Auf der Covid-Intensivstation, einer Klinik versorgen Ärzte und Schwestern einen Patienten. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Waltraud Grubitzsch)

Wegen Corona: Angespannte Situation am Klinikum Ludwigshafen

Klinikdirektor aus Ludwigshafen: Auch Geimpfte auf der Intensivstation

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INTERVIEW

Das Klinikum Ludwigshafen behandelt derzeit Corona-Patienten zwischen 30 und 90 Jahren. Wegen Impfdurchbrüchen landen jetzt auch doppelt Geimpfte auf der Intensivstation, sagt Klinikdirektor Prof. Günter Layer im Interview.

Städtisches Klinikum Ludwigshafen (Foto: SWR)
Das städtische Klinikum Ludwigshafen

SWR Aktuell: Wie ist denn die Corona-Situation derzeit am Klinikum Ludwigshafen?

Prof. Günter Layer: Die Lage in der ganzen Region ist angespannt und damit auch bei uns im Klinikum Ludwigshafen. Aber sie ist nicht annähernd so verzweifelt, wie sie während der dritten Welle vor genau einem Jahr war.

SWR Aktuell: Was heißt das denn für den Krankenhausalltag?

Layer: Die Situation ist deshalb angespannt, weil wir uns außerdem noch um die elektive Versorgung, also die Versorgung der übrigen Patienten mit anderen Krankheitsbildern, kümmern müssen. Für uns ist es schwierig, den Spagat zwischen der normalen Patientenversorgung samt Intensivstation als "Nadelöhr" und der zusätzlichen Belastung durch Covid hinzubekommen. 20 Prozent unserer Intensivbetten sind derzeit durch Covid-Patienten ausgelastet und die restlichen 80 Prozent sind immer belegt. Wenn wir noch mehr Kapazitäten für Covid-Patienten aufwenden müssten, dann brauchen wir mehr Personal und müssen Mitarbeiter umverteilen: Wir müssen dann qualifizierte Leute wieder aus dem OP auf die Intensivstationen holen, aber dann können wir nicht mehr so viel operieren, wie bisher. Und das bedeutet Konsequenzen für andere Schwerkranke durch Covid! Und das wollten wir dieses Jahr eigentlich auf alle Fälle vermeiden.

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SWR Aktuell: Wie viele Corona-Patienten liegen denn bei Ihnen auf den Normal-und Intensivstationen und wie geht es ihnen?

Layer: Wir haben derzeit neun Corona-Patienten auf Intensiv und zwanzig Patienten auf Normalstation. Es geht ihnen wie bei den anderen Corona-Wellen auch. Bei den Intensivpatienten haben wir drei ECMOS in Betrieb, das heißt diese Patienten werden auf der höchsten Stufe der Intensivmedizin versorgt. Auch die Prognose für diese Patienten hat sich nicht verändert: Sie ist nach wie vor bei allen Intensivpatienten relativ schlecht und bei den ECMO-Patienten besonders schlecht.

SWR Aktuell: Obwohl viele Jugendliche infiziert sind, liegen ja vor allem Patienten mittleren Alters um die 50 auf den Corona-Stationen. Wie ist das bei Ihnen?

Layer: Ja. Wir haben ein buntes Spektrum: Wir behandeln im Klinikum Ludwigshafen derzeit Covid-Patienten im Alter zwischen 30 und 90 Jahren.

SWR Aktuell: Sind die meisten der Patienten noch immer ungeimpft?

Layer: Nein, bei uns hat sich das geändert: Im Klinikum sind die Hälfte der Covid-Patienten Impfdurchbrüche, die andere Hälfte Ungeimpfte. Das verschiebt sich – zumindest bei uns in der Region – hin zu Impfdurchbrüchen.

Günter Layer am Klinikum in Ludwigshafen (Foto: SWR)
Günter Layer am Klinikum in Ludwigshafen

SWR Aktuell: Aber es heißt ja immer, die Krankheitsverläufe seien bei Impfdurchbrüchen wenigstens milder. Oder lässt sich das auch nicht sagen?

Layer: Auch das kann man nicht generell sagen. Wir haben auch bei den Impfdurchbrüchen Intensivfälle. Auch dort haben wir mittlerweile ungefähr fifty-fifty. Das ist natürlich unter dem Aspekt zu sehen, dass wir ja sehr hohe Inzidenzen haben. Die Statistiken sagen uns: Wenn wir nicht geimpft hätten, dann hätten wir sechs Mal so viele Patienten. Und wir hätten sicherlich noch mehr auf Intensivstation liegen. Dann wären wir sozusagen längst nicht mehr versorgungsfähig. Aber daraus schlusszufolgern, dass Impfung nichts hilft, ist natürlich Unfug. Trotzdem muss man aber auch den Geimpften sagen: Es gibt keinen 100-prozentigen Schutz und die AHA-Regeln und die Vorsichtsmaßnahmen gelten auch für Geimpfte! Fasnachtsfeiern ohne Maske beispielsweise sind auch für Geimpfte nicht sinnvoll!

