Städtisches Klinikum Ludwigshafen (Foto: SWR)

Corona-Patienten meist ungeimpft

Klinikdirektor Ludwigshafen: "Viele Klinikmitarbeiter sind frustriert"

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INTERVIEW

Das Klinikum Ludwigshafen behandelt derzeit 23 Corona-Patienten zwischen 20 und 80 Jahren. Fast alle sind nicht geimpft. Warum das die Klinikmitarbeiter sauer macht, berichtet Klinikdirektor Prof. Günter Layer im Interview.

SWR Aktuell: Unser letztes Interview haben wir im Juni geführt. Damals gab es keinen einzigen Corona-Fall im Klinikum Ludwigshafen. Jetzt behandeln Sie 23 Corona-Patienten. Wie ist denn die Lage?

Prof. Günter Layer: Wir haben aktuell zehn Intensivpatienten im Haus, ein weiterer ist am Freitag leider verstorben. Das war jetzt der zweite Todesfall innerhalb der vierten Welle im Haus, was zeigt, dass sich die Situation in den letzten Wochen insgesamt unerfreulich entwickelt hat.

Prof. Layer berät sich mit Mitarbeitern im Klinikum Ludwigshafen (Foto: SWR)
Prof. Layer berät sich mit Mitarbeitern im Klinikum Ludwigshafen

SWR Aktuell: Ist die Intensivstation am Klinikum voll?

Layer: Nein, wir haben ja eine erhebliche Intensivkapazität und die ist natürlich noch nicht ausgeschöpft. Aber sie ist relativ ausgeschöpft. Wir haben noch lange nicht das Maß erreicht, das wir bei der dritten Corona-Welle erdulden mussten. Aber Sie müssen natürlich berücksichtigen, dass wir auch wieder in Gefahr geraten, dass wir für die anderen Patienten nicht mehr im vollen Maße da sein können, wenn die Zahlen jetzt steigen.

SWR Aktuell: Sind die Covid-Patienten geimpft oder ungeimpft?

Layer: Wir haben derzeit von den zehn Patienten, die jetzt noch auf der Intensivstation liegen, einen Geimpften. Und auf der Normalstation liegen im Moment 13 Covid-Patienten, von denen zwei geimpft sind. Das heißt: Die breite Mehrheit unserer Patienten ist ungeimpft.

Gebäude des Städtischen Klinikums Ludwigshafen mit Kunstwerk "Ring des Seyns" . (Foto: SWR, Foto: Panja Schollbach)
Das Klinikum Ludwigshafen Foto: Panja Schollbach

SWR Aktuell: Frustriert Sie das denn?

Layer: Die Frage ist weniger, ob es mich frustriert. Aber es frustriert die Mitarbeiter. Das muss man als gesellschaftliches Phänomen im Auge behalten, dass sich da die Stimmung unter den Krankenhausmitarbeitern breitmacht: "Warum tun die mir das an?" Die Mitarbeiter arbeiten seit anderthalb Jahren unter stärkster Belastung und die sehen jetzt, dass fast alle Patienten, die sie betreuen, ungeimpft sind. Das müsste nicht sein. Wir hätten sehr viel weniger Belastung, wenn alle mitspielen würden und sich impfen lassen würden. Bei manchen führt das zu einer gewissen Wut, bei anderen zu Frustration. Es macht schon etwas mit den Pflegern, Schwestern und auch mit den Ärzten, die vor Ort sind.

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SWR Aktuell: Das kann man ja gut verstehen. Aber gibt es nicht auch Menschen mit Vorerkrankungen, die sich gar nicht impfen lassen dürfen?

Layer: Die Frage, ob jemand geimpft werden kann oder nicht, ist mittlerweile relativ gut beantwortet. Es gibt ganz wenige Patienten oder auch Mitarbeiter, die sich aus medizinischen Gründen zur Zeit nicht impfen lassen können. Das ist eine sehr kleine Minderheit weit, weit weg von den 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung, die das Impfangebot bisher nicht wahrgenommen haben.

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SWR Aktuell: Hätte man im Prinzip die vierte Welle, die Sie jetzt erleben, verhindern können?

Layer: Ja, das muss man so sagen, wenn wir schneller mit dem Impfen gewesen wären. Wir haben uns im letzten Jahr darüber unterhalten, dass wir schneller impfen müssen, dass wir den Impfstoff schneller zur Bevölkerung bringen müssen. Da hat man sich darüber gestritten, ob sich Leute vorgedrängelt haben. Und heute haben war im Prinzip die umgekehrte Situation: Impfstoff ist in Massen da, aber die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, ist nicht mehr da. Es ist nicht gelungen, die Aufklärung so weit voranzutreiben, dass sich alle, die sich impfen lassen könnten, auch wirklich impfen lassen. Ob das aus falscher Überzeugung, aus Faulheit, aus Dummheit geschieht - ich kann es nicht sagen.

