts Haardt. Die Jagd dauerte offiziell bis 12 Uhr. Aber Besucher sollten die Jagdgebiete bis zum Abend meiden, so der Sprecher des Forstamts Haardt. Die Jäger waren nämlich noch bis abends im Wald, um sicher zu gehen, dass kein Tier verletzt unterwegs oder liegen geblieben war.

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