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SWR Aktuell: Wenn doppelt Geimpfte auf der Intensivstation landen, handelt es sich um Menschen, die vorerkrankt waren?

Layer: Ja, in der Mehrzahl ist das der Fall. Besonders betroffen sind immunsupprimierte Patienten, also Menschen, deren Abwehr geschwächt ist, und Diabetiker, aber auch besonders dickleibige Patienten.

SWR Aktuell: Thema Veranstaltungen. Auf den Weihnachtsmärkten im Land gelten ja kaum Corona-Regeln. Ein Fehler?

Layer: Ja, das ist ein Fehler, das muss man gar nicht diskutieren.

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SWR Aktuell: Was fordern Sie denn jetzt von der Politik? Was muss getan werden? Was wird versäumt?

Layer: Entscheidend ist, wir müssen einfache und einheitliche Botschaften senden. Beides ist wichtig. Die Menschen können die Komplexität nicht verstehen und wenn drei Politiker oder auch Ärzte, versuchen, das Geschehen auf ihre Art zu erklären, dann kommen bei den Menschen drei verschiedene Botschaften an. Und das ist schlecht! Ich wäre dafür, zurückzukehren zu einheitlichen und einfachen Botschaften.

SWR Aktuell: Meinen Sie damit auch, einheitliche Regeln auf Bundesebene? Es gibt ja unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern, mal 2G, mal 3G…

Layer: Es wäre gut, wenn wir möglichst einheitlich vorgehen würden. Für die Politik ist das natürlich schwierig durchzusetzen, wenn die Zahlen so unterschiedlich sind. Trotzdem wäre es besser, die Politik würde sich auf einheitliche Regeln einigen. Am Anfang der Pandemie war das ja auch so! Dahin müssen wir wieder zurückkehren. Dass jeder ein bisschen schlauer sein will, als der andere, diese Zeiten müssen zu Ende gehen.

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SWR Aktuell: Was ist denn aus medizinischer Sicht jetzt das Wichtigste, um die Neuinfektionen zu senken? Maskenpflicht auf Weihnachtsmärkten oder private Kontakte wieder einschränken?

Layer: All das, was Sie ansprechen! Eine Maskenpflicht nicht nur auf Weihnachtsmärkten, sondern generell. Es muss selbstverständlich sein, dass man die Maske trägt. Das ist eine sehr effektive Schutzmaßnahme, das haben wir gelernt. Das müssen wir wieder einheitlich handhaben. Außerdem wünsche ich mir 2G. Ich habe immer gesagt. Wenn genügend Impfstoff da ist, muss der verimpft werden. Von daher stehe ich dazu, dass ich ein Befürworter von 2G bin. Abstandregeln und Vernunft - das müssen wir wieder einführen! Aber selbst, wenn wir uns ab morgen an diese Regeln halten, dann werden wir in den Krankenhäusern bis Weihnachten trotzdem keine Entspannung bekommen. Trotzdem müssen wir Vernunft annehmen! Besser spät reagieren, als gar nicht!

SWR Aktuell: Wie ist Ihre Prognose?

Layer: So wie ich es gesagt habe: Wir haben im Krankenhaus immer eine Verzögerung von zwei bis vier Wochen, bis die Corona-Patienten nach einer Infektion zu uns kommen. Auf den Intensivstationen gilt eher vier Wochen bis sechs Wochen. Sie wissen, wie die Inzidenzen in den vergangenen Wochen überall in Deutschland angestiegen sind – wir werden daher in den Krankenhäusern bis Weihnachten eine Verschärfung der Situation erleben, und keine Entspannung.  

SWR Aktuell: Das sind keine guten Aussichten. Hätten Sie gedacht, dass die Inzidenzen nochmal so anziehen?

Layer: Mir war bewusst, dass wir die Pandemie nicht hinter uns haben. Ich habe auch immer gesagt, dass wir nicht über einen "Freedom Day" sprechen und auch gar nicht dran denken sollten. Aber dass die Zahlen so hoch gehen, wie jetzt, hätte ich ehrlich gesagt, nicht gedacht. Da hat mich die Wirklichkeit tatsächlich noch ein bisschen härter getroffen, als ich es befürchtet hatte.

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