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SWR Aktuell: Erleben wir jetzt also die vierte Welle der Ungeimpften und Jüngeren?

Layer: Ja und nein, ungeimpft ja, im Schnitt auch jünger. Aber die beiden Verstorbenen waren zwischen 60 und 70 Jahre alt, ungeimpft und hatten meines Wissens auch Vorerkrankungen. Es sind unter den Patienten generell schon eine hohe Anzahl mit Vorerkrankungen oder auch mit Adipositas. Das sind Risikofaktoren, die geblieben sind.

SWR Aktuell: Auf der Intensivstation am Klinikum lag kürzlich eine junge Frau mit 24. Ist das ein Einzelfall?

Layer: Wir haben immer wieder Patienten unter 30 auf der Intensivstation und es sind im Schnitt deutlich jüngere Patienten. Aber wir haben alle Altersklassen von 20 bis Anfang 80. Der Trend ist natürlich der, dass die Patienten deutlich jünger sind, weil auch die Impfbereitschaft der Älteren wesentlich höher ist als die Impfbereitschaft der Jüngeren in der Bevölkerung.

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SWR Aktuell: Rheinland-Pfalz hat aktuell ein neues, abgestuftes Warnsystem für Corona aufgelegt, das sich nicht mehr allein auf die Inzidenzen konzentriert. Für wie sinnvoll halten Sie das?

Layer: Prinzipiell ist das sinnvoll, aber es gibt mehrere Probleme mit diesem abgestuften Konzept. Auch wenn es medizinisch-fachlich wahrscheinlich das richtige Konzept ist, ist es auch sehr kompliziert. Das begreift kein normaler Mensch! Wenn sie die Verordnung lesen, dann werden sie wahrscheinlich kläglich scheitern. Das Ganze wird so kompliziert und immer komplizierter, dass selbst Fachleute das eigentlich kaum noch verstehen können. Prinzipiell ist es aber natürlich wichtig, dass man multifaktoriell arbeitet, muss ich zugestehen. Aber es ist ein Geburtsfehler dieser neuen Verordnung, dass sie einfach viel zu kompliziert und zu komplex ist.

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SWR Aktuell:  Einfacher zu verstehen ist die 2G-Regel. Die gilt zum Beispiel derzeit beim Festival des deutschen Films, da dürfen nur Geimpfte und Genesene rein. Die richtige Maßnahme?

Layer: Jein. 2G halte ich grundsätzlich für richtig. Der Test ist nicht gleich sicher wie die Impfung, das will ich ganz klar aus medizinischer Sicht betonen. Insofern 2G, ja. Aber nicht in dem Sinne, dass derjenige, der geimpft oder genesen ist, Narrenfreiheit besitzt! Denn auch für den gelten natürlich weiterhin die Spielregeln, dass die AHA Regeln gelten, dass man die Maske zu tragen und dass man sich zu disziplinieren hat und von großen Menschenansammlungen fernhält. Wir haben ein gewisses Restrisiko für Impfdurchbrüche und es wäre fatal, wenn die Geimpften oder Genesenen jetzt so tun würden, als wenn sie überhaupt kein Risiko oder keine Aufgabe mehr hätten, zum Schutz von allen beizutragen. Denken Sie daran, dass zum Beispiel alle Kinder noch nicht geimpft sind!

Das Klinkum Ludwigshafen (Foto: SWR)
Das Klinikum Ludwigshafen

SWR Aktuell: Die über 80-Jährigen und Risikopatienten bekommen die dritte Impfung. Biontech hat jetzt angekündigt, bald einen Impfstoff für die Fünf-bis Elfjährigen auf den Markt zu bringen. Eine gute Nachricht?

Layer: Ich glaube, das braucht es dringend. Die Eltern sind auch verunsichert. Das spürt man in vielen Gesprächen. Und wenn der Impfstoff die Voraussetzungen erfüllt und freigegeben werden kann und wenn diese Hoffnung erfüllt wird, wäre das für mich ein sehr, sehr positives Zeichen.

SWR Aktuell: Womit rechnen Sie in diesem Herbst?

Layer: Ich kann es Ihnen beim besten Willen nicht sagen. Eigentlich bin ich negativ überrascht von einem steilen und frühen Zahlenanstieg. Das Entscheidende ist, wo der Peak sein wird. Wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass wir 60 Prozent der Bevölkerung durch die Impfungen weitestgehend geschützt haben, dann kann dieser Peak eigentlich nicht mehr so hoch sein, wie in den ersten Wellen. Und dann müssten wir eigentlich den Peak der vierten Welle bald erreichen. Das würde heißen, dass wir dann wieder eine Pause hätten und im Winter vermutlich die fünfte Welle.

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