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Die Polizei warnt vor falschen Paket-SMS, mit denen Betrüger Handydaten ausspionieren können. Eine Polizistin erklärt, was dahintersteckt und was Betroffene tun können.

Polizeihauptkommissarin Ghislaine Werst vom Polizeipräsidium Rheinpfalz (Foto: Pressestelle, Polizeipräsidium Rheinpfalz)
Polizeihauptkommissarin Ghislaine Werst vom Polizeipräsidium Rheinpfalz Pressestelle Polizeipräsidium Rheinpfalz

Zur Person: Ghislaine Werst ist Polizeihauptkommissarin beim Polizeipräsidium Rheinpfalz mit Sitz in Ludwigshafen und stellvertretende Leiterin der Pressestelle.

SWR Aktuell: Eine neue Betrugsmasche sorgt derzeit ja bundesweit für viel Ärger: Dabei werden SMS mit der Nachricht "Ihr Paket wurde versandt" tausendfach an Handys geschickt. Warum sind die so gefährlich?

Ghislaine Werst: Mit der SMS wird ein Link versendet, und wenn man draufklickt, dann wird eine Schadens-Software auf das eigene Handy aufgespielt. Das ist sehr gefährlich, denn im schlimmsten Fall haben die Täter und Täterinnen dann Zugriff auf alle Daten, die auf Ihrem Handy gespeichert sind. Außerdem werden dann Ihre Kontaktlisten dazu genutzt, um weitere SMS an Ihre Kontakte zu senden, in denen dann auch diese Schadsoftware enthalten ist.

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SWR Aktuell: Bemerkt man denn, dass die Schadsoftware aufgespielt wurde?

Werst: Wenn Sie auf den Link geklickt haben, ist die Wahrscheinlichkeit schon sehr groß, dass die Software downgeloaded wurde. Wir empfehlen, dass sie dann sicherheitshalber Ihr Handy in den Flugmodus schalten. Sie sollten auch ein Backup machen von allen Dateien, die sie noch benötigen. Und dann sollten Sie Ihr Handy auf die Werkseinstellungen zurücksetzen.

SWR Aktuell: Was rät die Polizei noch?

Werst: Am besten den Link auf gar keinen Fall öffnen! Wenn das doch passiert ist, dann sollte man sicherheitshalber auch alle Passwörter ändern, die man im Internet und auf dem Handy nutzt, weil potenziell haben die Täterinnen und Täter da auch Zugriff drauf gehabt. Man sollte dem Mobilfunkanbieter informieren, dass man eventuell Schadsoftware runtergeladen hat. Wir empfehlen auch eine "Drittanbietersperre" beim Mobilfunkanbieter einrichten zu lassen. Damit verhindert man, dass andere von außen auf gewisse Funktionen zugreifen können. Und natürlich sollte auch eine Sicherheitssoftware – wie beim PC - auf dem Handy installiert sein, und Schadsoftware und Viren etc. frühzeitig zu erkennen.

SWR Aktuell: Viele Leute suchen derzeit im Internet nach dem Thema. Auch bei unseren Nutzern stößt es auf großes Interesse. Ich vermute mal, es gibt auch viele Fälle in der Pfalz?

Werst: Wir haben aktuell noch keine Zahlen ausgewertet. Letzte Woche hatten wir 60 Fälle, die uns gemeldet wurden. Aber wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer ziemlich hoch ist.

SWR Aktuell: Warum hat das denn so eine Konjunktur gerade?

Werst: Vielleicht weil der Online-Handel, wie man hört, ja gerade wegen Corona so boomt. Es kann sein, dass die Betrügerinnen und Betrüger das ausnutzen.

SWR Aktuell: Wenn man auf die Smishing-SMS geklickt hat, soll man dann Anzeige erstatten?

Werst: Ja, Sie sollten natürlich eine Anzeige bei der Polizei machen. Das geht ganz bequem über die "Online-Wache" bei der Polizei Rheinland-Pfalz, da ist sie verlinkt. Da müssen sie kurz ihre Daten angeben und was passiert ist, dann geht die Anzeige ihren Weg.

SWR Aktuell: Kommt die Polizei an die Betrüger ran?

Werst: Wir versuchen natürlich, an die Betrüger ranzukommen, das gestaltet sich aber meist schwierig. Die Handynummern, von denen aus die SMS geschickt werden, werden meist im Internet am PC künstlich generiert Also: Die gibts gar nicht wirklich. Und da fehlen dann oft die Ermittlungsansätze, um die Täter und Täterinnen zu ermittelm.

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